Tre brevkort från Gerd till Märta den 15 januari 1945

Anm. De tre korten är skrivna och numrerade i en följd den 15/1. De två första är poststämplade Dresden 17/1, det tredje Dresden 18/1.

15. 1. 45.

Kära lilla Du!

Du hast entsetzlich lange nichts von mir gehört. Wenn nämlich das Mädchen am Postschalter vergißt, die aufgeklebten Marken zu stempeln, dann bekommt man eines Tages die Karten zurück mit dem aufgeklebten Vermerk "Zurück an den Absender, Auslandssendungen sind am Postschalter aufzuliefern". Und das dauert eine ganze Woche! So lange liegen also Briefe und Karten erst mal in Dresden, bevor sie weitergeschickt werden.

Jetzt bin ich in einem Ort, der Dir besser bekannt ist als Klotzsche, nämlich Hof! Ich bin im Schlafwagen nach München unterwegs. Gegen 9h sollten wir in München ankommen, jetzt ist es um zehn und wir stehen seit vier Stunden in Hof und können froh sein, wenn wir abends in München sind. Verflixt!

Märtalein, was bist Du doch für ein alter Unnütz. Wer hat Dir denn erlaubt, mich mit so einem riesigen Weinachtspaket in Verlegenheit zu setzen? Es kam erst nach Neujahr, aber das war eigentlich ganz schön, denn es gab ein richtiges Fest für sich! Eigentlich ist es ja schauderhaft, auf dem Zollamt auszupacken, aber als ich den Tannenzweig obenauf sah, waren alle neugierigen Zöllneraugen der Welt vergessen. Alles ist gut angekommen, das Gewicht stimmte haargenau. Du bist lieb, lieb, lieb! In der Kuhstalljacke bin ich eine hochelegante Erscheinung, ob Du es glaubst oder nicht. Ich muß sie aber doch etwas auf Taille schneidern lassen. Aber nicht von dem hinfälligen Greis auf der Kreutzerstraße, um Gottes Willen, das ist wieder mal ein Problem. Vielleicht weiß Bohrisch einen.

Gruß. Kuß. Schluß. Dein Gerd.

Någonstans i Bayern 15. 1. 45.

Es geht mir so über alle Maßen gut. Um 5 Uhr beginne ich meinen Tag mit Sydost, um 21h schließe ich ihn mit Kola. Und tagsüber esse ich Saltaäpfel. Die Nußecken sind prima, Mensch! Vielen Dank auch für das schöngerahmte Bild. Ich habe doch das andere lieber und habe es in den Rahmen gesetzt. Da steht Ihr nun auf meinem Schreibtisch und schaut mich freundlich an, oder vielmehr an mir vorbei. Die letzten Wochen waren wirklich toll.

So eine Eisenbahnfahrt hat auch ihre Vorteile, indem sie eine Zwangspause einlegt. Draußen liegt dicker Schnee und Rauhreif an den Bäumen. Es ist 15h und wir sind noch nicht mal in Regensburg. Schade, da verfällt mein mühsam erobertes Schlafwagenbillet heute abend, und ich muß sehen, auf welchem Ziegelsteinhaufen ich übernachten kann.

Liebe kleine Märta! Dank Deinem ausführlichen Telegramm konnte ich am 6. an der Taufe unsres Jüngsten geistig mitwirken. Wo stand denn der Tauftisch, wohl in der Ecke, wo wir am 25. 11. 33 mit Agnes Insulander auf dem Sofa saßen? Ach Du. Es ist schon hart, so von Euch getrennt zu sein. Und die Wützen werden immer größer und wachsen mir schließlich ganz davon. Gibt es denn den kleinen Stefan noch, den wir vom Balkon aus mit der großen Tasche zum Bäcker laufen sahen, um ein Weißbrot zu holen, und der immer sagte: Das ist aber spaßlich, Pappa! Neulich war ich auf dem Dürerplatz und sah die vier kleinen Füße "renne renne machen".

Ich bin bei Gulli gewesen. Sie war froh über Deinen Brief, ich durfte ihn aber leider micht lesen. Sie hat es auch satt, die Ärmste. Vielleicht kommt ihr Karl Heinz oder wie er heißt aber doch bald auf Urlaub

15. 1. 45.

Frl. W. schrieb mir, ich sollte ihr 3 Mark für eine zerbrochene Fensterscheibe geben. So ein alter Geizhals. Am liebsten würde ich ihr eine Rechnung über RM 3.20 für meine drei Verdunklungen schicken und dann fleißig wegen der ausstehenden 20 Pf. mahnen. Wenn wir nur nicht so gute Menschen wären! Nun, bei dieser Gelegenheit habe ich auch unser Wohnzimmer wiedergesehen. Eine recht nette junge Dame mit zwei Kindern wohnt darin, die vielleicht zwei Jahre älter als unsern sind. Sie hat schöne Möbel. Orthodox angeordnet, Tisch in d. Mitte, deshalb wirkt es eng und vollgestopft. Schreibtisch hinten rechts. Jedes sentimentale Gefühl blieb aus. Da lob ich mir unser Klotzsche! Der Vorsaal war gestrichen, deshalb aber auch nicht viel schöner geworden. Tante war nicht da.

So, nun fahren wir endlich über die vereiste Donau, und es wird schon dunkel. Sei lieb und sage Gunhild meine herzlichen Glückwünsche zum 30. Und Dank für ihren schönen Brief, den ich in Bälde gebührend zu erwidern hoffe. (Suchst Du jetzt im Atlas, wo Bälde liegt?) Sie schrieb von einem Brief, den sie nach meinem Besuch bei Prof. G. an mich geschrieben hat, und der leider verloren gegangen ist. Was hat er denn gesagt gehabt? Wie steht die Angelegenheit?

Cläre hat viel durchgemacht, Freiburg ist schwer zerstört. Ihnen ist aber nichts geschehen mit ihrem Häuschen. Von der Einquartierung habe ich noch nichts weiter gehört. Jetzt habe ich endlich alle Zimmer verdunkelt, aber noch keine Bilder aufgehängt.

Einen Kuß! Dein Gerd.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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