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Brev från Hertha Zenker till Märta den 13-16 oktober 1950
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An Frau Märta Zenker Enskede b. Stockholm, Cirkelvägen 19,
Schweden Dresden, den 13. 10. 50
Ist es wohl möglich, daß schon wieder ein Jahr vergangen ist? Wieder feierst Du Deinen Ehrentag am 26. Von Herzen will ich Dir gratulieren, und Dir alles Gute wünschen. Hoffentlich befindest Du Dich und Deine ganze Familie wohlauf. Gerd wird Dir sicher diesen Tag recht schön gestalten. An der Geburtstagstafel nehme ich im Geiste teil, und wenn Ihr vielleicht die Gläser erhebt, dann stoße ich mit an. Was werden Dir wohl die Jungen schenken, es ist oft so komisch was sich die Kinder ausdenken in ihrer Phantasie und Einfältigkeit. Wenn ein Kind 50 Pf. besitzt, malt es sich aus, was für Reichtümer dafür zu kaufen sind. Es ist eben zu schade, daß unsere Verbindung fast ganz aufgehört hat. So lebt man sich immer mehr auseinander, und wir werden "fremde Menschen". Unser Leben hier ist so ganz anders geworden als wie es damals war, und man kann es nicht beschreiben wie es ist, dazu fehlt die Zeit und noch allerlei dazu und Euer Einfühlungsvermögen. Ich werde in nächster Zeit ein Paket an Dich abschicken mit Wäsche darin, das wird Dir sicher lieber sein als irgend ein unnützes Geschenk. Hoffentlich hast Du das vorige Paket mit dem Buch darin bekommen? Ich muß nun viel Zeit haben, und die habe ich nie. 16. 10. Nun ist inzwischen Dein Brief angekommen. Hab vielen herzlichen Dank dafür. Die Pakete sind alle angelangt, und Erna hat auch einiges verwenden können von den Sachen. Mit Freude las ich von dem tüchtigen Rolf, der Junge wird sicher mal zeitig auf eigenen Füßen stehen. Diese praktische Seite hat er gewiß nicht von meinem Brüderlein, das geht wohl in Deine Familie. Die Zenker-Familie ist doch ein wenig umständlich veranlagt. Eben ist der Strom wieder gekommen, ja diese Misère kennst Du nun gar nicht. Da muß hinterher doppelt nachgeholt werden. Schweigen wir lieber. Gestern haben wir unsere Wahl gehabt, davon lasest Du sicher in den Zeitungen. Wir wählten die Kandidaten der Nationalen Front für ein einiges Deutschland! Das milde Herbstwetter ist herrlich, gestern und heute trocknete unsere Wäsche draußen, wie machst Du es mit Eurer Wäsche? Wahrscheinlich ist es in Schweden so üblich die Wäsche in eine Waschanstalt zu geben. Das haben wir ja auch, ist aber teuer und geht so über die Wäsche. Ich denke mir, daß Du viel liest, schwedisch, englisch und deutsch. Dazu kommen wir gar nicht mehr, ich denke mit Trauer daran. Wie gern würden wir z. B. die Volkshochschule besuchen, auch das ist für mich nicht möglich. Vielleicht ist aber durch eine Neuordnung in unserem Beruf bald mehr Freizeit für uns möglich. Was macht mein lieber Bruder Gerd? Zu traurig, daß man sich nicht richtig aussprechen kann. Wir grüßen Dich herzlich und nochmals alles Gute
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