Brevkort från Gerd till Märta till den 4 september 1944 från Dresden

4. 8. 44 [sic, men poststämplat 5. 9. 44]

Mein geliebtes Kleines!

Ich habe seit einer Woche nicht mehr geschrieben, wenn es nicht sogar noch länger her ist. Ich habe so viel zu tun. Sogar den zweiten Augustbrief habe ich verfallen lassen müssen, zum Schwarzärgern!

Jetzt bin ich auf der Rückfahrt von einer 2 tägigen Reise nach Stuttgart. Hin und zurück nachts gestanden! Ganz scheußlich. Etwas positives hat die Fahrt doch gehabt: ich habe Eßlingen kennengelernt, eine entzückende kleine Stadt am Neckar. In 4 Tagen muß ich wahrscheinlich noch einmal nach Stuttgart fahren.

Lilla min rara Märta. Ich habe so lange keine Zeitung gelesen. Das Unglück mit Finland hörte ich gestern von einem Straßenbahnschaffner. Es geht uns natürlich sehr nahe, gefühlsmässig viel schlimmer als wenn die Rumänen oder ähnliche Figuren abspringen. Es ist schlimm, garnichts mit Dir besprechen zu können in dieser Hinsicht. Alle persönlichen Dinge erscheinen so klein in dieser Zeit, daß man garnicht von ihnen schreiben mag. Liebes Märtalein, ich bin froh daß Ihr noch drüben bleiben dürft. Um jeden Tag bin ich froh.

Jetzt bin ich wieder zuhause gelandet. Diese Karte habe ich heute Nacht geschrieben, immer wenn der Zug auf einem erleuchteten Bahnsteig hielt, eine Zeile! In Untertürkheim habe ich in der Traube gewohnt. Hübsch, wie mich die Stationsnamen heute an Dich erinnerten: Ansbach, Nürnberg, Lichtenfeld, Gera. Auf der Hinreise blieb ich ein paar Stunden in Weimar, das ich noch nicht kannte u. dachte in Goethes Gartenhaus an Dich. Vor 10 Jahren! - Und am 1. Sept. dachte ich an uns vor 5 Jahren.

Bald hörst Du mehr. Grüß meine lieben Jungen.
Leb wohl, Kuß. Dein Gerd.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.