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Brev från Sibylle
Zenker till Märta den 14 augusti 1953
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14. 8. 53
Eben ist Dein lieber, langer Brief angekommen. Hab' Dank! Wie schön, daß Eure Reise so erlebnisreich war. Welch schönes Stück Welt hast Du gesehen! Ich kenne davon nur die Riviera u. Paris, beides habe ich noch in guter Erinnerung. Ich sitze im Direktorzimmer u. bewache die Schule. Das ist mein Ferieneinsatz, kein schwerer Dienst, aber ich bin am Vormittag gebunden. Ich bleibe weiter im Dienst, alles besteht weiter; man sagte mir, daß meine Kündigung ein Irrtum gewesen sei. Augenblicklich wird meine Küche neu vorgerichtet. Der Maler ist oben. Das gibt viel Unordnung. Im Harz war's schön, wie Dir die Bildchen zeigen. Besonders hübsch war die 1. Woche in Blankenburg bei meiner Freundin Hanni. Auf ihrem Balkon ist das Bild von Karin u. mir aufgenommen. Von Thale aus haben wir viele Wanderungen unternommen. Thale selbst ist häßlich, ein großes Werk schießt mit 12 Schornsteinen Rauch in die Luft, - aber die Umgebung ist herrlich. Besonders nett war der Besuch des Bergtheaters, das direkt unter dem Hexentanzplatz liegt. Wir hörten - ohne Regen! - den "Waffenschmied", das paßte gerade in diese Umgebung. Vorgestern waren Otto u. Nanna nach langer Zeit wieder einmal gemütlich bei mir, d. h. Otto kam erst gegen 7 h zum Abendbrot. Vorher hatte ich einen langen, wunderhübschen Plaudernachmittag mit Nanna. Sie sorgt sich um Renate, von der sie gar nichts mehr hört. Habt Ihr etwas über sie erfahren? Suse soll es gesundheitlich recht schlecht gehen, womöglich endet sie doch noch in Arndsdorf. Sie tut mir sehr leid. - Otto hat viel zu tun; das wird Euch Nanna ja berichtet haben. Daß Deine Jungen so gut deutsch gelernt haben, freut mich sehr. Vielleicht kann ich ihnen nun mal ein deutsches Buch senden, mal sehen. Ein Wäschepäckchen geht in den nächsten Tagen an Dich ab. - Nanna sah sehr wohl aus, die Kur wegen ihres Nierenleidens, das Liegen, hat sie etwas dicklich gemacht. Gott Lob, geht ihr's viel besser, nur muß sie etwas Diät halten: kaum Alkohol, kaum Tee u. s. w.; - aber viel Fett. Im Oktober will meine jüngste Nichte Gretel aus Stuttgart ihre Schwester in Görlitz besuchen; da bleibt sie natürlich auch ein paar Tage bei mir. Das freut mich. Ich nehme am 1. Sept. wieder ein erstes Schuljahr; eine gemischte Klasse, unsere kleine Schule hat ja nur gemischte Klassen. Es sind diesmal mehr Jungen als Mädchen drin u. ein paar sollen tüchtige Racker sein, wie mir erzählt wurde. Ich bin gespannt, wie sie sich machen werden. Meine letzte Klasse, die ich nun nach 2 Jahren abgebe, war sehr nett, da überwogen aber die Mädchen. Daß ihr den "Faust" schon mit 14 J. lest! Ist das nicht zu früh? Freilich viele Stellen - z. B. Osterspaziergang - werden auch bei uns in der Grundschule schon behandelt. Aber verstehen kann man ihn doch erst viel später. Ich weiß, wie oft ich beim Lesen gedacht habe: Jetzt erst begreife ich - ich glaubte doch schon lang, verstanden zu haben! Faust ist eben ein Buch, das einen das ganze Leben begleitet. - Ich las allerhand in den Ferien, auch englische u. französische Bücher, - es war aber alles belanglos, Ferienlektüre! Und nun leb wohl! Meine "Dienstzeit" ist gleich um, u. ich werde mal nach meinem Maler sehen - und nach meinem Garten! Ich habe: Blumen, 2 Apfelbäume (einer trägt jedes Jahr, der andere ruht sich aus), Möhren, Zwiebeln, Bohnen, Gurken u. Tomaten!! Außerdem habe ich einen wunderhübschen Gartenplatz unter einem schattigen Nußbaum. Grüß alle, u. sei selbst recht von Herzen gegrüßt
Ich habe Dir von Thale übrigens eine Postkarte geschickt. |
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