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Brev från Marianne
Schweitzer till Märta den 19 oktober 1953
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Dresden, den 19. 10. 53
Zuerst möchte ich Dich im Geiste herzlich umarmen und Dir viele gute Wünsche ins Ohr flüstern. Bleib gesund und tatenfroh und geniesse alles Gute und Schöne und nimm es dankbar zwischen allen Widerwärtigkeiten des Lebens auf. Habe so viel Dank für Deinen so lieben Brief zu meinem Geburtstag und für das wunderbare Paket, das erst mit dazu half, die Feier so schön zu gestalten. Es waren die alten lieben Menschen da, Wellers, Friedel Seidel, Tante Rüger usw. Leider war ich selbst bissel zugekämpft. Ich habe eben dummerweise seit Februar mit Nieren und besonders einem nun schon chronischen Blasenkatharr zu tun. Als ich jetzt nach dem Geburtstag zu Frau Dr. Creszelius kam war sie über das Herz mit entsetzt und befahl klinische Behandlung für alles. Nun liege ich seit Montag hier im Joseph-Stift auf der Wintergartenstrasse [und] wurde von sehr lieben Nonnen sehr gut gepflegt. Ich liege in einem 3 Bett-Zimmer, sehr nett und im Bett mir gegenüber liegt meine gute Nachbarin und Freundin Frau Mühlhofer, die Witwe unseres besten Dresdener Schauspielers, der vor'm Jahr starb, und mit denen wir recht befreundet waren. Sie lebt seit seinem Tode ganz mit uns, d. h. sie kommt täglich herüber, hilft bei der Arbeit (klebt Photos und tippt) und ist uns sehr lieb geworden. Sie war 21 Jahre sehr glücklich verheiratet und leidet unter seinem Tode. Ich habe sie zu Hause im Laufe des Sommers öfter gepflegt. Jetzt liegt sie schon 4 Wochen hier mit Herzkranzinsuffizienz. Nun kriegen wir Beide hier Kampferspritzen und andere Strapazen [Straphantien?] und ich bekomme noch eine Unmenge Entgiftungstabletten für Blase und Nieren, Blasenspülungen u. andere Scherze, die nicht allen angenehm sind. Die Untersuchungen des Frauenarztes habe ich überstanden und es ist Gott sei Dank nichts gefunden worden. Nun wird weiter gesucht, woher der Bakterienschwarm kommt. Na, das ist kein Geburtstagsbrief deshalb anderes. - Otto der Gute kommt wenn er nicht verreist ist, täglich mich - uns - besuchen. Das ist das Schöne hier im Joseph-Stift, dass man so tolerant ist. Wir müssen allerdings zu zahlen, die Kasse trägt knapp die Hälfte. Aber wie gesagt, wir haben es hier gut. Das Essen ist liebevoll bereitet, mir schmeckt's allerdings - völlig salzlos - recht mies. Ich hoffe, dass ich nicht zu ewig hier zu sein brauche. Die Medikamente - hier meist amerikanische - sind sehr gut und in anderen Häusern gibt's die nicht. Otto wird gut gepflegt und das Viehzeug auch, das ist eine Beruhigung. Er hat sehr viel zu tun. Wir mussten einen Techniker anstellen, weil wir's allein nicht schaffen konnten. Otto gilt jetzt hier in allen schwierigen Projekten als Kapazität und wird immer geholt und seit dem 17. Juni bekommen wir Privatarchitekten auch wieder Aufträge. Otto hat jetzt das Elbeschutzgesetz neu zu bearbeiten, den Elbraum zu gestalten, grosse Windschutz- und Erholungsgebiete Sachsens zu bearbeiten, die grossen Elektroleitungstrassen im landschaftsgestalterischen Sinne zu bearbeiten, den Park an einem Gewerkschaftsheim bei Potsdam zu gestalten, und anderes mehr. Er ist wenig mehr zu Hause. Gestern war Otto bei Wellers zu Lothars Geburtstag. Da wachsen auch die Kinder heran. Brigittes Freund, ein junger angehender Pfarrer war da. Anne-Marie war in die Oberschule, hat es nicht geschafft und ist nun Photolehrling. Die Jungens 14 + 12 sind nette, frische Kerle. - Wie gerne hätte ich Eure Jungens einmal gesehen. Jetzt Schluss, es ist Besuch hier, der den Brief mitnehmen soll.
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