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Brev från Hertha Zenker den 27 november 1963
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Dresden, den
27. 11. 1963
Nach einem langen arbeitsreichen Tag sitze ich im Ofeneckchen. Da denke ich, daß ich diesen Tag mit einem Brief an Euch abschließen werde. Nun, gedacht - getan. Herzlich möchte ich mich bedanken für das gestern angekommene Paket. Ja, und heute während der langen Arbeits-Betriebs-Plan-Sitzung (von 9 - 17 Uhr) lutschte ich zur Stärkung Bonbons aus Schweden. Meiner Nachbarin zur Linken drückte ich auch ab und zu eins in die Hand. Abgesehen von Paketherrlichkeiten bin ich immer glücklich wieder mal ein Zeichen von Eurem Dasein zu haben. Glaubt mir, wir gehören ja doch noch zusammen. Mutti wird wohl viel von uns berichtet haben, wenn auch nur von der von ihr gesehenen und beurteilten Seite aus. Es ist schwer von unserem Erleben die für Euch richtige Beleuchtung heraus zu heben. Es ist doch so ganz anders. Gearbeitet und gekämpft für das Dasein wird überall, wie es aber aufgefaßt und angfaßt wird, ja das ist so verschieden im Bewußtsein. Die Hauptsache ist, daß sich unsere Mutti in Dresden wohl gefühlt hat. Es war doch ein so schöner Sommer, und der Herbst ist bis jetzt noch so mild, sogar die Rosen blühen noch immer. Mutti schrieb, daß Ihr zum 30. Hochzeitstag von Tiblin's in Lidingö gewesen seid. Es war sicher sehr hübsch und fröhlich dort. Vielleicht habt Ihr auch dabei an die Dresdner gedacht. Wie geht doch die Zeit so schnell vorbei. Alle Kinder sind groß und erwachsene Menschen geworden. Übrigens habe ich am Montag einen Stollen an Euch abgesendet, "damit die 'Kinder' was zu essen haben!" Allerdings werde ich nur ganz wenig davon essen, denn die Galle oder vielmehr die gekränkte Leber dürfen so etwas nicht angeboten bekommen. Leider merke ich den Lebersschaden ziemlich oft, besonders wenn ich gehetzt, geärgert werde, oder nachts arbeiten muß. Hoffentlich geht es Euch da besser. Ja? An Euren drei prächtigen Söhnen habt Ihr ja viel Freude und Stolz. Ob nun Stefan nach Amerika geht? Die Mutter wird wohl darüber über diese Entfernung traurig sein. Aber eigentlich gibt es keine Entfernungen mehr in der Welt. Man merkt das ja an allerhand Dingen. Ich hörte in ganz klarer Übertragung die Beisetzung von Kennedy. Das war so erschütternd traurig. Oder, man denke an die Pockenerkrankungen. Die Welt ist klein geworden. Und doch können so viele nicht zu einander kommen. Sind alle drei Weinachten bei Euch in Farsta? Oder ist Rolf mit Birr zusammen bei den künftigen Schwiegereltern? Ich habe am Heiligen Abend den Dienst übernommen. Paßt auf, abends halb 11 Uhr zünde ich eine Kerze extra an, und da werde ich an alle "Schweden" denken und dabei ganz still sein. Wenn Ihr dann vielleicht dasselbe tut, werden wir zu einander fliegen - den Gedanken spüren. Ist das nicht ein Weinachtsgedanke, der durchfürbar ist? "Meiner Familie" geht es gut. Erna ist ja im Studium Med. techn. Assistentin, Fachrichtung Röntgen. Ich habe dabei viel mitgelernt. Im Alter lerne ich gerne zu lernen. Spät kommt es, aber es kommt doch, kann man da nur sagen. Eben sehe ich und merke es, daß beim Schreiben eine kleine Flasche Weinbrand leer geworden ist. Echt - Eure Schwester H. |
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