Brev från Erna "Sibylle" Zenker den 2 mars 1955

2. III. 55

Meine liebe Märta,

Hab' von Herzen Dank für Deinen lieben Brief u. sage, bitte, auch den Kindern vielen Dank für ihre Schreiben. Sie haben mich sehr erfreut.

Nun weiß ich gar nicht, wann ich Dir zuletzt geschrieben habe. Vielleicht erzähle ich Dir heute, was Du schon alles weißt. Dann verzeih', bitte.

Dieser Januar/Februar war - wie schon so oft in meinem Leben - eine sehr schlechte Zeit: Am 13.I fiel meine Schwester bei Glatteis hin u. brach den l. Oberarm dicht unter dem Schultergelenk. Der Schreck hat sie schwer mitgenommen. Nun ist sie schon über 6 Wochen bei mir u. hat sich gut erholt. Gott Lob, ist das doch nicht gegipst worden. Det 1. feste Verband ist vor 14 Tg. abegnommen worden, u. sie trägt den Arm frei in der Binde. Natürlich kann sie ihn nch nicht voll beugen oder strecken. Viel Schmerzen hatte sie bis jetzt nicht; aber nun fangen sie an. Wir sitzen gerade wieder beim Arzt. Ich denke, heute wird er Massage verschreiben.

Zu dem Unglück mit Else kam nun noch das Pech mit dem Ofen. Der Sturm am 17.I riß den Schornstein, zu dessen Esse mein Ofen gehört, fast völlig vom Dach. Eine Woche lang heizten wir weiter, wie der Ofen rauchte! Am schlimmsten war aber der Qualm , der früh, wenn die Schulöfen unter mir angeheizt wurden, durch mein Ofenrohr u. den noch kalten Ofen in meine Wohnung drangen. Kurz nach 6 setzte das ein. Wir flüchteten dann in die Küche. Diesen Küchenofen hatte ich abgehängt voriges Jahr, um den Stubenofen mit seinem langen Rohr besser heizen zu können. Die Küche erwärme ich nur mit den Gasflammen. Es war eine scheußliche Zeit. Bald aber wurde das Heizen des gesamten Stranges verboten wegen Feuergefahr.

Was nun? Gott Lob, war ja mein Nachbar schon i. November ausgezogen. Seine Wohnung ist als Pionierraum bestimmt. Nun war aber seine Küche noch unbenützt, u. deren Ofen geht in eine andere Esse. - Ich "evakuierte" also in diese kleine Mansarde mit Küchenofen, eine Wasserleitung ist, Got Lob, nicht drin. Gut, daß dieser Ofen nun sehr gut heizt, besser als mein Stubenofen. Wir sitzen also wenigstens warm, wenn auch sehr beengt. Meine Wohnung wird langsam zu Eishöhle. Heute früh war es wieder -17°. An sich ein herrliches Wetter, aber nur, wenn man draußen rumlaufen kann. Dies Hin u. Her zwischen den beiden Küchen ist auch recht umständlich. Bis Ostern muß ich in der Nachbarküche bleiben. Die gesamte Esse wird von unten auf neu gebaut u. bei dem Frostwetter fangen die Handwerker nicht an. - Wenn's nur endlich Frühling würde!

Vor ein paar Tagen habe ich Dir 2 Deiner Bücher - Hemkomsten u. Rymmare - als Drucksachen geschickt. Hoffentlich kommen sie gut an.

Sonst ist nicht viel zu berichten. Ich bin gesund. In der Schule gibt's viel Arbeit, denn wir bereiten wieder eine größere Aufführung vor. Die Tänze studiere ich alle ein u. auch sonst mache ich neben dem Musiklehrer die Einstudierung. Es macht mir Spaß.

So, nun Schluß, - gleich werden wir beim Arzt drankommen.

Grüße Gerd, die Kinder u. all Deine Lieben recht herzlich von mir.

Von Herzen
Deine Sibylle.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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