Brev från Elisabeth Zenker den 17 januari 1959

17. 1. 59

Meine liebe Märta u. Gerd!

Jetzt schreibe ich das erste Mal auf Erik's feinem "Prima Svensk" Briefpapier, - wie Stefans Schiller jetzt auf m. Nachttisch liegt u. schlaflose Stündchen mit prächtigen Zitaten erfüllt. Nachdem ich nun voller Begeisterung Laxness gelesen habe, hast Du? Das ist ein wundervolles Buch aus einer etwas fremden Welt, die zwar nach Lebertran duftet u. ewigem Fisch, aber grossartigen (d.v.s. nicht duftet etwa) Menschen. Ich ahnte nicht, dass L. auch so "spannend" schreibt u. will nun gleich Världens ljus lesen, das H-g besitzt. Jedenfalls fühle ich ganz isländisch u. gönne ihnen sehr eine 12 Meilengrenze, dass fremde Netze ihnen nicht ihre einzige Nahrung wegfischen bei all ihrer Armut. Den kleinen Jungen mit seiner Wortkargheit u. Unbestechlichkeit bei so warmen Herz möchte ich mit Otto vergleichen, dem gradlinigen Westfalen.

Habt also noch tausend Dank u. nun gar die Riesenmonsterschachtel Marabou, viel zu viel müsste dieser weise Vogel krächzen für so eine Ahnfrau, die ordentlich erschrocken war. Es ist aber natürlich herrlich, so heimlich u. leise sich eins "zu genehmigen", am liebsten zu ganz unpassenden Zeiten, ½ 2 - wie eben jetzt. Last not least. Dank für Deinen hübschen Plauderbrief. Da habt Ihr ja allerhand mitgemacht, das Hacksta-Fest war gewiss strålande. Sehr hoffe ich, dass Ihr Nachricht v. Rolf habt u. Deine Unruhe unbegründet. Es kann sich doch auch mal die Post verzögert haben. Nun, Du rufst sicher mal Helene an u. erzählst, wenn Ihr Nachricht habt, sie kann nun auch leicht hierher telefonieren. Wir haben's noch bequemer, brauchen nur erst 010, u. dann gleich die Nummer drehen u. schon sind sie da.

Das Fräulein haben H-g u. Helene gelesen aber mir vorenthalten, es würde mich blos aufregen. Vielleicht gut, ich, - vor allem Hertha in ihrem Beruf haben zu viel gehört u. gesehen in den schrecklichen Wochen u. Monaten, dass es im Brunnen der Erinnerung unten liegen mag. Aber die Amerikaner waren genau so Sieger wie die Russen u. benahmen sich wie die Schweden im 30 j. Krieg. (Bet, Kindel, bet, draussen steht der Schwed, draussen steht der Oxenstern, frisst die kleinen Kinder gern las ich einst an einem Haus im alten Konstanz.) Væ victis wird es nach jedem Kriege heissen, Gott behüte uns alle vor einem neuen. Aus der Ostzone kommt versteckt zwischen den Zeilen zu lesen grosse Sorge. Genau so in den Zeitungen der Westzone wie T. Marga heute schrieb.

Übrigens, Regi sieht reizend aus, scheint sehr tüchtig zu sein, schrieb mir so hübsch, von Sylvester, wo sie ein Feuerwerk abbrannte, die grossen Kinder wurden vor Mitternacht geweckt u. anschliessend wurde Regis 21. Geburtstag am 1. I. gefeiert, was d. Kinder begeisterte, ein "Tantengeburtstag" mitten in der Nacht! Es mag tüchtig anstrengend sein, 30 Kinder unter ihrer Hut ständig zu beschäftigen.

Ade für heute aus unsrer "Schneekönigin Reich" aus H.C. Andersens Märchen, habt innig Dank für Eure Liebe.

Eure Mutti.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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