Brev från Erna "Sibylle" Zenker f. Tietze den 3 december 1955

3. XII. 55

Meine liebe Märta,

Hab' recht von Herzen Dank für Deinen so besonders lieben, netten Brief. Ich fühlte mich so unmittelbar angesprochen, daß ich am liebsten gleich geantwortet hätte, - aber das wird dann ja eben doch nicht.

Du hast ganz recht, an der Elbe stand noch ein kleines Bär-Kirchlein; aber das ist zerstört. [Wahrscheinlich die Loschwitzer Kirche, nach einem Entwurf von George Bähr erbaut. /SZ/EZ.] Auch Du würdest Dresden nicht wiedererkennen! Freilich, der Zwinger ist schon wieder sehr weit aufgebaut; - aber die Stadtmitte ist doch eben weg. Man ist immer erstaunt, wie nah alles bei einander lag oder besser jetzt liegt, wo die Gebäude fehlen. [Dresden 1949.] Vom Neumarkt zum Altmarkt, vom Rathaus zum Gr. Garten - ein Schritt! Also hab' noch mal Dank! Ja, auch wir sind in Sans Souci auf Filzpantoffeln gerutscht!

Nun aber zu Weinachten. Ich weiß gar nicht, was ich Deinen Buben senden soll. Ein Bücherpäckchen geht mit gleicher Post ab. Aber da ist nur 1 Buch für die Jungen, der Bronzeschatz. Du schriebst doch, daß Rolf geschichtlich interessiert ist. Vielleicht macht's ihm da Spaß. Wer den Kalender bekommen soll, mußt Du entscheiden u. gib mir doch ein Tip, worüber sich Stefan u. Erik freuen würden.

Vor mir liegt bis zum Fest noch eine ganze Menge Arbeit. Wir gestalten 2 Weinachtsaufführungen in 2 Betrieben aus. Nun haben wir zwar noch was auf dem Repertoire, aber es muß doch wieder geübt werden u. was Neues kommt auch noch dazu.

Montag in 8 Tagen kommen Nanna u. Otto zum Abendbrot zu mir. Da werden wir auch von Euch erzählen u. die Ohren werden euch klingen!

Sei nicht bös, daß das Päckchen schon so früh kommt; aber zuletzt ist immer so ein Andrang. Das Buch für Dich habe ich sehr gern gelesen; auch Gerdt wird es wohl Spaß machen.

Gestern sah ich im Kino das Fräulein von Scuderi, das ist ja ein schwedisch-deutscher Film. Hast Du ihn gesehen? Henny Porten spielt die Titelrolle.

Zu den Konzerten des Kreuzchors komme ich leider nie. Ich gehe nur in Abonnements-Konzerte u. -Theateraufführungen. Man bekommt sonst so schwer Karten, u. ich entschließe mich auch schwer, abends fortzugehen; der Weg ist zu weit u. doch meist sehr stürmisch u. oft recht schmutzig. Ich wohne doch fast auf dem Lande. Habe ich aber Abonnement - so muß ich gehen.

Ich habe jetzt ein recht interessantes Buch über Michel Angelo gelesen von ein. Tschechen, Karel Schulze. Es ist ein Fragment; es ähnelt den Leonardo v. Merischkowsky, den Du vielleicht kennst. Es ist ein getreues Zeitbild; u. was für eine Zeit ist dies um 1500! Aber dem Künstler Michel Angelo wird es meiner Meinung nach nicht gerecht.. Schade, daß das Buch so schwer ist, sonst hätte ich es Dir geschenkt. Da bekommen es Nanna u. meine Nichte Inge.

Nun leb' wohl. Wie schön werdet ihr Adventszeit feiern!

Von Herzen
Sibylle.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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