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Brev från Sibylle Zenker till Märta den 15 april 1952 |
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Görlitz, 15. 4. 52
Da hätte ich also den 2. Brief gar nicht zu schreiben brauchen, aber doch gut, daß der 1. ankam. Ach, Märta, die grauen Haare machen's doch nicht! Freilich meine Haare sind fast noch ganz schwarz, aber sonst: Falten, Runzeln, Ansatz zu Dicke - nein sei Du sehr froh, wie Du bist: jung, frisch, liebenswert! Hab' Dank für das Übersenden der Vollmacht. Sie ist ohne Stempel, ob das gilt? Na, vielleicht brauch ich sie gar nicht. - Aber Märta glaube nicht, daß ich etwas von den Sachen haben will. Ja vor 7 J. da wäre mir das eine große Hilfe gewesen, aber nun habe ich ja meine nette, völlig eingerichtete Wohnung; freilich ist nicht alles 'vollendet', - aber mit mir hört ja dann alles auf - ich habe ja keinen Erben mehr, - da lohnt es nicht. Freilich wäre es richtiger gewesen, Mutti hätte mich damals in Deine Wohnung gesetzt, - Du hättest es getan, das weiß ich, - da hätte ich eine eigne Wohnung u. Du hättest wahrscheinlich schon längst alle Deine Sachen. Aber das ist ja nun vorbei. Ich will nun also sehen, soviel wie möglich rauszubekommen u. Dir zu senden. Du weißt, wie gern ich das tue, wie dankbar ich Dir bin, die mir stets geholfen hat. - Nanna wird wohl dabei helfen, ich glaube, auch Hertha hat noch einige Sachen. Hat sie Dir nicht mal was geschickt? Na, - ich werde das alles ja ergründen. Ich bin froh, daß ich der Frau etwas entgegen kommen kann, - trotzdem ja andere auch in den 7 Jahren sich selbst Sachen anschaffen mußten. Ich habe ihr nett u. freundlich geschrieben u. mich für So., den 4.V. bei ihr angemeldet. Vorher will ich noch sehen, zum Spediteur zu gehen, wir brauchen doch Kisten, um alles zu verpacken. Ich bin selbst gespannt, wie das alles vor sich gehen wird! Wir haben herrliches Osterwetter. Sommerlich warm bis 25° - fast zu heiß. Es macht müde dieser plötzlicher Umschwung. Vorige Woche bin ich zu viel draußen rumgelaufen, ich merkte dort auf einmal die Schwäche nach der Grippe in der letzten Schulwoche. Nun bin ich etwas vorsichtiger. Augenblicklich sitze ich wieder auf meiner alten Bank am Hang des Landeskrone u. schreibe an Dich. Da die Bank nur 1 Brett als Sitzfläche hat, das 2. ist verschwunden, - so sitze ich etwas kippelig, daher die noch schlechtere Schrift! Doch nun ist's Zeit, zum Mittagessen heimzugehen! Man trennt sich schwer, es ist zu schön. Schmetterlinge! Zitronenfalter, Pfauenaugen, Trauermäntel, - dazu die Stille, nur vom leisen Vogelruf durchbrochen. Ich sitze am Rande einer ziemlich hohen Fichtenschonung, sonst ist fast alles Laubwald, vor allem Buchen. An den Sträuchen kommen gerade die ersten kleinen Blätter heraus. Leb' wohl. Grüß alle Deine Lieben von mir
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