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Brev från Sibylle
till Märta den 4-6 oktober 1946
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4. X. 46
Nun ist es also da, das Paket! Habe recht von Herzen Dank für all die herrlichen Sachen. Mutter brachte es mir gerade an meinem Geburtstag [30.9]. Ich war aber bei meiner Schwester in Görlitz und fand es erst bei meiner Rückkehr vor. Wie soll ich Dir danken! Vielen Menschen machst Du mit diesen Sachen große Freude. Nimm hier gleich den Dank meiner Schwester für den Kaffee - ihr Lebenselixier! Ich hoffe nur, daß ich Dir später einmal meine Dankesschuld abtragen kann. Das Paket war gut erhalten, aber es stimmte mit dem angegebenen Frachtgewicht nicht überein, die Päckchen füllten auch den Raum nicht ganz aus. - 5 Päckchen könnten also eventuell gestohlen sein. Aber Butter, Speck, Käse, Kaffee mit der Tafel Schoko, Seife, - ach, sich wieder einmal mit richtiger Seife waschen zu können! - 2x Makkaroni, 4x Mehl, Milchpulver, Streichhölzer - all diese Herrlichkeiten sind da, - 4x Haferflocken auch, - ich denke also, es stimmt doch. Am Di. kam Karin zu mir, der hatte ich gleich einen Teil Makkaroni gemacht. Die Brühwürfel darin waren nämlich etwas aufgelöst u. hatten die Makkaroni gebräunt, - sie schmeckten aber doppelt schön. Und wie sie quellen! Unsere hier auf Marken geben nicht den 4. Teil davon aus. Es gab Tomaten dazu - ein Götteressen!
5. X. 46 Auch für Deinen lieben Brief mit den reizenden Bildern hab von Herzen Dank. Der Kleinste ist ganz Dein Junge, er sieht Dir sehr ähnlich. Wie stolz wäre Hans Christoph auf seinen hübschen großen Patenjungen! - Ich höre so gern, wenn Du von den Kindern schreibst. Wie haben sie Dir zu danken, daß sie durch Deinen Entschloß so eine behütete, umfriedete Kindheit haben. Ach, Märta, genieße auch Du dieses Glück aus vollem Herzen! Gewiß, die Trennung von Gert ist schwer, man lebt sich auch leicht auseinander, wenn man so lange für sich ist, - aber das kann überbrückt werden. Ihr schließt dann Eure Ehe eben aufs Neue. Das wird Kampf, Enttäuschung, Leid, - aber auch desto tieferes Glück geben. Das liegt noch vor Dir. Aber, "ergreife den Augenblick", genieße ihn, - Du und Deine Söhne! Ach, Märta - welche Überfülle des Lebens, des Glücks! Sei Dir dessen bewußt! Ich bin zum Schulanfang (1.IX) an eine neue Schule gekommen, eine "Musterschule", die Pestalozzischule auf dem früheren Risaerplatz. Ich bin sehr ungern von der 40. Volksschule, wo ich vorher war, fortgegangen. Kinder u. Kollegen hatten mich da sehr gern; alle waren unglücklich - auch die Eltern - daß es mich wieder traf. Diese Schule hier ist eine Mammutschule, 47 Kollegen! Das Kindermaterial ist schlechter als in der 40. - dazu. "Muster" Schule. Ich bin gar kein Paradepferd! Wir sollen an unserer Schule - ohne Störung, wenn irgend möglich - den neuen Lehrplan "vom Kindergarten bis zur Hochschule" erstmalig durchführen. Bis jetzt hat aber auch bei uns der Unterricht noch nicht in vollem Umfange begonnen. Die Stundenplanschwierigkeiten sind riesengroß. Aber nach den Herbstferien, also am 10.X., geht's mit Volldampf los! Ich habe wieder ein 1. Schuljahr, das hat nur 15 höchstens 16 Wochenstunden, ich selbst muß aber 30 geben. Was werde ich da als Fachunterricht dazubekommen? Das gibt viel Arbeit! Aber ohne Arbeit hielte ich es ja gar nicht aus. -- In den nächsten Tagen erwarte ich meine Eisenacher Freundin auf Besuch. Sie hat von ihrem ältesten Jungen, dem Freunde von Hans Christoph, noch keine Nachricht, - d. h. sie weiß, daß er nach Cherburg ins Gefangenenlager gekommen ist, von dort ist Nachricht von Juni 45 da. Das Lager ist aber aufgelöst, die Gefangenen sind meist heimgekehrt, - von Ott - keine Kunde mehr. Hoffentlich ist er nicht in französischer Gefangenschaft zugrunde gegangen. Sie hat ja noch Hoffnung! Vielleicht ist er nach Kanada gebracht worden, von da ist noch keine Nachricht möglich - wie ich hörte. - Hans-Christoph u. ich haben mit dieser Freundin u. ihren Kinder viele herrliche Sommerferien an der See oder bei ihr selbst in Thüringen verlebt. Ott u. Hans Christoph waren fast wie Geschwister, sie sahen sich auch ähnlich, d. h. dem Typ nach - groß, schmalgesichtig - schlank, - etwas abstehende Ohren. Ach, - was haben wir sie wegen der Ohren geneckt! -- Ich sehne mich nach einer Aussprache mit dieser Freundin, wir haben uns stets sehr gut verstanden. - Aber ein Besuch in meinem Zimmer mit Küchenbenützung ist etwas kompliziert. Na, - sie liebt Bohème, - da geht's, - ich lieb's allerdings nicht. Ich schlafe auf einem Divan - ein Bett stempelt gleich den ganzen Raum zum Schlafzimmer. - Nun hätte ich zwar noch ein Bett zum Aufstellen, - aber keinen Platz. Ich werde also auf der Matratze auf der Erde schlafen u. sie auf dem Strohsack auf dem Divan, - da ist's nach dem Aufräumen wieder ein Wohnzimmer! Wenn Du an Deine Dr. Wohnung denkst, kannst Du Dir ja alles vorstellen. 6. X. Meine liebe Märta, Du schreibst so lieb, daß Du mir mit Gerts Einwilligung den Teppich geben willst. Ich weiß nicht, ob Du fühlst, wie gut Du mir mit Deiner Fürsorge tust! Ich bin Dir so dankbar dafür. - Mutter meinte allerdings, daß sie an all Deine Sachen überhaupt nicht ran kann; es sei alles aufgeschrieben, u. die fremden Leute hätten nun das Recht, sie zu benützen. Ich kann es immer noch nicht verstehen daß es nicht möglich war, mich in Deine Wohnung zu setzen. Da wäre Dir doch alles sicher, es wäre für Gert, für alle ein Vorteil gewesen. Mir liegt ja vor allem an der Wohnung selbst, die Sachen kommen erst in 2. Linie; das Nötigste habe ich ja auch. Aber jetzt wird da wohl nichts mehr zu machen sein. Wenn ich Zeit habe, werde ich mich aber mal auf dem Wohnungsamt erkundigen. Bist Du Deutsche und Schwedin? Ich glaube, früher konnte man beides sein. Vielleicht könnte ich in Deinem Auftrag Deine Sachen rausholen oder die Wohnung als Verwandte übernehmen. Schließlich bist Du doch vor dem Nazi-Wahnsinn geflohen! Du müßtest betonen, daß die Wohnung Dir gehört, denn Gert war ja in der Partei und hat kein Anrecht mehr darauf. Aber, bitte, denke nicht, daß ich Deine Sachen - auch den Teppich - haben will. Nein, daß Du ihn mir geben willst, - das allein ist mir schon genug. Aber eine eigene Wohnung - ja die hätte ich sehr gern. Ich könnte mit einer Kollegin hineinziehen; denn allein ist sie zu groß für mich. Aber, wie gesagt, ich glaube, das alles ist nun zu spät. Aber nun genug! Wie lang ist mein Brief geworden! Bitte, grüße Deine lieben Eltern von mir. Ich bin von Herzenn
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