Brev från Marianne Schweitzer till Märta den 17 februari 1953

Dresden, den 17. II. 1953

Ihr sehr Lieben!

Gerd's heutiger Brief sammelte feurige Kohlen auf mein Haupt und ich will den "trauten Kerzenschein" (Stromsperre v. 17 - 1930) dazu benutzen Euch zu danken und mit Euch zu plaudern. Am 4. II. konnte ich Euer wunderbares Weinachtspaket beim Zoll abholen, habt 1000 x Dank dafür. Der Anzug war leider für Otto zu eng, aber Anne Weller war selig für Michael etwas zu haben. Ihr habt also wieder sehr geholfen. Und wir waren sehr glücklich über Alles andere, besonders die Margarine traf sehr, die jetzige Fettlücke überbrücken, denn in der HO gibts leider weder Butter noch Oel noch Margarine jetzt. Und der Kaffee hilft Otto besonders, da [er] ihn der Kreislaufstörungen wegen direkt als Medizin braucht bei seinem Unterblutdruck.

Ich habe jetzt einige Zeit mit rechtem Fieber gelegen, meines Erachtens waren die Nieren der schuldige Teil. Der Arzt war paar mal da, stellte fest, dass ich keine Grippe hätte da Hals usw. gesund seien, meinte hohes Fieber sei gut und verschwand, horchte nicht ab und ging auch nicht drauf ein, dass ich über Nierenschmerzen klagte. (40.8!!) Heute war ich bei ihm, mich gesund melden, da verschrieb er mir Lichtbäder und Vollmassagen ohne irgendwelche Untersuchung. Na, schaden können diese Bäder nichts, im Gegenteil und wenn ich noch munterer bin gehe ich dann zu meinem netten Homöopath Dr. med Assmann der meine dummen Nieren vor 2 Jahren so fein kurierte, Aber Ihr braucht Euch nicht um uns zu sorgen, es geht uns sonst gut. S'ist eben nur jetzt immer und überall kalt, über 10° C bekommt man es nicht. Heizmaterial gibt es nicht. Es wird Zeit, dass es Frühling wird.

Aber wie gesagt, sonst geht es uns gut, und wir haben das grosse Glück beruflich noch schöne Aufträge zu haben, s'ist wie ein Wunder. Otto bearbeitet Neupflanzungs-Planungen auf und an den Autobahnen Dresden-Berlin; Dresden-Görlitz; dann bearbeitete er Erhöhungs- und Landschaftsschutzgebiete für den Bezirk Dresden (17 Kreise) und jetzt bekamen wir für den Bezirk Chemnitz (27 Kreise) denselben Auftrag. Hoffentlich gibt's dann noch den Bezirk Leipzig. Das ist eine wunderbare Aufgabe. Dann schwebt ein Wartburg-Auftrag, aber eben, er schwebt noch. Dann liest Otto an den techn. Lehranstalten 4 Vorlesungen für die Vermessungstechniker über "Kulturtechnik", das macht ihm viel Freude. Jetzt hoffen wir von der obersten Kirchenbehörde noch auf den Auftrag eines "Friedhofspflegers" für Sachsen, Otto wurde mit 3 anderen vorgeschlagen, und es scheint als wähle man ihn. Er hat nämlich hier jetzt einen recht guten Namen und wird immer gefragt. Daneben laufen allerhand ehrenamtl. Aufgaben, örtl. Grünausschuss der Stadtteilgruppe, Wettbewerb im Aufbau Dresden, augenblicklich Zwinger - Oper - bis Marienbrücke.

Mich frisst es auf mit Hand u. Haar, und mein Hausfrauendasein = 0 und doch muss schliesslich er, 20 Kaninchen, 12 Hühner, 1-3 Katzen (oft junge), meist noch Techniker und Zeichnerin versorgt sein. Der Techniker war 6 Wochen von Ve Baumschulen gepumpt, die Zeichnerin arbeitet meistens hier (freiberufl. Malerin, die froh ist, zu verdienen). Ich tippte wochenlang von früh bis abends. Morgen wird abgegeben (Dresden), da muss erst mal entsetzlich viel Flickerei aufgeholt werden.

Gerd fragt nach Bekannten-Verwandten. Bei Wellers gehts gut, Lothar im alten Beruf (Werbefachmann) verdient sehr hoch. Friedel müht sich sehr mit Spinnen durchs Leben, Barbara liegt jetzt nach schwerer Schilddrüsenoperation im Josephstift, 4 Stunden dauerte die Operation, schwere, tiefe Wucherungen. - Tante Rüger ist wieder ziemlich munter, nachdem sie vor Weinachten uns rechte Sorge machte (82 J.) Mit Sibylle bin ich jetzt öfter zusammen, sie ist doch ein guter Mensch. Suse schliesst sich ab, ist noch im Haus, meinem Gefühl nach aber geisteskrank, sieht Schlangen usw. um sich, treibt nun Kult mit dem toten Hans, lebt aber noch wie vor mit Dr. Baum. Schreibt Ihr doch ab und an Renate, bitte. Sie schlägt sich doch wohl mühsam durch. Jetzt wünscht sie sich sehr einen Rock, ob Helene einen schaffen könnte? Ich kann ihr's nicht schaffen von hier. - Hertha arbeitet sehr und ist recht blass, wir verkehren hauptsächlich telefonisch.

Ach denkt mal, neulich hat Wolfgang Seidel aus Schweden Friedel angerufen mit glänzender Verständigung! nach vorheriger Ankündigung.

Habt Dank für dir hübschen Bilder. - Ach noch eine Frage, bekamen die Jungens unsere kleinen Weinachtsgaben? Ich schickte das Päckchen an Salta? Schreibt mal wieder, es ist ein Fest für uns. - Ach so aufgebaut wurde die eine Seite der Grunaer Strasse, Gerd.

In viel Liebe grüssen Euch 5 Eure Nanna + Otto.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 20 februari 2014.