Brev från Hertha Zenker den 8 juli 1964

 

Abs: Hertha Zenker, Dresden - A21
DDR. Schlüterstr. 5II

Dresden, den 8. 7. 64

Lieber Gerd und liebe Märta!

Ein Jahr ist wieder um, man spürt gar nicht wie schnell die Zeit verfliegt. Herzlich möchte ich Dir, lieber Bruder, zum Geburtstag gratulieren, und Dir alles Liebe und Gute und immer beste Gesundheit wünschen. 55 Jahre bist Du jung!! Es ist kaum zu glauben, daß Du nun Großonkel und ich Großtante geworden bist. Und Helene ist sicher ein reizendes junges Großmütterlein!

Von Mutti haben wir wieder frische Schilderungen von Euch und Eurem Leben erhalten. Auf die begabten Söhne könnt Ihr ja so stolz sein. Wann wird wohl Stefan nach Amerika gehen? Und heiratet Rolf in absehbarer Zeit? Allerdings ist wohl auch die Wohnungsfrage mit entscheidend wie in aller Welt.

Nun beginnt die Ferienzeit. - Eben holte ich Dein Briefchen aus dem Kasten, liebe Märta, vielen herzlichen Dank für Deine guten Wünsche. Die Ausrufungszeichen hättest Du Dir sparen können!! Unser Nachbar hat eine nette kleine Frau, die mit im Wagen saß, und sie holte unsere Mutti mit mir vom Zug ab. Wir pflegen mit Altmann's gut nachbarliche Freundschaft, und wenn nötig, auch Hilfe.

Ja, die Ferien verlebt Ihr hoffentlich erholsam und behaglich in Salta. Wie gern würde ich da auch mal ein paar Tage zum Ausrücken kommen! Eine Ferienreise fällt für uns dieses Jahr weg. Wir erwarten Besuch von Erna's Schwägerin aus München. Da muß ihr fleißig Dresden und die schöne Umgebung gezeigt werden. Das können wir nicht so neben der Arbeitszeit machen. Brigitte fliegt heute von Berlin-Schönefeld nach Varna-Nessebar ["Sunny Beach"] /Bulgarien an's Schwarze Meer. Dort wird sie hoffentlich eitel Sonnenschein haben. Hier war's in der vergangenen Woche empfindlich kalt. So einen kalten Geburtstag habe ich noch nie erlebt. Mutti - Otto - Nanna - Tulli Mühlhofer waren unsere Gäste, und ich freute mich, als noch Sybille [sic] erschien. Ich habe ja nie Zeit um Verwandtenbesuche zu machen. Oder wenn ich Zeit habe, muß Hausarbeit erledigt werden. Oder ich liege lang um neue Kräfte zu sammeln. Denn "ich muß ja sehen, daß ich gesund bis zur Rente komme!"

Im Winter sind meine einzigen "Vergnügungen" die Konzertbesuche der Philharmonie. Wir haben auch einen Plattenspieler, da höre ich mir öfters gute Schallplatten an - auch Jazz.

Am Sonnabend, d. 11, sitze ich hoffentlich bei schönem Wetter mit Mutti zusammen in Schweitzer's Garten, und wir werden ein Gläschen auf Dein Wohl trinken, lieber Gerd. Alles Gute Dir, und unsere Verbindung soll nicht abreißen!

Herzliche Grüße von Eurer Hertha

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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