Brev från Marianne Schweitzer till Märta den 20 oktober 1956

Dresden, den 20. 10. 1956

Meine liebe Märta!

Wieder wird dieser Brief leider nicht pünktlich sein. Die Geburtstage, so feststehend sie sind, überrumpeln einen immer wieder zuletzt. Die Post zu Euch geht eben leider auch zu lange. Du sollst aber wissen, dass wir Beide recht herzlich und mit vielen guten Wünschen an diesem Tage an Dich denken werden und herzlich und liebevoll soll es sein. Gesundheit vor Allem, Gottes Segen im besonderen für's neue Lebensjahr.

Und nun habe erst einmal recht viel Dank für Deinen lieben Brief und für die Bilder. Ja, das sind wahrhaftig "Herren Söhne"! Es ist so notwendig, sie einmal kennen zu lernen. Ist es eigentlich für Euch so ganz unmöglich einmal zu uns in die D.D.R. zu kommen? Es wäre so schön. Jetzt wo Ihr nun einen Wagen habt - bitte Bild - wäre es ja wunderbar wenn Ihr Alle einmal kämt! Hier brauchtet Ihr doch keinen Pfennig, Ihr wärt doch bei uns. Ich würd keinerlei bedenken haben und es wäre doch so schön, wenn die Jungens einmal das Ursprungsland ihrer Familie kennen lernen würden. Und wie schön es hier ist, das weisst Du ja von früher. Überlegt es Euch doch einmal, es wäre zu schön! Ich glaube, wenn ich genug Zeit hätte, würde ich auch die Einreise bekommen und die Aufenthaltsgenehmigung. - Sonst müsste man sich auf alle Fälle in Westdeutschland treffen, aber schöner und für Euch und uns billiger wäre es hier bei uns! - Und ich finde: ein Wiedersehen mit Euch wäre ja so nötig, und ich habe solche Sehnsucht danach.

Wir haben jetzt gerade eine kurze aber sehr schöne Ferienzeit im Harz hinter uns. Wir waren im Intelligenzheim in Schierke, wo es uns sehr gut ging, in jeder Beziehung. Schöne Zimmer, sehr gute Verpflegung und wunderbar schöne Landschaft. Otto hatte ein Ausspannen sehr nötig. Eigentlich waren die 12 Tage auch nicht ausreichend, aber es war doch wenigstens etwas. Das erste mal seit 10 Jahren richtiger Urlaub. Es war herrlich! Schierke liegt gegen 700 m hoch und mitten im hohen Harz, der Brocken ist ganz nahe. Als wir oben waren war er weiss und voll Nebel, aber es war schön und man meinte die Brockenhexen jagen zu sehen.

Vorher waren wir 3 Tage in Hannover, wo Otto einen Vortrag hielt und wo wir ein Treffen der "Ehemaligen Pillnitzer" mitmachten. Es war wunderhübsch. Wir wohnten bei Volkmanns und konnten so die uns von der Bundesleitung gespendeten 50.- DM pro Kopf für schöne nützliche Dinge umsetzen. (z. B. Sportschuhe für mich; Tuschfüllhalter, Buntstifte usw. für Otto.)

Zu meinem Geburtstag war es hübsch, aber die Lücke, die Wellers Wolfgang öffnete klaffte sehr. Schade! Aber Tante Rüger war noch sehr rüstig und munter mit dabei. - Ihr werdet auch fröhlich feiern. Ein Büchlein geht mit gleicher Post an Dich ab. Es soll Dir Geschmack zu einer Reise zu uns machen.

Grüsse bitte Deine vier Männer sehr herzlich.

Voll herzlicher Liebe denkt an Dich
Deine Nanna

Otto, der sehr eilig fortmusste grüsst Dich mit mir.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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