Brev från Sibylle Zenker till Märta den 24 mars 1952

24. III. 52

Meine liebe Märta!

Vor-vorige Woche kam Dein lieber Brief u. bald darauf Dein Paket. Was hast Du mich wieder reich beschenkt! Hab' recht sehr von Herzen Dank! Die viele herrliche Pflanzenbutter! Das Westchen ist mir eine besondere Freude, denn Wolle ist schwer zu haben. Wie gern will ich Dir ein klein wenig zeigen, wie dankbar ich Dir bin. Ich will alles versuchen, daß Du zu Deinen Sachen kommst. Aber dazu mußt Du mir helfen. Erstens brauche ich eine Vollmacht, daß ich in Deinem Namen handle. Stelle sie auf "Frau Erna Zenker, geb. Tietze, Lehrerin an der 90. Grundschule in Dresden" aus, Dr. A 17 Industriestr. 25. Dann schreibe mir bitte, um welche Sachen es sich handelt. Ich kenne ja Deine Wohnung in Hellerau oder Klotzsche garnicht. Ich werde in den nächsten Tagen mich dort anmelden für Anfang Mai - bis dahin hoffe ich Deine Auskunft zu haben. - Da sind die Leute etwas vorbereitet, wenn ich komme. Dann muß ich aufs Finanzamt u. wegen des Zolls u. der Sende-Erlaubnis fragen u. dann werde ich einen Spediteur beauftragen. Ich hoffe, daß ich etwas erreiche, - also sende bald Vollmacht u. Verzeichnis der gewünschten Sachen. Die Kosten für den Transport zahle ich gern; ich bin ja so tief in Deiner Schuld.

Nanna war worigen Dienstag mit Friedel bei mir. Sie läßt Dir sagen, daß kein Brief von Gerdt an Otto angekommen ist. - 6 Wochen war meine Schwester bei mir. Sonnabend ist sie abgefahren. In 14 Tagen sind Osterferien, da reise ich gen Görlitz. Dies Jahr sollen wir Lehrer die Ferien auch größten Teils haben, man sieht ja, daß es so nicht weiter geht. Jetzt sind an manchen Schulen 50 % der Lehrer krank. Von unsern 5 Kollegen fehlten vorige Woche 3, heute 2, - aber 2 Damen halten sich kaum noch. Ich bin bis jetzt dies Jahr noch gar nicht erkältet gewesen. Das Wohnen hier draußen ist doch gesünder, besonders das kalte Schlafen. Über 1 Jahr wohne ich nun schon hier! Die Zeit rast!

Damit Du Dir ein wenig vorstellen kannst, wie ich aussehe, sende ich ein Bild, das mein neuer Neffe im Sommer machte; die Lachende ist meine Nichte Mechthild. - Die Marken fand ich beim Suchen nach der Photographie, vielleicht mag sie Stephan.

Auch bei uns will der Frühling nicht recht kommen, - der kurze Winter muß ausgeglichen werden. Noch immer sind Nachtfröste; aber auf "meinem" Beet, kommen doch schon Tulpen u. Narzissen mit kleinen Spitzen heraus. Hoffentlich kann ich in Görlitz wieder täglich auf die Landeskrone gehen; das erholt mich am meisten. Der Schulweg fehlt doch.

Ich habe mir jetzt ein neues, teures Radio geleistet, 7 Röhren, 9 Kreise. Heute abend will ich die missa solemnis hören. Hoffentlich ist guter Empfang, die Sender liegen jetzt so nahe bei einander, daß auch ein guter Apparat nicht immer trennscharf ist.

.Nun leb' wohl. Grüße alle lieben Kinder u. Gerdt recht schön. Nochmals vielen Dank!

Von Herzen
Sibylle

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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