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Brev
från Märta till Gerd den 20 oktober 1946
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Den 20. 10. 1946 Mein Gerd! Nur noch sechs Tage 29. Es ist ja gut, wenn Du nicht böse wirst, daß ich so alt werde. Ich dachte, Du würdest es gar nicht gern sehen. Sonst muß ich sagen, wenn ich ewig jung bleiben sollte, dann lieber 30 sein als 20. So ist man ganz hübsch jung und doch reif und erfahren und selbst wenn man nichts ist, ist man doch was. Ich wäre sehr glücklich mit Dir jetzt. Ich vermisse Dich so nicht nur so allgemein, aber so oft in kleinen Sachen auch. Nun will Bertchens Chauffeur 2000 haben. Das würde Mamma gern zahlen. Wir schließen nun immer die Garage gut zu, denn Autoreifendiebe sind oft am Werke. Ein Auto hat am hellen Tage am Bahnhof alle seine Reifen verloren. Der Generalsekretär im R. K. mit dem wir u. Otto Ruge verwandt sind hat neulich geschrieben u. um Deine Personalien gebeten u. gesagt wie wir schreiben sollen in einem neuen Gesuch, denn Bernadotte will diese Woche glaube ich eine Sonderaktion für einige Schweden u. Deinesgleichen machen in Deutschland. Wieder ein Hoffnungsstrahl. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du durch seine Hilfe kommen könntest. Zu meinem Geburtstag nun wird ein Sammelgeschenk zu Stande gebracht u. man lässt fragen ob ich was für mein künftiges (junges) Heim wünsche oder eine Schmucksache? Kaffeelöffel, natürlich. Ist das nicht ulkig, so eine Braut zu haben, die treu wartet u. sammelt genau wie einst? Gulli hat schon 18 Paar Bettücher u. ich gar keine. Hennings Freund ist schon ein tüchtiger Junge, ich halte schon was von ihm. Er hat schon mit 17 Abitur gemacht. Ist es schon kalt bei Euch? Ma. u. pa. sind heute nach Sthlm gefahren um Tant Eva zu besuchen, die eine ernste Augenoperation durchgemacht hat u. im Krankenhaus liegt. Ma. wird auch mit einem Ortopäden sprechen über Stefan. Von Henning war nichts herauszubekommen. Wir haben ihn dummerweise früh angerufen u. da war er so irritiert und als ma. fragte ob Stefan immer hinken wird sagte er: Märta hat ja auch einen Mann gekriegt. Jetzt bereut er gewiß schon seine Säuerlichkeit und wird bald ganz lieb u. demütig schreiben, so wie seine Art ist immer nach Carossa [sic] zu kriechen. So lieb ist er ja auch zu mir daß ich ab und zu immer mal wieder 100 kr. bekomme. Mit Deinen Schuhen ist es ja traurig. Im Frühjahr hast Du ja gesagt, Du hättest genug. Aber so ist Dir nicht zu Mute wie Weinhebers Gedicht? Doch nicht. Vielen wohl, aber Dir nicht. Ja, Suses Brief möchte ich Dir schicken, er war so sehr hübsch. Mamma u. ich wir sagten, man hält direkt den Atem und wird tief erschüttert von einem solchen Brief und dabei hat sie sich gar nicht beklagt, es ist bloß ihre Not aus der großen Freude zu erkennen. Mamma hatte ja erfahren, daß alte Eltern u. s. w. aus Deutschland nach Schweden Einreiseerlaubnis bekommen. Nun sucht Lene ja für Mutti u. wird es sicher bekommen. Es wäre ja sehr schön, aber wie wir wissen ist es ein großer Schritt zwischen ein und aus. Und glaubst Du, daß Mutti Hertha verlassen würde? Nanna schreibt, daß Hertha Mutti das Leben so schwer macht, aber Muttis letzter Brief handelt eigentlich nur davon wie niemand Hertha versteht und schätzt und daß Mutti selbst so traurig ist Hertha so wenig helfen zu können. Ach ja, die arme Hertha auch, hat sie was von Martin gehört? - Ich glaube Brahms II Symphonie ist eine Art Signaturmelodie im Radio Stuttgart. Exzellenz ist er nicht, aber Envoyé. Unser guter alter Staatsminister Per Albin ist gestorben und alle, das ganze Volk ist trauernd. Er hat doch under Land aus dem Krieg herausgehalten. Ach, ich wollte heute abend noch an Mutti, Nanna u. Gulli schreiben u. nun ist das Papier alle. Hast Du Schnürsenkel? Wir haben Stefan ein Puzzle von 75 Stückchen mit Schneewittchen geschenkt, damit er dabei wenigstens still sitzt. Und er bringt es ziemlich. Ach wenn Du heute abend kämst. Es ist so schön still. Die Kinder liegen u. pa. u. ma. sin in Stockholm und die Lampe brennt so gemütlich hier oben am Kamin wie damals als Du sagtest Var är flaska min. Ich sagte zu Rolf heute, er könne 1000 mal besser schwedisch sprechen als Du u. da war er tief beeindruckt. Sei nicht traurig. Ich kenne einen der es in 3/4 Jahr so gut gemacht hat, daß er sogar mit stockholmer Accent spricht. Er wird dieselben Vorkenntnisse wie Du haben. - Als ich Stefan gestern von Dir grüßte, sagte der humorvolle Junge: Jaså tack, har han ringt? Habe ich Dir erzählt was für ein goldiges Wiedersehen es war zwischen Gulli und mir. Habe ich manchmak ein ganz kleines bißchen gelacht über sie, das war falsch. Sie ist meine Freundin fürs Leben. Uns bindet so viel zusammen. Auch wenn ich das Leid in Lübeck nicht geteilt habe. Und trotzdem daß sie 13 ½ Jahre älter ist. Nun Gute Nacht, Du mein, sag bitte zuerst, wenn Du kommst. Ich will erst allein bei Dir sein. Kuß Deine Märta |
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