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Brev från Elisabeth Zenker ("Mutti") till Gerd resp. Märta
den 4 juli 1962
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Domnarvet, 4. 7. 62
Zu meiner Mitfreude hörte ich, dass Ihr Euch in das "dejlige" Land südwärts aufmachen wollt, aus dem Helene u. H-g vor'm Jahr so entzückt von ihrem stillen Städtchen heimkamen. Ich wünsche Dir zu Deinem Geburtstag viel blauen Himmel und Sonnenschein und hier einen kleinen Obolus zu delikaten Dansk smörrebröd o. vienerbröd. Möge der 11. 7. so Euch lieb in der Erinnerung bleiben, wie mir der unvergessliche in Nancy, für den ich Euch immer wieder danke. Ich werde in den geplanten 4 Wochen bei meiner Cläre so viel an das hübsche Zusammensein mit Euch denken! freu mich, dass sie so glücklich in ihrer neuen, bequemen Wohnung ist mit harmonischen Hausgenossen. Am 3. 8. fahre ich hier los, abends v. Stockh. Direkt ohne in Kopenhagen umsteigen zu müssen nach Bremen, durch das grüne Dänemark nach Flensburg, Hamburg also. Zurück aber über Grossenbrode, die Fahrt will ich noch mal geniessen, ehe es den "Vogelweg" dann geht. (D. h. ob ich selbst dann noch so unternehmend bin!) Ein gesundes, sorgenfreies Lebensjahr wünscht Dir voll Liebe für Dich und die Deinen
Das war aber schön, dass die böse Post Dich zu so einem lieben Plauderbrief veranlasste, hab herzlichen Dank, wie fabelhaft kannst Du deutsch Dich ausdrücken, Du müsstest schwed. Litteratur übersetzen. Zunächst gratuliere ich Euch tüchtigen Eltern zu Euren, scheint's, noch tüchtigeren Söhnen! ich bin stolz mit Euch, obwohl ich mir's ja nicht auf meine "Erbmasse" rechnen kann, aber wohl Gerds Vater und - mich überhuppend - meinen D. Dr. Vater, den primus omnius der Meissner berühmten Fürstenschule! Aber sage Erik, er solle sich nicht zu unbedacht an die schöne Helena binden, denn da der König ein Auge auf ihn geworfen hat, verspricht er dem klugen Knaben vielleicht die jüngste Prinzessin und das halbe Königreich! Na, jedenfalls kommt aber mindestens einer Eurer Söhne in Nordisk Familjebok ausser dem Trichinen Zenker, hoffen wir's! Ich war kalt im Rücken, Dich auch mit Rolf auf dem Dach "zwischen Himmel und Erde" zu wissen. Auch dazu wäre ich ganz unfähig u. unnütz gewesen. Wie viel ich an alle armen Menschen hinter der chinesischen, modernen Mauer denke, kann ich garnicht sagen. Dass so etwas barbarisches heutzutage möglich ist! aber dann wird einem ja wieder der Mund versiegelt, wenn man an die Gaskammern denkt, von denen man bis Kriegsende doch eben keine Ahnung hatte, die lieben Feinde mögen das Gegenteil behaupten so viel sie mögen. Ich wollte bis zuletzt tapfer aushalten, auch hungern u. im Keller sitzen, mein Vorbild blieb Friedrich der Grosse und Euer Karl XII. Aber die sind ja nun auch zum alten Eisen geworfen! All min dumma prat är ju meningslös! Dann eben brachte die liebe Post mir einen so überraschenden u. reizenden Brief von Rolf, der mich mit Euch, das hoffe ich doch, sehr glücklich macht. Is lieb, dass er mir selbst von seinem Glück schrieb, dass er sich mit seiner Birr verloben wird u. Ihr sie mit nach Dänemark nehmt. Meine aufrichtigsten Wünsche für die zwei Glücklichen, ich war ja gleich auch so "angetan" von dem feinen, liebenswürdigen Mädchen, aber muss sagen, dass sie auch unter tausenden das grosse Glück geniesst, dass ihre erste Liebe von einem so männlich klaren Freund erwidert wird, der weiss, was er will u. kann u. ihr Wärme und Sicherheit für ihr Leben bietet. Mögest Du, liebe Märta, so ungetrübte Freundschaft u. Liebe zu Deiner Schwigertochter viele, viele Jahre haben, wie ich an Dir! Grüsse das junge Brautpaar, ich muss doch gleich noch ein "tia" (leider nur) einlegen, dass Rolf seiner Birr auch ein smörrebröd oder 'glass' spendieren kann. - Die Karte gib ihr, wenn Du's für angebracht hältst, sonst lasse sie ruhig verschwinden. Nun danke Rolf sehr u. gratuliere (jung gefreit hat niemand gereut!) ich weiss seine Utö Adresse nicht, aber er ist ja nun wohl schon bei Euch vielleicht. Und Helene ist in Helsingfors (bei dem Wetter auf See!) u. kann ihr nicht gleich auch meine Freude miterzählen.
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