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An Frau Märta Zenker,
Salta gård, Schweden
von Suse Zenker, Freital II /Sa, Pestalozzistr. 6, Deutschland
2 April
1944, Palmsonntag
Schon an den letzten
beiden Tagen hatte es Blumen und Glückwünsche geregnet,
alle nahmen Anteil an dem Fest in unserm Hause. Nun kam der Tag
selbst, er begann mit einem strahlenden Morgen und letzten Vorbereitungen.
Bald war alles fertig für den Empfang der Gäste. Die ersten
brachten die Nachricht, daß alle Straßenbahnen überfüllt
und sie deshalb weit gelaufen seien, um zu uns zu gelangen. Doch
auch die anderen kamen noch zurecht. Der Tisch bog sich unter all
den guten Gaben, viele Bücher waren dabei.
Um 11 Uhr fand die Gottesfeier
statt. Wir Konfirmanden - etwa 50 Mädel und 30 Jungen - zogen
bei Glockengeläut unter Vaters und einiger Kirchenvorstände
Führung vom Diakonat, wo wir uns versammelt hatten, in die
Kirche. Da setzten wir uns auf die ersten Bänke. Mit Orgelspiel
und Gesang begann die Feier. Vater hielt eine Predigt über
den Text "Alles ist möglich, dem, der glaubt!" Er
führte da vieles aus, was wir im Konfirmandenunterricht besprochen
hatten, wie zum Beispiel "Was ist Glaube?" Bei der Einsegnung
kamen immer Vier aus und stellten sich vor dem Altar. Fast alle
Mädel trugen schwarze oder blaue Kleider. Vom Pfarrer (also
von meinem Vater) erhielt jeder seinen Konfirmationsspruch und -schein,
und nach einem Segenswort gingen sie wieder auf ihre Plätze.
Ich bekam den Spruch, "Alles was von Gott geboren ist, überwindet
die Welt!" (1. Joh. 5,4). Die Eltern haben mir den Spruch auch
ausgesucht, weil es meinem Namen Renate (die Wiedergeborene) entspricht,
den sie mir gaben. Ich habe schon viel darüber nachgedacht
und will ihn immer besser verstehen lernen. Er gefällt mir
schon jetzt sehr gut.
Anschließend wurde das für uns erste Abendmahl gehalten.
Das zog sich nun in die Länge, denn die Kirche war gefüllt.
Wir sangen noch den Vers "der ewig reiche Gott" (3. Vers
von "Nun danket alle Gott!") und gingen dann heim. Da
hatte eine "gute Fee" das Mittagessen schon bereitet,
wir setzten uns um den Tisch und speisten wie dieFürsten. Nach
einem ausgiebigen Mahle fanden wir uns noch zu einer kleinen besinnlichen
Stunde zusammen: Vater sagte Rilke-Gedichte, dazwischen spielte
meine Freundin und ich einige Stücke auf der Flöte. Bald
war auch eine rege Unterhaltung im Gange, und wir freuten uns alle
über den Tag, daß er so schön und friedlich war.
Noch einmal rief man zu Tisch, diesmal zur Kaffeetafel. Die selbstgebackenen
Kuchenberge schmeckten herrlich, und alle griffen tüchtig zu.
Doch bald
wurde es Abend, und wir verabschiedeten uns herzlich voneinander.
Wir drei besahen uns zum Tagesausklang noch einmal die schönen
Geschenke und guten Wünsche und fanden, daß 110 Menschen
an diesem Tage meiner gedacht hatten! Dankbar für das wohlgelungene
"erste Fest, das sich um mich drehte", (wie mir jemand
schrieb,) gingen wir dann spät abends schlafen.
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