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Brevkort från Gerd till Märta den 22 oktober 1944 från Dresden
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I själva verket tre brevkort, alla daterade den 22.10. Ett är poststämplat den 24.10, de bägge andra den 25.10. - Mozartstrasse i Dresden-Klotzsche har efter kriget bytt namn till Rostockstrasse. /SZ Absender: Gerhard Zenker, 10 Klotzsche, Mozartstr. 8 Von jetzt an kannst Du an diese Adresse schreiben! Bisher hat mir Gisela Deine Briefe meist mit in die Hojule [sic] gebracht. 22.10. 44. Liebste! Ein herrlicher Sonntagmorgen: ein Brief u. zwei Karten! 4., 5., 7. Okt. Gleich bin ich in die Küche gelaufen u. habe einen Sonntagskaffee dazu gebraut. Die Bärenkarte von meiner Familie ist süß. Erinnert an Lieber gerade als krumm (Zenker). Du bist lieb, daß Du mit den Wützen von Pappa sprichst. Wie sollen wir uns denn in Zukunft über Geheimnisse unterhalten, wenn sie so gut Schwedisch verstehen? Stefan soll nicht traurig sein über den zu Wasser gewordene Moltkeplatz. Pappa ist es nämlich auch nicht. Nicht einmal über die Borsbergstr. Nein, da draußen ist es doch viel hübscher, trotz der (relativen) Engigkeit. Bis auf Kleinigkeiten sind die Handwerker jetzt fertig. Frau Laube (Teppus: Frau Sachse, wenn sie 5 Kinder hätte! Aber nicht sehr "giftig") ist so nett u. läßt scheuern und reinemachen. Gestern war ich mit Mutti draußen u. habe Kartoffeln angemeldet. Es ist alles garnicht so einfach! Eigentlich wollte ich Dir garnichts von Klotzsche schreiben, um einen Spaß zu haben, wenn Ihr wiederkommt. Stell Dir vor! Aber da ich nun einmal damit angefangen habe, muß ich Dir wohl alles ganz genau beschreiben, nicht wahr? Also, jetzt geht's los. Dies ist Karte Nr. 1. Fahren wir mal vom Postplatz mit der 7. Schrecklich voll natürlich, wir wollen froh sein, wenn wir mitkommen. Es geht über die Brücke, den Neustädter Markt zum Albertplatz. (Rechts: 1937er Motorrad-Warte-Bank). Weiter die scheußliche Königsbrücker Straße hinaus u. hinauf. (Rechts: Führergeburtstags-Parade, BdM ohne Strümpfe). Am Industriegelände vorbei, Flugplatz links, durch dünnen Wald den Berg hinauf. Oben: Haltestelle Flughafen. Dann noch eine Haltestelle weiter, etwas bergab. Rechts u. links kleine Häuser, meist mit Vorgarten. Wie eben die Hauptstraße von Kl. so aussieht. (Bitte nicht wie das Telefonbuch "Klo" abkürzen!) Am Kurhaus Kl. steigen wir aus. Eine Station weiter, und wir würden zu Annes Wohnung kommen. Nun gehen wir links die Jägerstraße hinein u. kommen nach 3 Minuten zum Schillerplatz. Hier treffen sich 5 Straßen, eine davon ist die Mozartstraße. Sie macht einen schwachen Bogen nach links, wir sehen von fern schon die Gartentür. Bäume, Vorgärten, alte 2 bis 3 stöckige Häuser. Vornehme Stille, außer von oben. Pappa holt den Schlüssel heraus u. schließt die Gartentür. Fortsetzung folgt. Kuß. Auf fließenbelegtem Weg gehen wir durch den Vorgarten.
Wir werfen nur einen scheuen Blick auf Beete und Blumen, denn sie gehören
Onkel und Tante Otto aus dem Erdgeschoß und die
sind nun mal etwas eigen und wollen keine kleinen Jungen in ihrem Garten
sehen. An der Seite des Hauses ist der Eingang, 30 Schritte von d. Gartentür
entfernt. Die Treppe hinauf, an Laubes Wohnungstür vorbei, hinter
der fünfstimmiger Kinderlärm erschallt, zu unsrer bescheidenen
Mansarde empor. Das Treppenhaus ist häßlich
und abgebrökelt, aber trotzdem geradezu aristokratisch im Vergleich
zum Dürerplatz. Nun gibt es links ein Fenster, geradeaus zwei Türen,
eine zur Bodentreppe u. eine mit Namenschild zu der umgebauten bezw. abgetrennten
alten Dame und rechts eine Türe mi dem Namen Zenker.
Nun das Bad. Außer der Wanne u. dem Ofen hat nur noch der Waschtisch Platz. Fenster nur nach dem Vorsaal, dunkel. Mal sehe, ob man so einen Nebel machen kann wie auf der Emser Allee! Forts. folgt. Die anderen vier Räume muß ich Dir natürlich unmöbliert beschreiben, um Deiner Phantasie keine Fesseln anzulegen! Da ist also links in der Ecke die Tür zu dem Eckzimmer. Zwei schiefe Wände mit je 1 kl. Fenster. Kachelofen rechts neben der Tür. Wände braungelb gewalzt. Fußboden wie in der ganzen Wohnung schlicht, bestehend aus abgetretener Diele mit einzelnen Linoleumstücken. Rechts daneben das größte Zimmer, gerade Wände, Kachelofen, Format ungefährwie unser D.pl.-Zimmer, d. h. breiter u. weniger lang. Hell gewalzt. Noch weiter rechts eine Kammer, bisher als Bodenraum benutzt. Sehr kleines Klappfenster. Holzsäule (Pfosten) in der Mitte. 2 schräge Wände. Klein u. dunkel. Auch hell gestrichen. Kein Ofen. Und als letztes ein Zimmerchen mit Kachelofen. Wände ganz hellblau. Gerade Wände. Die Aussicht aus den Fenstern geht überall in Bäume hinein, durch die man die Nachbarhäuser hindurchschimmern sieht. Von der Küche aus in den Garten, sodaß Du ein wachsames Auge auf die Jungen werfen kannst! Den Garten müssen wir uns ja noch ansehen. Es ist eigentlich weiter nichts als ein Stückchen verwilderter mit Obstbäumen bestandener Rasen. Eine Ecke läßt sich gewiß als Sitzplatz ganz hübsch herrichten. Am Zaun des Nachbargartenstückes entlang gibt es Beete, die allerdings aussehen, als müßte "man" viel sauren Schweiß hineinstecken, um einige Möhren zu ernten! Na, das Frühjahr ist glücklicherweise noch weit. Wird's uns im Garten zu eng, so spazieren wir über die Königsbrücker Straße hinweg, unter der Eisenbahn hindurch und sind in ungefähr 10 Minuten am Rand des Waldes. Der Prießnitzgrund ist am nächsten, dort wo wir die Expedition mit dem Kinderwagen durch den tiefen Schnee machten. Die Kirche ist ungefähr ebenso nahe wie bisher. Sehr günstig, nicht? Die Eisenbahn ist scheußlich, höchste Zeit, daß mal eine richtige elektrische S-Bahn gebaut wird. Den Plan kriegst Du bald, weine nur nicht. Viel Liebe! D. G. |
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