Brev från Elisabeth Zenker den 17 maj 1950

Borlänge, d. 17. 5. 50

Mein lieber Gerd und nicht minder liebe Märta!

Hier schicke ich Euch einen richtig mal frei geschriebenen Brief [saknas - kanske Elisabeth fick det tillbaka?] von Nanna, den Ihr lesen müsst. Mechthild Seidel schmuggelte ihn nach Münster mit u. schickte ihn von dort. Alles ist so niederdrückend, was soll denn aus unserm schönen Deutschland noch werden?

Und wisst Ihr, dass Hertha von dem Zwingherren, dem russ. Oberkommando die Ausreise nach monatelangem Harren verweigert wurde? ohne Grundangabe natürlich! dabei waren doch nur 4 lumpige Wochen Aufenthalt in Schweden gestattet. Sie steht ja nun auch in ständiger Angst, dass ihr die freie Ausübung ihres Berufes verboten wird u. sie "Staatsangestellte" mit Hungerlohn nur werden kann, so drückt sie sich natürlich nicht aus. Schreibt man darf sein Herz nicht auf offnen Händen tragen u. muss seine Gedanken sorgfältig für sich behalten. Es ist eine andre Welt! - In einem andern Briefe: Dass mir nun die Freude auf's Wiedersehen genommen ist, macht mich tieftraurig, ein ganzes Jahr hatte ich mir das so herrlich ausgemalt. Aber Hertha hat ja Recht wenn sie dazu schreibt: was hilft nun Jammern u. Klagen, man muss sich in das Unabänderliche finden lernen, das fällt nicht einmal mehr schwer, denn man hat ja schon so viel in den letzten Jahren gelernt.

Da schicke ich Euch grade keinen heiteren Himmelfahrtsgruss, aber doch ist's so, dass man lieber auch bald diese Welt voll Drohung und Unsicherheit, "und wenn die Welt voll Teufel wär" u. das ist sie jetzt mehr als zu Luthers Zeit, verlassen u. auch gen Himmel fahren!

Aber wie glücklich bin ich dagegen, dass Eure und Helenes Kinder eine so unbeschwerte frohe Jugend haben wie ich sie einst erleben durfte! die Mädel hier sind wirklich wie die Frühlingsblumen anzuschauen! - Vom 1. - 14. Mai hatten wir wahres Mittsommerwetter, dass die Birken nun ihre grünen Fahnen wehen lassen, aber nun war's recht kalt u. grau. In Hinsnoret rühren sich d. Apfelbäume noch nicht u. hier warten die roten Knospen auch noch vorsichtig. Ich habe Monatskarte u. fahre viel stundenweise heraus u. im Garten mit liebender Hand zu wirken, wie Tante Hertha sagte, wenn man mit mehr Eifer als Verstand sich über eine Arbeit machte.

Tante Marga ist nun nach anstrengender Reise mit einer Kr. Schwester am 15. 4. glücklich in Bremen angelangt u. im Paradies bei Alfred u. Anni, wie sie schreibt, leider aber gänzlich geldlos, die zugesagte Pension fällt weg. - Nanna gebührt das Grosskreuz des Barmherzigkeitsorden, es ist nicht auszusagen, wie sie sich für T. Marga mit Liebe, Fürsorge, Arbeit, Zeit aufgeopfert hat. Das kann ich ihr nie genug danken. Gott schenke meiner Marga nun noch paar erträgliche Jahre, gehen kann sie ja wohl kaum wieder richtig.

Ade, Ihr Lieben, Tausend Grüsse von
Eurer Mutti.


Nannas Brief v. 6. 5. 50 für die Augen der Censur:

Ich hätte Euch Alle heute ja zu gern hier gehabt oder ich schickte Euch zu gern unsre heutige Zeitung. Da würdet Ihr den grossartigen Friedenswillen unsrer Volksdemokratien einmal erleben. Alles rüstet um den Tag der Befreiung, d. 8. Mai, würdig zu begehen. Überall Transparente, Wandsprüche, usw. die den Dank an die Rote Armee ausdrücken. Die Bevölkerung wird zum Flaggen aufgerufen usw. Die F.D.J. zieht mit Liedern u. Sprechchören durch die Strassen. Es ist erschütternd. Wenn nur alle nach dem Westen orientierten Staaten wie wohl auch Schweden? - das mit erleben könnten! - Also mache Du für uns Propaganda da oben. An der Seite der Sowjetunion kämpft die Deutsche Demokratische Republik um die Sicherung des Weltfriedens und um die Ächtung der Atomwaffen. So heisst die Schlagzeile der heutigen Zeitung. Aber verzeih, ich wurde ganz politisch, aber ich war so tief beeindruckt und Du solltest Teil haben.


In diesem letzten Brief v. 6. V. schickte uns Nanna Zuchini-Kerne u. konnte da mit Recht fürchten, dass der Brief geöffnet würde! Zum Schluss schreibt sie noch u. a.: Märta schrieb es käme "jemand" (?) [sic] der nach ihren Sachen hier sehen u. viel. holen soll. Wer ist das? Jemand aus der Familie oder ein Konsulatsbeamter wie Otto denkt? Wie herrlich wär's, wenn's jemand Verwandtes wäre, wir wären ganz rapplig vor Freude - nur schickt nicht Gerd, den mögen wir auf keinen Fall wiedersehen, nach allem was damals vorfiel.

Nur nach allen Grüssen schreibt sie in der Ecke: Mir ist heute so schrecklich elend! - Deine Nanna.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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