Brev från Cläre Immisch den 20 september 1952

Den 20.9.

Lieber Gerd und liebe Märta!

Eure Briefe und die netten Bilder trafen pünktlich zu meinem 60. Geburtstag ein und machten mir die allergrößte Freude und am 17. kam dann auch noch das große herrliche Paket, Ihr Lieben Guten. Daß Du Erik sogar noch seine Kreiden entrissen hast, um mir bei meinen kleinen Zeichnereien zu helfen, hat mich so gerührt liebe Märta, weil Du so lieb an alles denkst, was hier im Häuschen vorgeht. Zu schade, daß Ihr so schrecklich weit weg seid, wir würden uns so sehr gut vertragen, gell?

Ich muß immer denken, wie sich unsre Oma über Dich gefreut haben würde und Dich so recht in ihr Großmutterherz geschlossen hätte. Dabei fallen mir die Bildchen von Großvater Zenker ein, die Herthle für Euch gemacht hat und die ich einlege, damit die Jungens ihren Urgroßvater alle haben. Als die Abzüge fertig waren wurde ich unsicher, ob Ihr nicht eigentlich ein Bild vom Urgroßvater Chalybaeus gewollt hattet? Bitte schreibt es dann bald auf einem Kärtchen, man weiß ja nicht wie lange Herthle noch arbeiten kann und ob ich bei einer Haushalt- u. Geschäftsauflösung die Platte noch fände.

Das Paket enthielt ja herrliche Dinge und wir werden noch lange daran zehren und dankbar Eurer gedenken die Ihr das Loch das im Haushalt durch meine leichtsinnige Kirchentagsreise entstanden ist, so schön stopfen halft. Von der interessanten Spezialität des Blodbröd haben wir schon eine Probemahlzeit gemacht und ich muß sagen, es hat uns herrlich geschmeckt. Also 1000 Dank für Alles Ihr Lieben und ganz besonders, daß Ihr zu mir gekommen seid. Ich bin oft sehr "Verwandtenhungrig" und in dieser Beziehung einsam, da war es besonders schön Euch zu haben.

Ja also die Kirchentagsreise war wohl leichtsinnig, aber ich bin froh, daß ich Mut, Kraft und Mittel aufgebracht habe und muß sagen es hat sich gelohnt und ich bereue es nicht. Es war ein ganz großes Erlebnis. Nur die Brüder aus dem Osten fehlten, weil die Pässe verweigert wurden, Nanna wäre sonst gekommen. Bei der Schlußkundgebung [siehe Anfang des Films] lagerten 230000 Menschen um das Kreuz im Rosensteinpark im Gras - es war wie bei der Speisung der 5000 und das Volk lagerte sich um Jesus.

Mein Geburtstag war auch ein schöner Tag. Die ersten reifen Trauben wurden geschnitten und die letzten Rosen. Patenkinder musizierten, die Kinderlein einer früheren Bethlehems-Schwester sorgten mit Lichtlein und Kränzchen für Bethlehemserinnerungen. Über 50 Briefe kamen, viele Gratulanten, das Pfarramt an der Spitze und um den runden Tisch saßen neben einer 90 u. einer 95 jähr. so viele alte Schwester, daß unsre Nachbarin Frau Reinhard auf ihrem Geschäftsblock 588 versammelte Lebensjahre zusammenrechnete. Herthles Großnichte brachte aus Darmstadt den Festbraten in Gestalt eines Stallhasen und hatte ihr 3½ jähr. Bübchen mit, das gab Leben ins Haus und der Geburtstag war wirklich eine Illustration zu dem Gottessegen, das mein Leben - trotz mancher Sorge u. Not - so sichtbar begleitet. Und nun gehts also ins Greisenalter!

Von Eurer Mutti hörte ich nichts, doch schrieben Nanna + Hertha, daß sie sie in Berlin sahen. Eure Briefe sind zu Nanna gewandert, die so sehr um nähere Nachricht über Euren Besuch bat. Für heute noch mal innigen Dank

Eure Cläre + Tante Hertha.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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