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Brev från Marianne
Schweitzer till Gerd den 5 juli 1955
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Dresden, den 5. Juli 1955
Der jährliche traditionelle Schreibtag an Dich ist wieder da. Man denkt ja oft an einander (ich hoffe es wenigstens) aber an solchen Tagen, an denen man seine Gedanken auch an Papier bringen muss, sind sie natürlich noch intensiver. Zuerst einmal lasse Dir von ganzem Herzen Gutes für Dein neues Lebensjahr wünschen. (Das wievielte eigentlich, 46?) Erfolg in der Arbeit, die mit Freude geschehen möge, Gesundheit, Glück im Schoße Deiner Familie!, das sind so Teil-Wünsche, die zu Dir fliegen. Uns wünsche ich in Deinem neuen Lebensjahr ein Wiedersehen mit Euch. Man hat Sehnsucht nach Euch in seiner Abgeschiedenheit. Augenblicklich sind ja nun alle Sinne auf die Vierer-Konferenz gerichtet und Adenauers Besuch in Moskau - den er hoffentlich macht. Wir erhoffen ja davon so sehnlichst die Einleitung zu einer Wiedervereinigung. Uns selbst geht es augenblicklich gesundheitlich gut, ich bin den hässlichen Nierenstein, - zitronenkerngross - seit einigen Wochen los, seitdem geht es mir gut. Am Sonnabend aber machte Otto mir sehr grosse Sorge. Er kam gegen 1100 mit Leibschmerzen vom Büro über der Strasse herüber, um ½ 2 Uhr hatte er solche Schmerzen, dass er sich wand, stöhnte, krümmte. Rotweiss und voll Schweiss war er. Sonnabend mittag ist kein Arzt mehr zu erreichen, der Bereitschaftsdienst fängt erst um 2 Uhr an. ½ 4 Uhr kam ein Arzt, stellte im Leib eine harte Stelle fest, gab Morphinspritze und sagte, dass er gegen 6 Uhr wiederkäme. Erst kam noch ein Kolikanfall, trotz Spritze und dauernder Umschläge. ½ 7 stellte der Arzt immer noch die harte Stelle fest, weiter Umschläge. Er sagte, dass er Sonntag früh wieder käme. Gegen ½ 8 Uhr kam plötzlich ein kleiner Stein mit dem Wasser zu Tage - also auch ein Nierenstein, klein wie ein Stecknadelknopf aber doch so heimtückisch. Und nie hatte Otto zuvor Nierenschmerzen! Am Sonntag stellte der Arzt fest, dass die harte Stelle fort sei. Otto war zwar sehr abgekämpft aber gesund nach Aussage des Arztes. - Es war jedenfalls scheusslich, und 10 x lieber will ich selbst das wieder durchmachen als hilflos Otto zusehen müssen wenn er so leidet. Gottlob vergisst man ja Schmerzen schnell wenn sie überstanden sind. Über seine beruflichen Dinge wird Otto Dir selbst berichten. - Gestern feierten wir Herthas 42! Entre-na-nous hätte Vater gesagt. Es war hübsch und Frau Dittner hatte - wohl mit Eurer Hilfe - einen wunderbaren Bohnenkaffee gekocht. Das ist wieder ein unbekannter Genuss geworden. - Wellers, die gerade in Ottos Schmerzenslager hereinschreiten, grüssen auch - und Dich jetzt besonders. Anne war 6 Wochen im Westen auf Vetternreise und kam "mit fremden Schätzen reich beladen" heim. (Schuhe, Wolle, Kleiderstoff, Kaffee, Schokolade.) Wir aber bleiben im Lande und nähren uns redlich, soweit Geld eingeht, was es heute leider erst Wochen,Wochen, Wochen (10-12) nach Rechnungsstellung tut. Hat Märta meinen Brief vor ca 6 Wochen bekommen und Stefan Otto's Brief? Lasst mal von Euch hören, auch von Deiner Italienreise. Wir denken oft und so sehnsüchtig an Euch, wie Ihr's nicht verstehen werdet. - Sibylle startet heute nach Stuttgart.
Viele Grüsse in Salta! |
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