Brev från Renate Henschke f. Zenker den 4 april 1964

Essen, den 4. April 1964

Liebe Märta!

Nach Ostern für Weinachtsbriefe zu danken, hat seinen besonderen Reiz. Also: herzlichen Dank, und die Idee mit dem Spanisch-Buch war reizend!

Geht es Euch allen gut? Sicher wartet Ihr noch sehnlicher auf den Frühling, der gar nicht kommen will. Wir haben gerade noch Osterferien, und es ist ein Tag schlechter als der andere, man kann fast nicht raus. Ich werde ganz trübsinnig. Dem Uli macht das nicht viel, er geht sowieso nicht spazieren, und bloße Gegend findet er furchtbar. Ich wollte ihn bewegen, etwas weiter rauszufahren, damit man mal was Neues sieht - die Wege um unser Haus herum kenne ich seit 10 Jahren - und nun verbündet sich das Wetter mit ihm. Die Bäume stehen in Knospen, aber zum Aufgehen ist es viel zu kalt und naß.

Wenn wir bei Euch wären oder umgekehrt, hätte ich Dir meine "Milchkarte unter den Frühstücksteller gelegt". Wir fangen wahrhaftig in unserem jugendlichen Alter mit Familiengründung an. Im August oder September kommt die Aktion. Wir sind sehr gespannt, zumal wir doch von diesen Dingen nicht die leiseste Ahnung haben. Kleine Kinder sahen wir immer nur von weitem, wir hatten auch keine kleinen Geschwister. - Schlagt uns doch mal schöne Namen vor, wir können uns nicht entschließen. Wie hättet Ihr zum Beispiel eine Tochter genannt, wenn Ihr sie bekommen hättet?

Wo ist denn Stefan jetzt? Und was machen die anderen? Geht es auf Salta gut?

Ihr werdet ja hohen Besuch bekommen, Genosse Chruschtschow. Werdet Ihr Spalier stehen? - Worüber befragst Du die Menschen zur Zeit? Oder tust Du es nicht mehr?

Uli hat sich eine sogenannte Heimwerkermaschine gekauft, dabei ist eine Kreissäge, man kann bohren, drechseln, fräsen, schleifen. Vorläufig probiert er erst noch alle die Teile aus, aber er hat vor, alle möglichen Möbel zu bauen. Wenn das was wird, freu ich mich. Regale, Schänke und eine Wiege! Irgendwann wollen wir doch ein Haus bauen, und dafür bräuchten wir viel. Das kann bloß noch nicht beginnen, weil die Stadt die Kanalisation noch nicht baut. Ohne sowas darf man keine Häuser hinsetzen. Die Baupolizei ist mit ihren Verboten ganz groß. Sie schreibt ja auch die blödsinnigsten Dachformen vor. Das deutsche Hutzelhäuschen scheint das Ideal zu sein, "weil es am besten in die Landschaft paßt"! Was habt Ihr für schöne Häuser, auch die alten auf dem Lande.

Wie geht es der Großmutter - habt Ihr sie gesehen? Ist sie auf irgendeine Weise schon Urgroßmutter? Wißt Ihr, was Karin macht? (Wir haben ihre Adresse verloren.) Haben die Eltern Tiblin sich nun eingelebt, oder räumt Helene noch ein?

Grüß alle schön, die Du siehst, und machs gut! Deine Renate.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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