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Brev från Susanne Zenker f. Tunder den 12 november 1963
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(6292) Weilmünster
HS [?] Liebe Märta und lieber Gerd! Als Renate und Uli mich Ende August hier besuchen kamen, haben sie mir so viel von Euch und Euren so tüchtigen Söhnen erzählt und mir auch die schönen Fotos von Euch beiden gezeigt, sodaß ich dadurch wieder eine viel genauere Vorstellung von Euch und Eurem Leben gewonnen habe. Denn die Erinnerungen an unsere letzten persönlichen Begegnungen liegen ja nun schon ziemlich weit zurück, obwohl ich noch sehr viel Schönes davon weiß. Du, Märta, mußt ja ein fabelhaftes Gedächtnis haben, Renate sagt, Du könntest Dich auf unglaublich viele Dinge besinnen aus unsrer einstmals gemeinsamen Zeit in Freital. Wenn ich so zurückdenke an 1939, so war es doch trotz des Kriegsbeginnes eine herrliche Zeit, als Du, Märta, unser aller Hausfrau warst, und was für eine Gute! Ich weiß auch noch, wie Ihr später mit dem kleinen Stefan und dem noch kleineren Rolf abends der Bomber wegen zu uns kamt und wie lustig sie zusammen waren. Rolf nannte das immer mit seiner dunklen Stimme: Ankan gehen, und er war der einzige, der unsere schwarze Anka ungestraft fest am Schwanze ziehen durfte. Ja, an diesen kleinen damaligen Rolf erinnere ich mich gut. Und jetzt kenne ich ihn gar nicht, der leider auch nie etwas von seiner Patentante Suse gemerkt hat. Es tut mir oft Leid, daß die ungünstigen Zeiten in Deutschland, die große Entfernung und mein Schicksal uns auseinander brachten. Aber ich bekenne mich dabei durchaus schuldig, weil ich viele Jahre lang nach Hansens Tod (der sich gerade zum 11. Male jahrte) gar kein Briefschreiber mehr war. Anfang dieses Jahres habe ich die Verbindung mit Nanna wieder aufgenommen. Aber sie kommt natürlich wenig zum Schreiben, seit Otto erkrankte. Nach ihrem letzten Bericht geht es Gott sei Dank mit Otto wieder bergauf. Auch Sibylle schrieb mir, was mir eine besondere Freude war. Und von Mutter bekam ich aus Dresden auch so eine liebe Karte. Als ich kürzlich für ein paar Tage in Frankfurt war bei meiner 86-jährigen Mutter, bei meiner Schwester u. ihrer Familie, habe ich tüchtig in meinen dort stehenden Sachen geräumt. Da fand ich unter den von Hans hinterlassenen Schriftsachen allerlei, was ich nun weiterschicke. Eben machte ich für Mutter ein Päckchen fertig mit vielen handschriftlichen Predigten und Vorträgen von Deinem Großvater Ackermann, Gerd. Und für Euch wählte ich auch die Erinnerungen an Vaters englische Reise im vorigen Jahrhundert. Vielleicht macht dieses so sorgsam geklebtes Dokument Euch und Euren Söhnen Freude, ja? Walters schriftlichen Bericht über diese Reise hat, glaube ich, damals Nanna bekommen von mir. Aber eigentlich müßtet Ihr das nun dazu haben. Außerdem lege ich noch ein Foto bei (weil es gerade in der Größe zum Schicken dazu paßt), was offensichtlich einen Onkel von Dir, Gerd, vorstellt. Ists vielleicht der Arzt in Dresden? Also hoffentlich macht es Euch Spaß, wie Vater 1899 London ansah. Falls Du, Märta, trotz Deines doppelten Berufes mal Zeit fändest, mir einen kleinen Nachricht über Euer Leben und Treiben zu schreiben, so fände ich das natürlich herrlich, wenn ichs durch mein langes Schweigen eigentlich auf nichts verdient habe. Mutter und Renate werden Euch sicher etwas von meinem Ergehen erzählt haben, dazu gibts jetzt noch nichts zu berichten. Ich warte sehr auf ein Zimmer im Altersheim. Zuletzt grüße ich Euch sehr herzlich, auch unbekannterweise die Herren Söhne!
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