Brev från Marianne Schweitzer till Märta den 7-17 april 1965

Dresden den 7. April 1965
12. April
17. April

Meine liebe Märta!

Es ist ganz schlimm wie ich mich benommen habe! Solch feines Weinachtspaket, solch lieben Brief von Dir, und noch kein Dankwort. Sei mir bitte nicht zu böse. Es gab und gibt so schrecklich viel Arbeit und so viel unangenehmes Drum und Dran. Aber natürlich ist's trotzdem Bummelei und Trägheit und letztere gehört wohl sogar an den sieben Todessünden. Also bitte verzeih mir und nimm meinen - unseren Dank noch gnädig an. Du hast uns eine so grosse Freude mit dem Paket gemacht, und wir danken Dir - Euch - so sehr dafür.

Weihnachten lag Otto meistens, er hatte eine Grippe mit heim gebracht von einer Dienstfahrt mit dem Zug. Ich steckte mich dann an, konnte mich aber nicht legen, da ja in der Weinachtszeit immer allerhand Besuch da ist. Vor allem meine "lahmen Enten" wie Galsworthy es so treffend in der Forsythsaga nennt. Lauter einsame alte Weiblein kommen in diesen Feiertagen zu uns zum Essen und meist bis abends. Armer Otto, der das immer so geduldig erträgt. - So verschleppte ich die Grippe und wurde dann recht elend. Eins kam zum Anderen, Nierenkoliken, auf einmal konnte ich nicht mehr aufrechts gehen sondern nur ganz krumm, Magenschmerzen usw. usw. Ich sah grün-weiss aus. Unser sehr guter und lieber Doktor wusste nicht weiter und schickte mich nun zum Röntgen, erst Nieren und Harnwege. Das ergab, dass der Stein im rechten Nierenbecken weiter dort sitzt (seit 2 Jahren) aber der geniert mich nur ab und zu. Dann ergab es: ein ganz miserables abgenutztes Knochengerüst wie der Arzt sich ausdrückte. - Nicht bücken, nichts heben, nichts graben! Bei dem Garten! Aber ich habe ihn jetzt fast in Ordnung gebracht und es ging, wenn auch mühsam. Dann schickte er mich zum Magenröntgen und es ergab sich ein Geschwür, welches ich jetzt 5 Wochen lang mit einer Rollkur mit Erfolg bekämpfte. Nach Ostern wird eine Kontrollaufnahme gemacht.

Bei all dieser Misere lief ja aber alles Andere weiter, und ich musste zeichnen, vergrössern, vermessen helfen, Haushalt führen für Mensch und Vieh. - Ich schrieb das alles so ausführlich, damit Du mildernde Umstände gelten lässt. Otto erholte sich, Gott sei Dank, gut wieder. Jetzt im Frühjahr arbeitet er mir fast zu viel, aber es ist ja unsere Hauptsaison. Nötig wäre uns beiden einmal ein Urlaub, aber das ist der Fluch des Freischaffenden, dass dann allemal gerade Aufträge kommen, wenn man fort will. Und das ist dann so wichtig, dass man alles andere fahren lässt. Ich sehne mich aber schrecklich danach, auch einmal wieder die Füsse unter den gedeckten Tisch stecken zu dürfen.

Nun aber fängt erst einmal "die Saison" bei Schweitzers an. Eröffnet wird sie am Sonnabend durch Burgl und ihren Dietmar. Wir freuen uns sehr auf die Zwei. Sie bleiben 3 Wochen. Dann kommt also Ende Mai Mutti, dann Ottos Bruder, dann Nessi. Aber wir freuen uns auf alle von Herzen. Unser Muttchen ist immer so behaglich und so fröhlich mit uns. - Aller 14 Tage kommt Sibylle sonntags zu uns zu Tisch bis abends. Das ist immer besonders hübsch. Sie ist so lebhaft und geistig so rege und kein Mensch glaubt ihr ihre 74 Jahre. Hertha kommt seltener. Erstens hat sie ja einen sehr anstrengenden Dienst, und dann will sie sich auch nie "binden". Aber sie ruft wenigstens oft an.

So, jetzt will ich Abendbrot machen. Otto ist noch nicht zurück, er hält einen Vortrag vor Berufsschülern in Strehlen. Ich - hier kam er. - Inzwischen sind Burgl und Dietmar eingetroffen, aber verspätet und deshalb leider nur für 10 Tage. Es sind beide so liebe, fröhliche, intelligente Menschen, die liebevoll zu uns hängen und wir an ihnen. Heute kommt Sibylle, morgen, Ostern Friedel Seidel und Käte Dörries und Volker und Hertha und Lotte Kretschmar - auf das das Haus voll werde. Ich färbte heute nacht 38 Ostereier und buk 3 Kuchen.

Leb wohl, behaltet uns im Herzen lieb.

Deine - Eure - Nanna und Otto

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
Till Liber hemsida  
Senast ändrat eller kontrollerat den 9 mars 2015.