Brev från Gerd till Märta den 30 september 1944 från Dresden

G. Zenker, Dresden A 16, Dürerplatz 24 an Frau M. Zenker, Salta, Enköping, Schweden [Datum saknas, men poststämplat 30 september 1944.]

Mein Liebstes! Ich wartete von einem Tag zum anderen, von Dir etwas zu hören, aber nun läuft der Monat ab ohne Nachricht von Dir, und ich hoffe, daß das Günstiges zu bedeuten hat. Aus Berlin habe ich keine Nachricht bekommen oder irgendwelche Antwort auf meinen Brief, denn [sic] ich auf Euer Telegramm hin geschrieben habe. Ich hoffe also, daß dich dieser Brief gesund und munter in Salta antrifft! - Vorgestern bekam ich Brief und Karte aus Domnarvet.

Du armes Kindchen, wie hast Du Dich mit dem Zahnarzt herumschinden müssen. Wie kann man nur so viele Löcher auf einmal in den Zähnen haben, so etwas habe ich doch nie gehört! Die hat doch alle Erik auf dem Gewissen, nicht wahr? Oder bist Du so lange nicht bei Berlin Meyer gewesen?

Ich habe dasselbe Gefühl wie Du, daß es nämlich recht dumm ist, sich hinzusetzen und von kleinem persönlichem Kram zu schreiben, während die großen entscheidenden Fragen uns so bewegen. Aber trotz alledem - sei lieb und schreibe alles von Euch, damit ich mit Dir und meinen Kleinen verbunden bleibe. Ich hoffe nur das eine, daß unsere Verbindung nicht von außen unterbrochen wird, indem Schweden auch versucht, sich rechtzeitig noch "die Überfahrt zu verdienen" und alle Verbindungen mit Deutschland abreißt. Nach den Ereignissen mit Mannerheim muß man ja auf alles gefaßt sein!

Nein, nun will ich Dir über das schreiben, was uns nun mehr als drei Jahre lang beinahe als die allerwichtigste Frage erschienen ist. Hör zu! In diesem Augenblick bist Du rechtmäßige (mehr oder weniger rechtmäßige) Inhaberin von drei Wohnungen: eine von 4 und eine von 6 Zimmern, dazu noch unsre Untermietwohnung bei Tante, in der ich jetzt noch sitze. Was sagst Du nun? Im Sommer schrieb mir Suse eines schönen Tages, daß ihre Eltern nach Weimar zu Schnauzi ziehen wollten, ich sollte mich doch um die Wohnung bemühen. Das Ganze war aber noch recht ungewiß. Dann stellte sich im Lauf der Zeit heraus, daß die alten Herrschaften nur dann Zuzuggenehmigung nach Weimar kriegen sollten, wenn eine Tauschwohnung zur Verfügung gestellt würde. Meine Aktien fielen ins Bodenlose! Der Dürerplatz ist ja als Tauschwohnung nicht zu brauchen. Inzwischen war ich aber ein paar Mal wieder auf dem Bismarckplatz gewesen und hatte schließlich die Wohnung auf dem Moltkeplatz gekriegt. Meine Aktien stiegen! Ich fuhr nach Klotzsche, verhandelte mit dem Hausbesitzer und führte Papierkrieg, bis schließlich der Ringtausch zustande gekommen schien. Leider nur schien, denn nun versagte das Dresdner Wohnungsamt seine Genehmigung, weil der Ring nicht vollständig geschlossen war. Tunders wollten ja nicht in eine freiwerdende Wohnung in W., sondern zu ihren Kindern ziehen. An sich lächerlich, deswegen Schwierigkeiten zu machen, denn was in Weimar passiert kann den Dresdnern ja einerlei sein. Nach allerlei anderen Komplikationen war es aber doch enlich so weit, daß Dresden eine Zuzuggenehmigung für die Leute ausstellte, die aus Weimar auf d. Moltkeplatz ziehen wollten. In diesem Moment hielt das Wohnungsamt in Kl. seine große Stunde für gekommen und verweigerte mir die Genehmigung zum Beziehen der Wohnung! Sie wollten die inzwischen leer gewordene Wohnung wohl für ihre eigenen Zwecke beschlagnahmen. Da saß ich nun sozusagen obdachlos auf der Straße! Unsre Zimmer hatte Tante ja schon weitervermietet, sogar an 3 verschiedene Leute gleichzeitig, auf den Moltkepl. rückten die Leute aus Weimar nach, und mit Klotzsche war auch nichts. Um die Sache kurz zu machen: mit Hilfe des OG-Leiters in Kl. ließ sich das Wohnungsamt doch schließlich von der Sinnlosigkeit seiner Weigerung überzeugen u. ich bekam endlich die Zuzuggenehmigung schwarz auf weiß. Gott sei Dank!

Zum ersten Mal sah ich die Wohnung, als Tunders noch drin wohnten. Leider ist inzwischen das größte Zimmer abgetrennt worden für die ausgebombten Verwandten des Vermieters. Aber es ist trotzdem noch ganz hübsch in unsrer Dachwohnung, für uns reicht es wenigstens vorläufig, glaube ich! 2 Zimmer haben schräge Wände, zwei gerade. Die Hauptsache ist doch die schöne stille Lage weit weg von der gefährdeten Innenstadt. D. h. weder die Stille noch die Sicherheit sind 100 prozentig, denn ständig brummen Flugzeuge in der Luft und landen auf dem nahen Flugplatz. Soviel ich weiß, sind aber Flugplätze seit Menschengedenken nicht mehr angegriffen worden. Der Hausbesitzer ist Dipl.-Ing., eingezogen. Die Frau ist klein und rund und ganz nett und hat 5 Mädels, von den das jüngste eben erst auf die Welt gekommen ist. Ein ziemlich verwildertes Stück Garten ist am Haus, wo wir unsre Kerle loslassen können und ein paar Beete anlegen können. Umständliches Anziehen zum Spazierengehen fällt jedenfalls weg. Und wenn, dann ist ja die Heide ganz nah. Wir brauchen nicht mehr den Kinderwagen in die übervolle sonntägliche Bahn zu quetschen!

Augenblicklich wird noch vorgerichtet, das ist nach dem Umbau besonders notwendig. (Es ist eine Wand eingezogen worden.) Dann muß ich auf Zuteilung eines Spediteurs warten; das ist jetzt zentral geregelt u. dauert entsetzlich lange. Solange muß ich eben noch bei Tante bleiben, wenn die Nachrückenden auch noch so sehr toben. Nun höre und staune! Vor ein paar Tagen ruft mich in der T. H. eine Frau Professor Sowieso an und sagt: Bitte sehr verehrter Herr Diplomingenieur, würden Sie nicht die außerordentliche Liebenswürdigkeit haben und Dr. Leibiger noch einen ganz kurzen Aufschub gewähren? Der Gerichtsvollzieher ist bei ihm und will ihm die Möbel wegholen, und der arme, weltfremde Herr Doktor hat mich gebeten, mich bei Ihnen für ihn zu verwenden. !!! Was tun? Endlich am Ziel unsrer Träume, gehörte uns doch die Wohnung nicht mehr, denn ich hatte mit der Annahme der M.platzwohnung ja stillschweigend auf sie verzichtet. Mit viel Mühe würde es vielleicht doch gelingen, die BB-wohnung wieder freizukämpfen. Aber ich habe nun keine rechte Lust mehr dazu. Vor allem: kein ländliches Grün. Und viel zu viel Arbeit für Dich, falls wir kein Mädchen bekommen können. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen wie der Krieg weitergehen soll, ohne daß die Wohnungszwangswirtschaft eingeführt wird, und da würden wir im Gegensatz zur BB. in unsren 4 Zimmerchen sicher ungestört bleiben. Trotzdem bleibt es eine schwere Frage! Unserm alten Freund Frenzel hatte ich noch nichts gesagt vom M.platz, werde es auch erst tun, wenn ich wirklich draußen bin. Leibiger hat mich ganz klein und demütig angefleht, bis ich nun großmütig einen kleinen Aufschub gewährte!! Das war eine Genugtuung für Deine Tränen! In 2 Monaten wird ihn Frenzel trotz aller Ehrenwörter wieder mit Gewalt raussetzen lassen müssen, das ist klar.

Ich schicke Dir wieder einen Plan zum möblieren. Antwort! Dies mal ist es ernst! Dein Gerd.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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