Brevkort från Gerd till Märta den 6 november 1944 från Stuttgart

10 Klotzsche, Mozartstr. 8

6. 11. 44.

Liebes Märtalein!

Ich sehe Dich am Tisch sitzen und fleißig Möbel schieben und organisieren. Stimmt's? Es ist ein schönes Gefühl, endlich einigermaßen anständiges Zuhause für meine 4 Lieben zu haben. Ich habe eine ganze Zeit lang geschwankt, ob ich nicht doch versuchen sollte, die B.B zu kriegen; jetzt bin ich aber doch froh daß ich es nicht getan habe. Ich habe auf einem Formular genau angeben müssen, wie groß die Wohnung und die Bewohnerzahl ist (3 ½ : 5), daß schützt uns gegen Einquartierung, was bei 5 ½ : 5 gewiß nicht der Fall wäre! Leider ist der Antrag auf einen Ofen für das rechte Eckzimmer abgelehnt worden. Ich dachte es als Schlafzimmer für uns zu nehmen, es ist aber, wenigstens jetzt in Herbst u. Winter, doch gar zu dunkel und etwas muffig. Schade.

Überhaupt gibt es zuviel Nässe und zu wenig Sonne. Die müssen wir uns im Walde oder im Garten holen. Gestern, am Sonntag, haben wir im "Kurhaus" (kleines Hotel) zu Mittag gegessen u. dann im Walde spaziert. Wunderschön mit der Laubfärbung im Prießnitzgrund. Und so nah! Im Sommer werden wir wohl jeden Sonntag im Walde verbringen.

Ich habe Antrittsbesuche gemacht bei Baurat (?) Otto im Erdgeschoß, Frau Laube im 1. Stock und Frau Hoeland, unsrer Nachbarin. Die ist sehr sympatisch, was man von den Herrschaften im Erdgeschoß nicht direkt behaupten kann. Frau Laube mit ihren 5 Mädels und 2 Mädchen (!) gefällt mir auch immer besser. Wenn ich Ende der Woche zurückkomme, wird Mutti wohl wieder eine zeitlang mit draussen wohnen, bis alles im rechten Gleise läuft.

Jetzt bin ich 3 Tage in U'türkheim u. 2 Tage in Lindau. Auf den Bodensee freue ich mich, hoffentlich ist das Wetter einigermaßen. Mit Schlafwagen ist die Reiserei doch wirklich ein Kinderspiel.

Ajö med dej, lilla Du.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 oktober 2006.