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Brev frċn Elisabeth Zenker ("Mutti") den 19 januari 1962
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Domnarvet, 19. 1. 62
Seid umarmt u. bedankt für Eure lieben Wünsche z. 81. - Methusalem hat sicher nicht so schöne Pralinen damals gekriegt, ein richtiges "Fortuna"füllhorn, wenn auch platt in rot-goldner Pracht. Auch freundl. Wünsche kann man stets gebrauchen, ich schäme mich aber beinah, dass ich Schweden 15 Jahre schon weder mit Arzt- noch sjukkassa geschädigt habe, d. h. ich freue mich natürlich. Der so unverdiente folkspension könnte ich doch besser Hertha von meiner Konstitution (Marke Pferd, wie Brig. Volkmann sagt) abgeben. Das arme Ding muss ihre restl. Urlaubstage, die ihr ja als Reise zu uns so verhunzt wurden, nun krank geschrieben mit Leberkur zu Hause liegen. Die Ärztin rät dringend zum Berufswechsel, sagt im selben Atemzug: leichter gesagt als getan. Denn was? Bloss halb arbeiten gibt wenig Lohn, was sich eben auf die spätere Rente auswirkt, so wird sie wohl weiter schuften müssen, es gibt ja keinen Ersatz, dort arbeitet alles, vor allem die Ärzte, 150 %. Hertha hat schon immer ihren Chefarzt bestaunt, der 3 Dienststellen in Johannstadt, Neustadt u. Weisser Hirsch in ewiger Kreiselbewegung versorgt u. der sie sehr schätzt, weil sie so selbstständig ihn nicht unnötig heraufsprengt nachts. Und nun ist
ihr Helenes kaumgetragener warmer Mantel mit Pelzkragen für ihren
kalten Weg d. Schillerstr. runter, wenn keine Drahtseilbahn zur Zeit
geht, auch noch gemaust. Kann man ja sagen, wie Nannas warme Ueberschuhe
f. ihre Eisfüsse. Sie arbeitet ja mit ihren 63 Jahren rein als
junger Gärtnerbursche in Ottos Anlagen, weil eben auch da die Hilfskräfte
fehlen. N. u. H. kämpften
ja wie Löwinnen, während Viele, denen es ebenso ging aus
Angst den Mund halten, wie sie schrieb, aber weg ist weg, in Berlin
wohl verteilt, u. der nun höflich zugesagte "Ersatz"
eben dort einfach nicht zu haben ist. Ihre Forderung, uns das Geld zu
ersetzen, mit Achselzucken abgelehnt: keine Devisen! Tante Gabi ist
grossartig in ihrem Zorn, ihr bescheidenes ½ Aber Weinachten haben sie sich trotzdem in alter Art hübsch gemacht mit Christvesper u.s.w. Aber wann wird man sich nun je wiedersehen? Ich darf wohl hin, aber kann von Dresden (ich darf nicht mal über dessen "Bannkreis" raus) nicht nach Bremen od. Freiburg. Und 2x die lange u. teure Reise mache ich nicht wieder u. ich will auch erst im August zu T. Marga, denn wie ein Stein liegt mir's doch auf der Seele, dass es der letzte Sommer im geliebten Dalarne ist u. da muss ich die hellen Nächte u. im Juli noch d. Rosenterasse so sehr geniessen wie ich kann. Vor Lidingö fürchte ich mich nämlich, da nehme ich doch ein Zimmer weg, was doch garnicht da ist u. ich wollte doch so gern in St. Tuna begraben sein! Na, den Tag, die Sorgen sagt Helene u. da hat sie auch recht. Wisst Ihr denn schon, dass Cläre eine so reizende neue Wohnung hat, sie ist so glücklich u. dankt dem lieben Gott von früh bis spät. Adresse ist Hansjakobstr. 4III (Ecke Eggstr. dem "Schiff" gegenüber). 2 Zi., Küche, Bad! Der Strassenlärm stört sie ja nicht, im Gegenteil hat sie was zu gucken u. fühlt sich nicht so weggesetzt. Nette Hausbewohner. Freilich bischen mehr Miete, aber da spart sie eben lieber, freilich wo?? fragt die Redaktion.
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