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Brev från Sibylle
Zenker till Märta den 2 mars 1953
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Dresden, den 2. III. [av sammanhanget att döma 1953]
Das ging ja Schlag auf Schlag vorige Woche! Am Mo. sandte ich Dir ein Päckchen mit Wäsche (1 Std. stehen, noch nie dagewesen), am Di. kam Dein Paket (noch nicht ½ Std; - ausgleichende Gerechtigkeit), am Mi. kam endlich die Liste von Fr. Störmer, am Do. fuhr ich damit zu Nanna; denn 2 Unterschriften sind sicher besser, auf dem Rückweg schickte ich sie Dir gleich mit Luftpost, - u. wann hast Du sie erhalten? Haben wir's so recht gemacht? Heute nun erst komme ich dazu, Dir zu danken. Oh, Märta, Du beschämst mich, - schon wieder so ein schönes Paket! Der Kaffee!!! Und die herrliche Marmelade. Apfelsine bekommen wir hier fast gar nicht, u. wenn, dann ist lange nicht so gut, keine Schalenstückchen sind drin. Die Deine schmeckt herrlich. Und die gute Margarine gerade jetzt, wo wir so knapp mit Butter sind. Und Käse - den gibt's hier seit Weinachten nicht mehr. Es war also alles eine große Freude. Hab' 1000 Dank! Bitte, schreibe bald mal, was angekommen ist an den Sachen, ich mache
mir eine Liste. Morgen sende ich wieder Wäsche. Zu dumm, daß
nur 2 Ich habe ein schönes Wochenende hinter mir. Am Sa. Abend kam eine frühere Kollegin. Sie blieb bei mir über Nacht, u. Sonntag früh wanderten wir zum Lugturm hinauf u. über die Höhe in herrlichster Sonne. Haselnuß u. Weiden-Kätzchen blühten. Wir liefen zur Burgstädtler Linde. Dann stiegen wir ins Lockwitztal u. fuhren bis Kreischa, wo wir aßen. Da wir beide noch zu arbeiten hatten, konnten wir nur ein kl. Stück zurücklaufen u. mußten dann die Straßenbahn nehmen. Auch heute wieder - strahlende Sonne, aber viel kältere Luft. - Was bin ich froh, daß der Winter nun hoffentlich bald ganz vorbei ist. Das lila Kleid habe ich übrigens zertrennt u. heute zum Farben getragen. Hoffentlich geht es braun oder weinrot zu färben, - sie wissen noch nicht, ob sie Farben haben, die diese Stoffaser annimmt. Wenn's gut wird, laß ich mir von Fr. Dittner eine Kasakbluse daraus machen. Hab' auch dafür den aller schönsten Dank! Ich habe jetzt viel Gutes gelesen. Endlich bekam ich wieder mal ein Buch von Henry Benrath. Er schrieb die 3 Kaiserinnenromane "Galla Placidia", "Theophano", - die kannte ich u. "Konstanze". Diesen las ich jetzt. Das ist die Sizilianerin d. h. Normannin, - Frau v. Barbarossas Sohn Heinrich VI. Ach, Märta, die Welt ändert sich kaum! Dort geht der Kampf ums "Reich". Es gelingt nicht, die Völker können nicht vereint werden, - damals Schuld zum Teil des harten Kaiser. Und heute! Wenn die Menschen doch endlich lernten, daß Beherrschung weiter führt als Machtgier! Dann las ich ein ganz apartes englisches Buch von Clemence Dane "the moon is feminine". Warum es so heißt, begreife ich nicht. Es ist ganz phantastisch - so ein bißchen englischer "spleen"! Es hat mir sehr gut gefallen. Jetzt lese ich "Women are born to listen" v. Norah C. James. Auch nett zu lesen. Man merkt, daß es eine Frau geschrieben hat, manch gutes Wort über die Männer. Daneben habe ich noch eine ganze Menge angefangener Bücher, die locken nicht so, die lese ich langsamer. - Neulich kaufte ich mir "Lotte in Weimar" v. Th. Mann. Ich kenne es schon; freue mich es nun selbst zu besitzen. Soll ich Dir's mal senden? Hast Du's gelesen? Schreibe mal! Vielleicht bekomme ich noch mal ein zu kaufen. Die Liste v. Deinen Sachen war übrigens ziemlich schwierig. Weißt Du nicht, daß etliches noch in der Ermelstr. ist? z. B. etwas Silberzeug u. Vasen z. Teil beschädigt, wie Hertha sagt. Was aus Deinem Kalbfellmantel geworden ist, ist mir rätselhaft. Die Sachen aus der gr. Korbe im Keller hat doch wohl Mutter alle fortgetragen. Du schriebst doch, die Kleider sollten verwendet werden, das haben Nanna u. Hertha wohl auch getan, aber von einem Kalbfellmantel weiß niemand etwas. Frage doch mal Mutter, auch Töpfe hat sie wohl mitgenommen. Na, "verschwunden" ist jedenfalls richtig für Fr. Störm. Ich bin ja so gespannt, was Du erreichst. Diese Woche habe ich wenig Zeit. 2x ist Elternabend, am Do. u. Fr. Da ich das Fastnachtspiel Der fahrende Schüler im Paradies v. H. Sachs selbst eingeübt habe, muß ich natürlich beide Male die ganze Zeit dabei sein. Vorher wird gesungen u. musiziert: Mozart, Schubert u. eine Variation von unserm sehr begabten, netten Musiklehrer, Herrn Riesen. Er ist etwas älter (2 J.) als Hans Christoph u. war auch auf dem K. G. G. [König Georg-Gymnasium?] Aber nun Schluß! Eben kommt ganz unerwartet Karin. Da wird uns meine Schwester eine Tasse "Kaffee" kosten. Die nette Kaffeestunde verdanke ich Dir.
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