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Brev från Erna ("Sibylle") Zenker den 7 augusti 1951
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Görlitz, den 7. 8. 51
Weißt Du, wo ich sitze? Auf halber Höhe der Landeskrone, am Rande einer Fichtenschonung gegenüber den Laubwald, - Birke, Esche u. ein wilder Kirschbaum wehen im Winde, vor mir ein schmaler Ausblick in die jenseitigen Hügel. Es ist so schön hier. Seit dem 29.7. genieße ich hier meine 4 Wochen Ferien. Mehr sind es nicht, nur die Kinder haben 8 Wochen. 3 Wochen habe ich Bürodienst in der Schule gemacht von 8 - 1230, da mußte ich also um ½ 6 Uhr aufstehen - aber es war natürlich doch viel leichter als Unterricht. Deshalb habe ich auch in der Zeit alle privaten Beziehungen wieder aufgenommen u. hatte des öftern Besuch. Auch Nanna und Friedel Seidel waren mal einen Nachmittag bei mir. Friedel treffe ich des öftern im Autobus. Sie hat es wirtschaftlich schwer. Die Kinder machen Sorgen, Volker ist lungengefährdet, allerdings nur Hylosdrüsen TBC. Aber sie ist tapfer. Nanna ging's auch gut. Sie hatte Eure Tante Hertha auf Besuch. Otto arbeitet wie immer unermüdlich. Es ist schön, daß ich Schweitzers jetzt näher wohne. Wohin wird mich das Schicksal nun nach den Ferien verschlagen? Ich fürchte mich doch ein bißchen vor der neuen Schule, wo mir alle fremd sind. Mein jetziges Kollegium war sehr nett. Hier in Görl. bei Else ist's wie immer sehr schön. Schon die Besorgungen in der schönen Stadt machen Spaß. Unsere 2 Schwedenmäntel von Dir, Du Gute, sind zertrennt u. gewaschen beim Schneider. Hoffentlich macht er sie so gut wie Else das braune Kleid, das Du schicktest. Das ist mit viereckigen Ausschnitten u. kurzen Ärmeln ein wunderhübsches Sommerkleid für kühle Tage geworden; alle meine Kolleginnen fanden es sehr nett. Hab' noch mal Dank! Von Hans höre ich selten. Suse ist nun endlich zurück. Aber, wie Nanna erzählte, das alte Lied: krank u. Menschen unzugänglich liegt sie zu Bett. Ich fürchte, sie ist doch direkt nervenkrank, wie die Leute von ihr erzählten. Ja, dies erfuhr ich von meiner ehemaligen Stütze Elisabeth in Radebeul. Dort wohnt ein guter Bekannter von Renate u. über Elisabeths Telefon geht die Verbindung. Der Name "Zenker" ließ Elisabeth natürlich aufhorchen, - ja die Welt ist ein Dorf. Jetzt in den Ferien komme ich auch wieder zum Lesen. Als 1. Buch holte ich mir hier Meier-Gräfes "Vincent van Gogh". Das hat mich sehr beschäftigt. Karin, das arme Mädel, hat so viel Leid. Ihre Verlobung ist jetzt kurz vor der Hochzeit aufgelöst. Der Verlobte ist auch Künstler, seltsam, sehr religiös, u. eigenbrötlerisch. Das Buch über van Gogh aber läßt mich ihn milder beurteilen. Im Grunde ist die Trennung gut. Karin hätte mit dem Sonderling ein sehr schweres Leben gehabt. Aber natürlich, das lindert den augenblicklichen Schmerz nicht. Wenn sie aber endlich eine Arbeit fände, die ihr Freude macht. Die wirtschaftliche Not bei Krügers ist sehr groß. Der Vater verdient als Künstler ja auch nichts, die Mutter hatte vor kurzem einen schizophrenen Anfall, es geht aber, Gottlob, besser, sie ist wieder daheim, - aber das alles ist doch für Karin furchtbar schwer. Sie hat sich jetzt in Pillnitz als Zeichnerin beworben. Hoffentlich kommt sie an, 2 J. praktische Tätigkeit, dann aber kann sie eine gut bezahlte Stelle erhalten. Hoffentlich können sie die 2 Jahre durchhalten. Sie übt sich jetzt schon fleißig in Blumenzeichnen, wissenschaftlich genau, - um 1.X. beginnt der Lehrgang, zu dem sie hoffentlich zugelassen wird. Meine Nichte Mechthild, die einzige die noch hier ist; beide anderen Kinder meiner verstorbenen Schwester sind ja in Stuttgart; - also Mechthild hat jetzt in aller Stille geheiratet. Sie ist 39 J. - das Sorgenkind, das immer umfällt, - ihr Mann 10 J. älter, ein Jugendfreund aus der Wandervogelzeit, buckelig, verwachsen - aber gebildet, Buchhalter. Auch alles seltsam. Aber diese Zeit muß ja seltsame Schicksale formen - ein Untergang, der ein Aufgang werden will. Ob's gelingt? Nun habe ich so viel von uns hier erzählt! Aber, daß ich an Dir u. dem Schicksal der Deinen stärksten Anteil nehme, das weißt Du ja, nicht? Ich habe mich über Deinen Brief so gefreut u. über das hübsche Bild - gar keine "Hexe", - sondern meine alte, liebe Märta, wie ich sie in der Erinnerung habe. Hab' herzlichen Dank dafür! Daß Deine Buben so gut in der Schule sind, freut mein Lehrerinnenherz besonders. Wie geht es Dir u. Gerdt gesundheitlich? Ihr habt so einen kalten Sommer? Hoffentlich hat Dein Ohrenleiden nicht dadurch wieder angefangen. Wir haben einen Gewittersommer. Auch viele Wetterkatastrophen in Dresdens Nähe, wenn auch nicht in solchem Ausmaß wie damals in Berggießhübel u. jetzt in Amerika. Ja, das Wetter macht keinen Unterschied zwischen den Ländern - das ist Einheit! Schon wieder zieht ein Gewitter herauf. Ich muß aufbrechen. Leb' wohl! Grüße alle Deine Lieben von mir! Meine Schwester sendet Dir auch Dank u. viele Grüße.
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