Brev från Sibylle Zenker till Märta den 25 maj 1953

Meine liebe Märta,

Weißt Du, wo ich sitze? Auf einem Felsen der Sächs. Schweiz. Ich bin mit Karin über Pfingsten bei einer ehemaligen Seminarfreundin. Diese ist in Leipzig total ausgebombt u. hat in dem Sommerhäuschen eines Bekannten, der seit 36 schon in Argentinien ist, eine Zuflucht gefunden. Im Sommer entzückend - aber im Winter! Nun, wir sind im Sommer zu Besuch u. da ist es einfach märchenhaft. Das Häuschen liegt auf einem Felsen hoch oben, über u. zwischen den Wipfeln der Bäume. Gegenüber liegt der Backofen u. der Falkenstein, wir sind mitten im Schrammstein Gebiet. Natürlich sind wir schon zur Schrammstein-Aussicht geklettert, überhaupt wandern wir abends, wenn's kühl wird, 2-3 Stunden. Den ganzen Vormittag verbringen wir auf einem anderen Felsen, der auch in dem Wald liegt, der als Park rings ums Häuschen eingezäunt ist. Hier ist sogar ein Badebecken, was allerdings noch nicht gefüllt ist. Das Wetter ist herrlich - es ist eine wundervolle Erholung. Ich hoffe, bald auch meine Schwester für eine Woche hierher zu schicken. Für uns sind die 5 Tage morgen zu Ende, u. es geht heim zu Prüfungen, Zensuren u. Abschlußarbeiten.

Doch nun erst mal 1000 Dank für Deinen lieben Brief. Mir ging's nach Ostern nicht gut; ich hatte eine verschleppte Grippe - noch jetzt ist eine leichte Neuralgie zurück geblieben. Deshalb kam ich während der Arbeit nicht zum Schreiben. Hast Du mein letztes Päckchen erhalten von Ende April? Der Modus des Absenders hat sich nämlich etwas geändert. Freilich ist es teurer "eingeschrieben", aber das macht nichts; vorläufig bekomme ich gutes Gehalt, sodaß mir die Sicherheit u. Schnelligkeit der Sendung das Geld vollauf wert ist. Darum brauchst Du Dich gar nicht zu sorgen, Du weißt wie tief in Deiner Schuld bin. Du wirst Dich wundern, daß solange nichts kam; - aber das lag an meiner Krankheit u. daran, daß ich nicht zu Hertha kam. Ich habe zu Hause nur ein paar kl. Handtücher von Dir, die ich zupacke, um das Gewicht zu erreichen. Nächste Woche aber gehe ich wieder zur Anprobe, da nehme ich wieder gl. Stücke mit u. sende sie Dir dann. - Hat sich die Sache mit der Entschädigung nun geregelt? Ich bin so gespannt darauf.

Die Gefährtin meiner Freundin hier ist eine große Naturliebhaberin, vor allem pflegt sie die Vögel u. kennt all ihre Stimmen. Ich kann sie nur schwer raushören, außer Amsel, Meise, Fink sind mir die andern, als da sind: Fliegenschnäpper, Rotschwänzchen, Rotkehlchen, Girlitze u.s.w. ihren Stimmen nach nicht unterscheidbar. Auch Karin interessiert sich sehr für Vögel, sie hat auch das Buch Was fliegt denn da? zur Bestimmung mitgebracht.

Doch nun Schluß. Ich will mich an diesen letzten Tag noch ein bißchen der schönen Umgebung widmen. Wie wunderbar diese Traumlandschaft mit ihren bizarren Bergformen ist, wißt Ihr ja.

Alles Gute für Dich u. Deine Lieben.

In dankbarer Herzlichkeit
Deine
Sibylle.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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