Brev från Elisabeth Zenker till Cläre Immisch kring 1 september 1977

Min farmor Elisabeth ("Mutti") var 96 år och "Cläre" Immisch skulle just fylla 85. De avled båda följande år. /SZ

Lidingö [oläsligt datum]

Meine liebe Schnauke!

Was für einen grossartigen Brief hast Du mir geschrieben zu meiner Freude und sagst Du wärest fast blind! aber siehst Du, so müssen alle Leute auch von mir denken, denn ich kann auch nicht gut schreiben bei ebenso hässlichem Augenversagen. Lesen können wir Beide ja auch nicht mehr und die freundlichen Gesichter im Altersheim kann ich nie erkennen und unterscheiden. Nur gut, dass wir uns alle mit Vornamen nennen, die Schwedischen Nachnamen würde ich mir nie merken. Also wir sind uns eben ähnlich, weil wir in alter Liebe und Treue an einander hängen, auch beide mit ganz steifem Gebein dazu! Und einsam bin ich ja auch, denn ausser Helenes wöchentlich 1-3 x kurz hereingucken kommt nur Gerd so aller Jubeljahre denn er steckt tief in Berufarbeit noch, sein Chef lässt ihn nicht zum Aufatmen als "Rentner" ja seit 2 Jahren, also sonst kommt niemand in meine hübsche Stube, aber ich bin vergnügt darüber wie mein Vater, der auch am liebsten allein an seinem Schreibtisch sass.

Nun aber lasse Dich streicheln und Dir Gottes helfende, stützende Hand zu Deinem 84. Geburtstag wünschen. Denn 85 kannst Du doch nicht sein, wenn Du 1893 geboren bist, wie Du behauptest? [Cläre föddes 10.9 1892.] Ja, wir beide können eben nur noch sagen: Psalm 31 Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in Deinen Händen, und wie Dein Onkel Walther in seinen letzten Krankheitsjahren sagte, wenn Besucher fragten, womit er sich wohl noch beschäftigen könne, nur so ergeben sagte, "ich warte" - - -

Der Sommer flog dahin, grau, kühl und kein Ferienglück für alle Schulkinder, aber die Natur hat es als Gottes Segen empfangen, so herrliches Grünen u. Wachsen umher nach den trocknen Sommern vorher, da die nötigen Brunnen auf Salta u. Stigsbo (Gerd u. Märtas Sommerhaus) versiegt waren u. sie Trinkwasser weit her holen mussten. So hatte der nasse Sommer auch sein Gutes!

Den 12 Urenkeln geht es allen gut aber mir bleiben sie eigentlich bischen fremd u. fern. Grosse Sorge bleibt mir Herthas nun über 8 Monate dauerndes Hautleiden, jetzt wieder seit 9 Wochen im Krankenhaus u. ihre angespannte Nervenkraft bedrohend, ich warte auf Nachricht, dazu diese entsetzlich lange gehende Post nach u. von der DDR, als ob wir in feindlichen Ländern lebten. Nun, meine Schnauke faltet auch für Hertha die Hände. Sie hätte Dir so gern geholfen im Juli. Frau Wagner auch meinen Dank fürs Vorlesen u. treue Hilfe für Dich!

Helene grüsst u. wünscht Dir mit mir alles, alles Gute und wenigstens gute Nachtruhe. Deine schwarze Katze.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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