Brev från Märta till Gerd den 19 oktober 1946

Salta den 19. 10. 1946

Liebster!

Warum bekomme ich denn immer besonders sonnabends Deine Briefe. So ist es und es ist schön. Wie heute den vom 30.9. Und auch einen von Mutti. Es freut mich sehr daß Livet går vidare Dich nicht so aufpeitscht wie mich damals, anderseits aber hoffe ich denn ja wohl auch daß Du Dich aufpeitschen lässt, wenn es soweit ist. Und daß das Salz nicht taub geworden ist. Nun hast Du wohl auch noch durch meinen Brief von ... erotisches Leben gehört. Seitdem hat mich auch noch das Gerücht erzählt daß Herr ... ein so ausschweifendes Leben führt, daß sein guter Freund nichts mehr von ihm wissen will. Ich hätte das ja nun gar nicht von ihm erwartet.

Vorgestern war ich mit Stefan beim zweiten Prof. in U. Ja, es ist dies eine Krankheit, die die Kinder immer so um 7 Jahre herum trifft. Die Kugel in der linken Hüfte ist etwas platt geworden und nun ist zu hoffen daß die Sache, jetzt noch im Anfangsstadium, sich nicht weiter schlecht entwickelt oder auch noch die rechte Seite angreift. In Bett bleiben braucht er nicht. Man könne kl. Kinder nicht so lange im Bett lassen, wie nötig wäre. Er darf gehen aber nicht springen, hüpfen, klettern, Fußball spielen und am Gymnastik teilnehmen die beiden ersten Schuljahre. Es wäre gut, daß er noch ein Jahr bis zum Schulanfang hätte. Nun soll er Mittagsruhe halten und es gehört viel Geduld dazu, sagte er, von meiner Seite ihn zu überwachen. Mit 10 Jahren würde es wohl geheilt sein, sagte er, aber er müsse dann auch immer ans Schonen denken u. auch beim Berufswahl, so daß er nicht Offizier oder Jägmästare oder so etwas werden darf.

Ich bin sehr, sehr traurig, mein Stefan, mein Prachtstück. Den sjuke kan bli frisk, men för den sjuklige finns det intet hopp, brukar Erik von sich selbst zu sagen. Aber ich hoffe ja doch - Henning bagatellisiert das Ganze sehr u. sagt er wird in einem Jahr gut sein, aber er ist beleidigt, daß ich zum Professor ging - daß es so gut wird, daß er dann noch etwas Sport treiben kann u. nicht zurück stehen muß unter seinen Kameraden. Nun sollen wir alle vier Monate wieder zum Röntgen kommen.

Er ist so lieb u. klug, Stefan, und vesteht so gut daß er sich in Acht nehmen muß nun. Heben oder tragen darf er auch nichts. Da kannst Du verstehen wie beschränkt sein Spielplan ist. Mutti sagte mal: Was man nicht im Kopf hat muß man in den Beinen haben u. hier kann ich wohl sagen: Was Stefan nicht in den Beinen hat, muß er im Kopf haben. Und das hat er denn ja wohl auch. Dumm ist er nicht. Kann er denn Ingenieur werden

Nun ist in acht Tagen mein Geburtstag. Ich hatte mich ein bißchen daran gefreut, na ja, das wird wohl nun kaum werden. Aber was nicht Geburtstagsgeschenk ist, könnte wohl Weinachtspaket werden. Ma. u. ich sagen eben, daß wir ein Paket an Riemann schicken, da kann er sich was davon nehmen u. Dir das übrige nachsenden, wenn Du nicht etwa in Paris bist. Ob Johansson böse wird, wenn er von meiner Liebe zu Tante Sophie hörte? Na, mich kann er ja nichts tun als Dame. [Anm. "Johansson" och "Tante Sophie" är nog kodord för USA och Frankrike - det var på tal att Pappa skulle arbeta för fransmännen. Allt öppnades ju av censuren. /SZ]

Nein mir gefällt das Bild mit der schönen Frisur auch nicht. Komme direkt vom Friseur, sonst fallen meine Locken natürlicher! Sehr viel natürlicher! Aber die Kinder sind doch reizend, nicht. Ja, ich bin stolz. Habe sie auch an Mutti geschickt, aber sie scheint sie nicht bekommen zu haben.

Ach neulich habe ich einmal von Hans u. Suse geträumt und stell Dir mein Staunen vor, wenn am Tage dann vier (4) Briefe mit Suses Schrift aus der Posttasche fallen. Ein in 4 Umschlägen 17 seitiger Brief. Sie schreibt ja etwas spatiös nach wie vor, aber trotzdem. Da mußte ich eine Menge verzeihen zuerst. Meine zwei Briefe waren gekommen. Ich habe Suse zum 40. meinen Pelz geschenkt für sich oder Renate. Das ist Dir wohl auch recht? Nanna u. Hertha haben ja und Mutti u. Sibylle wird er nicht passen. Wenn Mutti noch was holen kann, glaubst Du nicht daß sie da für Sibylle meine Schuhe nimmt. Ich weiß sie hat meine Nummer. Und sonst alles. Die Kindersachen. Hoffentlich liegen sie nicht nutzlos da, wenn kleine Dresdner Kinder frieren.

Wie traurig, daß unser Paket an Mutti geraubt worden ist, aber doch gut daß Lenes ankam, so daß Hertha nicht bloß Sibylles zu schleppen hatte. Und Nannas käme wohl noch. Ach ja, Suses Brief welch ein Lobgesang. Es ist wunderbar Menschen solche Freude machen zu können. Nur Schade, daß die Pakete so teuer werden, sonst möchte ich ja an so viele schicken. Nun senden wir an Käthe, da kann sie dann behalten u. weiter schicken. Das ist wohl sicherer. Ach ja ich fühlte mich richtig in ihrer Freitaler Runde sitzen bei dem festlichen Abendbrot. Und Renate hat russisch in der Schule. Sonst erzählt sie nichts weiter und doch der lange Brief. Hans schrieb auch - so wie immer. Er denke jeden Tag segnend an mich. Du auch?

Morgen schreibe ich noch einen Brief. Bestimmt! Schöne Grüße an Marcelle, sie sehe ich bestimmt noch mal. Guck nur nicht zu sehr auf ihre roten Nägel. Kuß und bleib mir recht nah u. recht gesund u. gut. Es ist eine solche Freude mit Deinen Briefen. - Sven Nilsson hat einen Bombenerfolg auf der Oper hier. Und ich werde auch einen großen Erfolg haben bei meinem alten guten lieben Gerd!

Deine Märta

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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