Brev från Märta till Gerd den 24 september 1946

Salta den 24. 9. 46 kl. 22

Mein allerliebster, bester, feiner alter Gerd, weißt Du, daß heute Gerhard ist. Und zugleich Mimmis Hochzeitstag und der Tag wo die bedeutungsvollen Telegramme zwischen Dresden und Salta gingen zu Lenes Verlobung. Weißt Du noch wie wir den Tag feierten vor sieben Jahren bei Suse? Mit Kerzen, Trauben und Tarragona! Hast Du vergessen wie lieb wir uns hatten?

Vielen Dank heute für die Karte vom 4. 9. Nun habe ich einen neuen Kummer: wenn Du die alten Motorzeitschriften studierst, wie furchtbar schraubst Du damit Dein technisches Können zurück. Hoffentlich interessieren sie Dich nur noch sprachlich. - Wie die Zeit vergeht! Ja, ich bin doch in einer Art froh, daß sie das tut, denn damit muß ja auch unsre Wiedervereinigung näher heranrücken. Ich merke aber soeben, daß es eine lächerliche Anschauung ist, ich sollte lieber wünschen, daß sie eher kommt. Daß Du so lange nichts gehört hast von mir liegt daran, daß ich damals im August so wenig schrieb, weil ich meinte es hätte keinen Sinn. Aber nun schreibe ich wieder wie Du siehst. Vielleicht sollte ich auch Pakete schicken? Sind Riemanns noch dort, da könnte ich an sie schicken und sie geben Dir was ab oder an sonst jemand?

Hatte heute einen Brief von Frau O. Nun tue ich wohl eher mein Möglichstes. Ihr Junge war so krank gewesen. Von Frau Anderlitschka habe ich noch keinen Bescheid. Vielleicht ein gutes Zeichen? Sag mal was schreibst Du denn eigentlich? Ist der Prof. nett zu Dir? Ich höre meist Stuttgart und Beromünster. Sonst ist alles schlecht zu hören. Bertchen war wohl zu faul das Radio auseinanderzunehmen. Wieviele alte sind noch in Vilsbiburg? Von Deinen Kollegen, meine ich. Was macht Gaston?

In Utl.svenskarnas tidskrift steht eine herzbrechende Bitte um Hilfe für Elsa. D. h. ihr Name steht nicht, aber so daß es alle lesen u. verstehen können: eine 34-jährige Kriegswitwe mit drei Kindern, die nur von Unterstützung lebt und ihre Kinder nicht abgeben will, weil sie das einzige sind, was ihr noch bleibt. Sie kann sich und den Kindern nichts leisten und wer sendet uns nun ein wenig Geld, steht da, als Aufmunterung für sie, daß sie mal eine Tüte Obst kaufen kann oder ins Kino gehen. Und dann steht: Sie versorgt ihre Kinder ausgezeichnet aber ist eine andligt bruten Frau. Die ärmste Elsa, das muß sie nun lesen, denn sie bekommt ja auch die Zeitung. Und dann steht von noch einer Frau hier, die ihren Mann, einen Arzt, in Kriegsgefangenschaft hat. Sie lebt mit ihren Kindern in einem Zimmer, der Junge will auch Arzt werden und das kleine Mädchen hat Kinderlähmung gehabt u. beide fragen sie: Warum kaufst Du kein Obst, wenn es gibt in den Geschäften?

Hörst Du was von Hans oder Suse? Ich habe an beide geschrieben aber keine Antwort. Sind sie ganz deprimiert glaubst Du?

Nun fahre ich vielleicht schon am Donnerstag nach Sthlm. um am Sonnabend Sven Nilson, Löfvander, Elsa, Gulli, Ruth, Aina und die ganze Gesellschaft zu sehen. Auch Frau Schwarz. Gerd, lilla älskade wann dürfen wir uns wieder ein bißchen lieb haben? Öga, öga, näsa mun, ... bor en liten kung. Hat er Sehnsucht, der König? Rot geworden.

Die Oberschwester in Upsala hat Karin nach mir gefragt, ob ich denn zurückgekehrt sei. Ich verstehe nicht, wie sie wissen konnte, daß wir Verwandte waren mit unsren verschiedenen Namen. In der Nacht als Karin gebar, sagt Erik hat er Höllenqualen durchlitten beim Gedanken wie oft er böse war zu ihr. So was haben wir nie denken müssen von einander, Du und ich, weil es immer so gut war bei uns. Es ist so schön daran zu denken. Gerd, ich werde so glücklich wenn ich Deine Kärtchen bekomme. Hast Du nicht wieder ein Bild von Dir? Wenn ich mir vorstelle wie es wäre, wenn ich plötzlich Nachricht bekäme, daß Du morgen in Stockholm eintriffst oder so. Åh, Gerd, Gerd. Und einmal muß es ja werden. Gestern fragte ich Stefan: Wo soll denn pappa schlafen, wenn er kommt? Nach vielem Nachdenken: Auf sängkammarn. - Da wird ja aber mormor schüchtern? - Ach nein, vor pappa doch nicht, er ist ja auch verwandt mit ihr.

Wie könnte man denn schüchtern sein vor Dir? Bloß ganz kurz jedenfalls. Ach, ich weiß wie ich Dich mal vom Zug aus Wien abholte. Wir standen vorne in der 16. und fuhren die Prager Str. runter. Und ich fühlte Dich elektr. hinter mir stehen. Das war ach so schön. Mir gehts auch so wie Lenerls Bügeleisen. - Denke mal, pappa hat noch nicht lilla Eriks Geburtstagsanzeige bezahlt in Enköpingsposten und nun kam schon das zweite Enkelkind rein. Ich habe vorgeschlagen daß wir den Neugeborenen Erik selbst schicken mit dem Geld und der Rechnung.

Nein, wo fliegt die Zeit hin, wenn ich an Dich schreibe? Nun ist es schon 23,15. Pappa u. ich sahen neulich The seventh veil in Upsala. Eine Frau wirft von ihren sieben Schleiern vielleicht ein paar für einen Freund, bis zu sechs für den Geliebten, aber niemals den siebenten. Nein, nein. Dazu Griegs H-mollkonz. Ja, ja ich gehe nunmehr in Musikfilme. Das nächste mal werde ich mich senken in Form von --- nein dieser Brief wird ja gar zu kühn.

Gute Nacht, aber vergiß mich nicht. Deine Märta.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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