Brev från Cläre Immisch till Märta den 3 december 1950

Den 3. XII. 50

Liebe Märta, wenn Du nur wüsstest wie viel Freude Ihr mir mit Eurem wunderschönen Paket und vor allem auch mit Deinem Brief und den Bildern gemacht habt! Es ist ja nicht nur, dass mir die Lebensmittel, die ich alle gut gebrauchen kann, eine Hilfe sind in dem nicht immer leichten Kampf ums Dasein, sie sind mir noch mehr als das wert als Liebesbeweis und Beweis der zusammengehörigkeit und darum freute mich auch Dein lieber Brief mit den Bildern so unendlich, weil er eine Brücke baut über Raum und Zeit, über Zonen- und Ländergrenzen und das Gefühl gibt, dass noch Menschen in der Welt leben, die irgendwie zu einem gehören.

Könnte ich doch eure 3 Jungens ein mal hierhaben, ich glaube ich würde auf meine alten Tage noch einmal Mut haben mit ihnen auf den Feldbergturm zu klettern und den Münsterturm zu besteigen. Unser Häusel würde ihnen wahrscheinlich auch gefallen, denn es gefällt allen Jungs. Da fliesst ein lustiger Bach ganz dicht vorbei, in dem Forellen schwimmen und in dem man angeln kann, von der Brücke aus die zu unserem Häusel führt, da kommen die Vöglein ans Fenster und bringen im Frühjahr ihre Jungen. Dabei sind wir doch mitten in der Stadt, die Elektrischen brausen vorbei und die Kette der Autos nimmt kein Ende, aber in 5 Minuten können wir im Sternwald sein, mitten im Schwarzwald, wo Pilze wachsen, Eichhörnchen die Tannenzapfen von den Bäumen werfen, Rehlein u. Hasen springen und wo man herrlich Räuber u. Soldaten spielen kann. Wenn die Jungens so eifrig bald verdienen, sollen sie mal sparen, vielleicht reicht es dann mal zu einer Reise in den Schwarzwald ehe die Tante Cläre so alt ist, dass sie nur noch mit dem Kopf wackeln und höchstens noch die Hexe im Märchenhäusel spielen kann.

Du fragst so lieb, wie wir leben. Ja eben wie 2 alte Frauen mit viel zu wenig Geld um der Teurung heute Schritt zu halten in Deutschland heute leben. Man begreift nicht wie es geht, denn wie man auch rechnet, es reicht nicht fürs Allernotwendigste und doch geschieht das Wunder, dass das Notwendige - nein viel mehr als das, immer da ist. Das Wie ist allein Gottes Geheimnis und da steckt auch ein Stück Erfüllung dahinter von der Verheissung dass der Eltern Segen, den Kindern Häuser baut. Einsam sind wir nicht, wir haben ein grossen Freundeskreis, meist Menschen, die mit uns am Sonntag unter der selben Kanzel sitzen. Alte und Junge, Männer und Frauen, schlichte Menschen und kluge, gebildete Leute. Unser Gastbett ist selten leer und ein 3. Platz am Tisch muss meist gedeckt werden. Es gibt auch viel Alte, Einsame u. Kranke u. Flüchtlinge zu besuchen, hier zu helfen u. da und die Hausarbeit ist ja auch zu tun und manches wird mühsamer wenn man alt wird u. die Kräfte sich rasch erschöpfen beim Kohlentragen u. Teppichklopfen. Abends gibts Bibelstunde, Frauenabende u. Freundesbesuche, aber auch manch stilles Vorlesestündle unter Vaters Studierlampe.

Um Gerds Höhensonnenbestrahlung würde ich mich keine Sorge machen, die tut ihm schon gut, nur nicht übertreiben. Und nun feiert frohe Weinachten zusammen auf schwedisch, wie wir auf deutsch, s'ist doch dasselbe und denkt manchmal

an Cousine u. Tante Cläre.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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