www.zenker.se

Brev och bilder från 1947

Anm. Jag har ännu inte stött på Liber 1947. Kanske den aldrig har utgivits? Liber 1945-46 gjordes i ordning i hast inför pappa Gerds ankomst till Sverige i december 1946. Liber 1948-49 var ett dubbelnummer, vilket kanske stärker misstanken att Liber 1947 aldrig funnits. Men å andra sidan borde väl Liber 1948-49 då ha gjorts till ett trippelnummer, även om det gått lång tid sedan 1947? - Jag hittade Liber 1950 instucken i en annan Liber från 1980-talet, så ännu finns det hopp!

Pappa fick plats på Atlas-Diesel i Sickla, i sydöstra utkanten av Stockholm, och började där den 20 april. Han bodde hos vår släkting Eva Widman på Södermalm, medan resten av familjen stannade på Salta tills vi fick en trerumsvåning på Cirkelvägen 19 i Gubbängen i juni och kunde flytta in där i september/oktober.

Januari 1947 Februari 1947 Mars 1947 April 1947 Maj 1947 Juni 1947
Juli 1947 Augusti 1947 September 1947 Oktober 1947 November 1947 December 1947

Januari 1947

Brev från Agnes Kiendl ("Nessi") till Märta Zenker den 1 januari 1947.

Eibishof, 1. I. 1947.

Meine liebe Märta!

Hab herzlichen Dank für Deinen lieben Brief der uns ja leider die betrübliche Nachricht von der Ablehnung des Einreisegesuches brachte. Schon längst wollte ich Dir schreiben, damit Du u. Helene zu Weinachten einen Gruß von mir hättet. Aber die letzten Wochen waren so voller Hetz u. Verzweiflung weil unsre Ausweisung hier vor der Tür stand, - daß ich mich einfach nicht zum Schreiben aufraffen konnte.

Nun sehen wir seit vorgestern einen Lichtstreifen am Horizont, eine Hoffnung, doch bleiben zu können u. den Hof zu behalten. Alles Nähere des Wie und Warum zu schildern bräuchte zu viel Zeit, aber Du kannst mir glauben, daß es viel viel Kraft u. Zeit gekostet hat.

Bern war ja nun sehr enttäuscht über die Ablehnung, - aber da neulich hier in der Zeitung stand, daß Schweden seine Einreisebestimmungen erleichtern will, möchte er es doch gern nochmal probieren. Er wird Dir selbst darüber schreiben. Ich bin augenblicklich freilich froh, ihn da zu haben. Man kann mit ihm alles besprechen u. beraten, er hilft mir wo er kann. Aber ich möchte ihm doch wünschen, ins Ausland zu kommen. Hier ist ja gar keine Aussicht u. Möglichkeit für ihn u. in dem überfüllten Deutschland auch nicht.

Wie habt Ihr das Weinachtsfest verbracht? Sicher haben Deine 3 lieben Bübchen Dir viel Glück gebracht u. Dir über die Sehnsucht nach Eurem Vati etwas hinweggeholfen. Ist denn noch gar keine Aussicht, ihn herüberzubekommen? Wieviel Jahre Eurer jungen Ehe gehen Euch verloren! Und wieviel in der Entwicklung der Kinder, das Gerd gar nicht miterlebt! Der einzige Trost ist, daß es Hunderttausenden so gehtu. daß man dankbar sein muß, wenn man doch weiß, daß der Vati lebt u. einmal doch heimkehren muß. - Wie geht es Helene mit ihrem Vierblatt? So viel gehen meine Gedanken zu Euch allen. Ob man sich je einmal wiedersieht?! -

Wir hatten - trotz allem - ein schönes frohes Fest mit einem schönen Tannenbaum und viel viel Weinachtslieder-Singen, Besuch von Freunden u. Freundinnen der Kinder, Gesellschaftsspiele u. Fröhlichkeit. - Im November hatten wir Besuchs-Erlaubnis u. durften alle unsern lieben Vati ½ Stunde sprechen. Er ist gesund u. arbeitet als Holzfäller u. hat einen riesigen Vollbart!

- Euer schönes Paket ist leider nicht angekommen, nun muß man es wohl aufgeben. Falls Du uns nochmals etwas schicken wolltest, so wäre ich vor allem für Kleidungsstücke aller Art für die 2 Großen sehr dankbar. Sie sind wohl noch nötiger wie Eßwaren. (Größe 176-178, Schuhgröße 42-43!) Sie müßen manche Sachen abwechselnd tragen (guten Anzug etc), Wolf hat keine Sonntagshose, keinen Pullover, - Bern's Anzug wird an allen Ecken u. Enden zu klein. Wolfs Arbeitszeug ist schon 100 mal geflickt, - Hemden u. Unterhosen desgleichen. Oma u. ich flicken alles wieder zusammen, aber wir sehen nicht, wie es noch den ganzen Winter aushalten soll.

Nun liebe Märta, Dir u. den Deinen alles alles Gute für 1947, besonders, daß Gerd zu Euch kommen kann. Sage bitte auch Helene herzliche Grüße u. Neujahrswünsche.

Immer Deine tr. Base Nessi.

Mein armes Muttchen war wieder so krank (Blinddarmentzündung) und muß so frieren, das ist mir ein großer Kummer. Sie wohnt bei Leni in Zwickau.

Brevkort från Gerd till Stefan från Borlänge den 4 januari 1947

 

Brev från Märta till Gerd (c/o Widman, Södergatan 2IV, Stockholm) den 13 januari 1947

Salta den 13. 1. 1947.

Kära lilla Du!

Ich soll auf Deutsch schreiben, damit Du es besser verstehst, sagt ma. Puh! Also heute sind die restlichen 6 Pakete in Enköping angekommen und wir bekommen sie morgen. Ist es nicht wunderbar? Gott sei Dank! Und Eva Hakelius hat telephoniert, daß der Direktör Winberg von seinem Bett aus auf Röda Korsets sjukhem mit dem Direktör OTTERBÄCK, Saab gesprochen hat und sie wären sehr interessiert. Du solltest anrufen. Namnanrop ist Saab und persönlich mit dem Direktor eine Zeit zum Zusammentreffen vereinbaren. Da er oft auf Reisen ist, kann es sein, daß Du ihn nicht triffst, und dann sollst Du mit Major Nordkvist sprechen. Da solltest Du auf Direktör Winbergs Gespräch mit OTTERBÄCK hinweisen. Da wäre es wohl gut auch mit Atlas Diesel verhandelt zu haben und L. M. Ericsson. Kannst Du mit dem Steeg und Reuter Mann auf Drottninggatan verhandeln wieviel Du verlangen kannst. Wenn man zu wenig verlangt, da "diskvalificerar" man doch sich selbst. Es ist natürlich schlecht ganz ohne Zeugnisse zu kommen aber da mußt Du ganz deutlich und genau angeben mit wem Du verheiratet bist und wie Dein Schwiegervater heißt. Und Referenzen: 1) Agronom Axel Hakelius, Ordförande i mjölkcentralen och dessutom i Jordbrukstekniska institutet. Der Vetter von Pappa: 2) Direktör Hakon Swenson, Västerås und mammas Vetter 3) Disponent Birger Wiberg, Chef für C. M. Wibergs Vagn o. redskapsfabrik. Du wirst wohl sagen müssen, daß Deine Papiere gebombt seien und daß Du nur ungern nach Graz schreibst, aber daß Du Deine Arbeiten vorführen kannst und jetzt nur preliminär fragen wolltest. Frag den Drottninggatsman, daß Du event. einem Deutschfreund sprechen kannst.

Ich bin so froh über die Pakete! Mir geht es genau so wie heute früh, da werde ich wohl morgen auch kaum kommen. Stefan fragt, wie ich mich fühle, wenn ich nun seit so langer Zeit wieder mal allein bin.

Könntest ja auch erwähnen: Direktören för Norrbottens (NORRBOTTENS) Järnverk Bertil Åström, Luleå. Gespannt auf den Bericht von Deinem ersten selbständigen Tag in Schweden. Pappa fährt auf Rotary und mamma geht ins Kino und nimmt den Brief mit.

Mit steifen Ohren
Deine Märta

Brevkort från Gerd till Märta den 14 januari 1947

14. 1. 1130

Liebste!

Nun ist schon wieder ein Tag rum. Er verging mit orienteringssport. Axel Lundquist Drottninggatan noch nicht erreichbar, wahrscheinlich morgen. Kaum bin ich hier - schon kriege ich Post von Dir! Gunhild hat mir einen Stoß mitten ins Herz versetzt, indem sie glaubt, daß ich nur deutschgeschriebene Briefe verstehe! Danke schön für alle upplysningar. Klingt ja sehr gut. Ich werde mich mit dem Direktör aber erst dann in Verbindung setzen, wenn ich weiß, wann ich soweit bin, daß ich ihm etwas zu zeigen habe. D. h. ich werde ihm bald schreiben (preliminär), da es sonst unhöflich gegen Axel. Hak. bezw. Winberg wäre. Dabei mußt Du mir aber helfen.

Liebe Kleine, das ist langweilig, daß Dein süßes Blinddärmchen garnicht besser werden will. Du mußt Dich schonen und darfst nicht nach St. fahren , sonst kommt das große scharfe Messer! Ich finde, daß U.K. [Utlänningskommissionen?] gut noch ein paar Tage warten kann. Am Samstag können wir dann besprechen, ob Du nächste Woche mitfahren kannst, oder Erik, oder ich allein, oder ob wir es doch schriftlich machen (unsympatisch).

Fein, daß die Pakete gekommen sind! Siehst Du, ich bin eben ein Sonntagskind. Damit ist das große Abenteuer also glücklich abgeschlossen. Eva (sic) ist rührend. Ich muß nur immerzu bremsen, daß sie nicht zuviel tut. Das ist schwer, weil sie mich kaum versteht. Das Gespräch ist ganz einseitig!

Vielen Dank für Nessis Brief. Ich hoffe so sehr, daß sie dort bleiben können. Ich habe mitten in Postkontoret laut über Hannes' Vollbart gelacht.

Grüße u. Küsse! Dein Gerd.

Brev från Sibylle Zenker till Märta den 19 januari 1947

19. I. 47.

Meine liebe Märta,

Wie habt Ihr Weinachten und Neujahr verlebt? Ich habe an Dich gedacht, als ich in Görlitz war. Ich war froh, daß ich überhaupt zu meiner Schwester resisen konnte. Auf dem Neu. Bahnh. bekam ich die Genehmigung nicht, aber als ich am nächsten Tag zum Hauptbahnhof ging, erhielt ich sie. Von Görlitz nach Dr. verkehrte nur noch 1 Zug; der D.-Zug früh um 6 Uhr. Ich kam aber auch gut mit ihm zurück. Im Januar mußte ich wieder hier sein, trotzdem die Schule erst am 13. I. anfangen sollte.

Nun sind leider Kohlenferien bis auf weiteres; das ist ganz scheußlich. Unsere armen Kinder! So viel ist nachzuholen, und nun schon wieder die Unterbrechung. Wir Lehrer haben in der Zeit genug zu tun. Die Neulehrerausbildung wird ganz stark betrieben u. schriftliche Stellungsmaßnahmen zum neuen Lehrplan werden gefordert u. s. w. Da ich wöchentlich 6 Std. Geschichte gebe, arbeite ich nun Bücher der neuen Geschichtsauffassung durch: Mehring, Engels...

Als ich hier ankam, fand ich ein Päckchen von Käe Dörries vor. Eine herrliche, weiße Strickjacke. Da ich Käte kaum kenne, war ich sehr erstaunt. Hans meinte nun, sie stammtewahrscheinlich von Dir, K. hätte sie nur gesandt, da Du an diese leichter schicken kannst. Simmt das? Jedenfalls danke ich Dir sehr von Herzen dafür. Ich werde sie auftrennen, u. dann muß meine geschickte Schwester Else etwas sehr Schönes daraus stricken.

Wir leiden hier sehr unter Kälte u. Dunkelheit. Ein um den andern Tag ist der Strom ganz weg. Oft ist auch an Stromtagen kein Licht da. Und ich koche doch alles auf meinem kl. elektrischen Kocher. Ich muß also des öfteren nachts kochen; den ¾ 11 Uhr kommt der Strom wieder. Vorige Woche hatten wir 3 Tage hintereinander keinen Strom. Ich holte also den Kocher dicht ans Bett. Als ich früh gegen 6 Uhr noch mal anstecke, um das Essen dann in die Kochkiste zu setzen, kippt der Topf beim Umrühren, - die kochenden Erbsen auf meinen Arm u. ins Bett! Ich stehe vorsichtig auf, um Ordnung zu machen, - da geht das Licht aus! - Tableau! Ich bekam eine Riesenbrandblase am Unterarm - aber sie heilt gut ab. Ich war garnicht beim Arzt; denn 3 Stunden Warten kostet das mindestens. Nun juckt es nur noch tüchtig.

Habe ich Dir mal von meiner Freundin Erna aus Eisenach erzählt? Wir waren oft zusammen an der See. Hans Christoph u. Ott, ihr ältester Junge, waren gute Freunde; sie waren auch zusammen in Swinemünde 1940, zu Rad von Dresden aus. Erna war diesen Herbst 3 Tage bei mir. Sie hatte gleich im Juni 45 Nachricht von Ott aus dem Gefangenenlager in Cherbourg. Dann keine Nachricht mehr. Am 18. XII. 46 bekam sie vom Schweizer Roten Kreuz ein Schreiben, daß Ott am 25. IX. 45 in Trouville s. mer bei einem "accident" ums Leben gekommen sei. Er liegt in Trouville s. mer begraben. - Sie nimmt an, daß er um heimzukommen, zu den gefährlichen Hafenarbeiten gemeldet hat, u. daß er durch eine Mine getötet wurde. - Nun sind die 2 Freunde vereint! - Aber Erna hat noch 1 Jungen u. 2 Mädel - und ein Heim. Auch ihr Mann ist noch da, Studienrat in Eisenach. Auch Ott war ein besonders feiner Junge. Seine Briefe sollen jetzt - zusammen mit anderen - gedruckt werden.

Von meinem ältesten Neffen Hermann ist auch keine Nachricht da. Seine Frau mit 2 Kindern lebt als Evakuierte in Bayern in einer Baracke, - ihre Heimat, Breslau, ist ja verloren. Was soll aus ihr und den Kindern einmal werden; wenn der Vater nicht wiederkommt? - Meine Nichte Inge mit ihren 3 kleinen Mädeln lebt jetzt noch in Görlitz. Ihr Mann hat Stellung als Architekt in Augsburg, - er wird wohl demnächst seine Familie rüberholen. Er möchte nach Amerika auswandern. - Die 3 kleine Mädel sind dauernd krank. Die Älteste, Ingegretel, liegt schon seit 6 Wochen im Krankenhaus, - Nierensachen, - sie ist noch stark herzkrank. Inge ist sehr tapfer u. hat Flucht u. Heimkehr mit den 3 Kindern allein durchgeführt. Das jüngste Kind war eben geboren, als sie fliehen mußten.

Wie geht es Deinen Buben? Was macht das Patenkindel Stephan? Bitte, erzähle mir mal von ihnen! An Deine Eltern viele Grüße.

Dir selbst noch einmal von Herzen Dank! Möchte das Jahr 47 ein gutes für Dich werden u. Dich mit Gerd vereinen!

Deine Sibylle.

Margaretas dop ägde rum i Uppsala domkyrka. Därefter mottagning hemma på Egilsgatan. Fr. v. Erik Zenker, Mariann Tiblin, Karin af Sillén, Margareta af Sillén, Ingela Tiblin, Stefan Zenker, Ann-Margret Tiblin, Karin Tiblin. (Rolf hamnade utanför.)
Ingela (skymd), Karin m. Margareta, Mariann, Gunhild, Erik Z.
Med sparkstöttingar vid Salta Vaska. Erik, Märta, Rolf, Stefan, NN.

Februari 1947

Brev från Elisabeth Zenker till Märta den 7 februari 1947

An Frau Märta Zenker, Salta gård, Enköping, Schweden von Frau Elisabeth Zenker, Dresden A21, Ermelstr. 13

d. 7. 2. 47 [men ligger i ett kuvert poststämplat 7 mars]

Meine liebe Märta! Seit heute taut es u. nun atmen wir alle auf u. hoffen, dass es wirklich nun mit dem harten Winter zu Ende geht. An u. für sich war er wohl herrlich in seiner Schnee- u. Eispracht u. ein Entzücken für alle Kinder, aber - da gehört eben doch ein warmer Ofen dazu u. licht am Abend u. bischen mehr HappenPappen u.s.w. Es ist nur das Wunderbare, dass der Mensch sich an alles gewöhnt, auch an die neue Eiszeit. Leider muss unser hübscher Park gegenüber auch mit leiden, der Zaun ist längst gestohlen u. nun fallen die Bäume in der Nacht, - er wird immer durchscheinender! und man kommt in der Moral so weit oder so tief viel mehr, dass man nicht platzt vor Zorn über die räuberischen Hände sondern neidisch ist, keinen Mann da zu haben der einen auch mal so mit Feuerholz versorgt. Dafür lässt ja aber Gott seine Sonne nun täglich höher steigen u. die tief eingefrorene Elbe wird wohl da auch bald Sprünge bekommen, das wird ein tolles Hochwasser geben, dazu die Schneemassen, die niemand abfahren kann.

Da sitz ich nun da und schreibe lauter unnützes Zeug, ich bin aber augenblicklich ein ganz unnützes Stück Menschenfleisch, das der guten fleissigen Frau Dittner alle Arbeit überlassen muss. Ich habe mir nämlich an der linken Hand Finger erfroren, die nun eitern u. da muss ich d. Arm still legen, weil er etwas dick wurde u. nun sitz ich da u. bin unangenehm in m. Tatenlosigkeit. Bis Du den Brief kriegst, kann ich aber wieder Bäume ausreissen (das ist jetzt ja eben die beliebteste Beschäftigung!) Ich muss ja nun ganz still sein, wenn mir das nie mehr mit Hertha allein sein so etwas bitter ist, denn ohne die tüchtige Frau Dittner müssten wir ja erfrieren und verhungern, denn Hertha ist fast immer weg im Beruf.

Jetzt komme ich z. Grund meines Briefes, wollte nicht gleich mit d. Tür ins Haus fallen. Erik der Grosse schrieb mir z. m. Ueberraschung eine Karte. Ich bekam erst einen Schreck, weil Du oder G. es nicht tat, aber von Upsala geht wohl die Post schneller. Also der Brief an Gisela ist schon vor 14 Tagen eingetroffen u. ihr von ihrer Mutter nachgesandt, aber in einem Päckchen u. d. Empfang auch schon bestätigt. Sollte noch einer kommen, bleibt er hier also liegen. Im übrigen ist der Name von Gisela Hase, G. weiss schon was das bedeutet. Die Arbeit bei der sie beschäftigt war hat aufgehört, ihr Geld hat sie aber immer noch nicht. Aber neue Arbeit hat sie in Aussicht bei d. Spruchkammer vier der Militärverwaltung. Die Abwesenheit ihres ehem. Chefs schienen d. Auftraggeber noch garnicht gelöffelt zu haben. Sie fühlt sich wieder sehr wohl da unten, hier gefiel es ihr absolut nicht.

Ich möchte zu gern mal Eure Zeitungen lesen was sie so über uns und unsre Herren schreiben. Jetzt ist ja Leipz. Messe, da sollen auch Schweden kommen. Die Messfremden werden nach unsern Begriffen glänzend versorgt, wir schnallen uns dafür d. Riemen enger, hinter die Kulissen wir[d] wohl keiner gucken können. Ja, das waren schöne Zeiten, als ich in Leipzig alles für m. Messfremden richtete u. schwedisch radebrechte!

Grüss Deinen l. Bruder bestens u. alles Gute wünsche ich d. glückl. Eltern für d. Lebensweg von Laila Margareta. Seid alle innig gegrüsst, vor allem d. so brave Stefan von Deiner Mutti.

Brev från Nanna Schweitzer f. Zenker till Gunhild af Sillén den 16 februari 1947

Dresden A-46 Kleinzschachwitzer Ufer 3

16. II. 47

Meine liebe Gunhild!

Dein lieber Brief, der uns vorgestern in's Haus kam, hat uns so unendlich gefreut. Habe sehr viel Dank dafür. Er hat gerade 1 Monat gebraucht, bis er zu uns kam. Das ist furchtbar lange. Es wird aber wohl mit der verschneiten und vereisten Welt zusammen hängen, durch die die Post sich jetzt den Weg bahnen muss. Wir haben es jetzt jedenfalls schon in der vierten Woche Tag und Nacht unter -10 - -20o C. Ihr im hohen Norden scheint es wärmer zu haben. Es ist recht bitter, da ja kein Mensch Kohle und Holz hat und wärmer als +7 - +9o C findest Du es bei keinem Menschen mehr. Es ist schon erstaunlich, dass wir alle noch so im grossen und ganzen gesund sind; gottlob auch Mutti, sie hustet zwar und Schnupfen hat sie auch, aber bis jetzt beides nicht so bösartig wie in anderen Jahren. Hoffentlich kommt sie auch so über das Frühjahr weg; denn zum liegen darf sie mit ihrem mageren Körper nicht kommen.

Dein glücklicher Brief hat uns mit froh gemacht. Wir können es uns garnicht mehr vorstellen, wie es ist, voll Glück und Freude zu sein. Hier siehst Du kaum je einen Menschen mehr lachen. Das Leben ist für uns in Deutschland furchtbar ernst und schwer geworden. Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, wie unser aller Leben jetzt aussieht. Kälte, Dunkelheit, Hunger, keine genügende Kleidung usw. usw. - Um so mehr freut es uns, nun von Euch so viel Gutes zu hören und ich gönne es Märta - der kleinen lieben Schwester - von ganzem Herzen. Nur - sie sollen uns nicht ganz vergessen, wir sehnen uns mehr als jemals im Leben nach Liebe und Zusammengehörigkeit.

Aber Otto und ich, wir dürfen nicht klagen, uns Beiden geht es gut, schon deshalb, weil wir beisammen sind. Otto hat in seinem Beruf als Gartenarchitekt doch schon recht viel zu tun. Zwar sind es alles Arbeiten und Planungen auf lange Sicht aber sie hängen doch immerhin mit dem Aufbau zusammen, der ja einmal kommen wird. Da gibt es unendlich viel interessante städtebauliche Fragen. Otto sitzt im Ausschuss der hiesigen Architekten für das Siedlungswesen und ländliches Bauen. Da hat er viel Sitzungen usw. Der Heimatschutz hat für Otto als Landschaftsgestalter oft Aufgaben, so dass wir immer gerade leben können. Auch die Malerei bringt immer allerhand ein. Da wir unser Geld fast ausnahmslos auf der Sparkasse hatten und es nun eingefroren ist, ist es sehr wesentlich, dass wir soviel verdienen als wir zum leben brauchen, und das tun wir gottlob.

Ich selbst habe von einem Verlag auch einen zweiten Auftrag erhalten, und zwar ein Unkrautbüchlein von etwa 60 Unkräutern aufzustellen. Das heisst, sie zu beschreiben (Name, Familie, Heimat, Vorkommen, Blütezeit, Wuchs, Wirkung, Verbreitung, Bekämpfung) und dazu je 1 Federzeichnung. Der Auftrag macht mir viel Freude. Wenn ich nur mehr Zeit hätte. Der tägliche Kleinkram nimmt so viel Zeit weg; das Anstehen vor den Läden usw. - Jetzt fängt nun so langsam meine Kaninchenzucht wieder an. Ich will dieses Jahr 4 Häsinnen je 2x decken lassen, so dass ich mit 40-48 Jungtieren rechne. Das Serumwerk braucht Tiere dringend. Sie zahlen gut, und wenn wirklich eine neue Geldentwertung kommen sollte, wovon alle reden, so habe ich in den Tieren eine wertbeständige, gute Anlage, und 2 Tiere bezahlen mir die Monatsmiete.

Eben kam ein glücklicher Brief von Märtas Mann vom 31. 1; fein. - Sag hat Märta und die Jungens unsere Weinachtsbriefe bekommen? Otto schrieb an Stefan, ich an Rolf. Sie sollten doch von ihren Paten wissen, dass sie an sie denken. - Unser an Gerd geschicktes Weinachtspäckchen kam nun auch zurück, wir essen mit Behagen unsere eigenen Pfefferkuchen aus dem Salta-Mehl auf, jetzt ein ungeheures Geschenk. Es war schrecklich schwer das Mehl wirklich bis Weinachten zu sparen, zu oft kam man in Versuchung es zur Abendsuppe zu verwenden, aber es gelang.

Eine wirkliche Hungersnot wird für uns jetzt erst im Frühjahr kommen, wenn die Kartoffeln alle sind. Meine reichen bis April, Seidels, bei denen ich eben war sind in 3 Wochen fertig. Was soll bloss dann werden. Von knapp 2 ... Nährmittel kann man doch nicht leben, weil eben alles fehlt, Fett, Fleisch, Fisch, alles, alles. Na, irgendwie muss es ja gehen. Von April ab wird es dann wohl hoffentlich Brennessel geben, die haben uns vorm Jahr erhalten. Solltet Ihr wirklich etwas schicken wollen, so lasst bitte leider alle Luxusdinge fort. Haferflocken, Trockenmilch, Süsstoff sind Dinge, die sehr, sehr helfen. Aber das soll kein Betteln sein.

Otto und ich wir grüssen Euch Alle, Alle. Elof, die Kinder, die Enkelkinder und besonders Dich.

Deine
dankbare Nanna.

Brev från fru Margarete Wessner till Märta den 25 februari 1947

Tante Wessner var den älskvärda dam, som hyrde ut en del av sin våning vid Dürerplatz åt oss åren 1941-44.

Nichtewitz, d. 25. 2. 47

Liebe Frau Zenker!

Ihren lieben Brief bekam ich kurz nach Weinachten. Wie sehr freute es mich, einmal etwas von Ihnen zu hören. Herzlichen Dank dafür. Besondere Freude machten mir die beigefügten Bildchen. Da hörte ich gleich wieder Stefans Stimmchen, wenn die beiden Geister früh an meine Tür klopften: "Tante, zu dir kommen?" Nun guckt er schon so verständig in die Welt; Rolf ist wohl verschmitzter. Aber der kleine Erich muß ja ein allerliebstes Kerlchen sein. Die Bilder liegen vor mir in einer Briefschale; ich sehe sie mir zu gern an. Hoffentlich heilt Stefans Bein recht gut; es wird ja eine Geduldsprobe für ihn sein, so lange still zu sitzen. Daß er so musikalisch ist, freut mich auch; Sie werden schon später einen Lehrer für ihn finden; jetzt ist es ja doch noch zu früh.

Hoffentlich hatten Sie zu Weinachten die Freude, Herrn Zenker bei sich zu haben. Wie wird er sich über seine drei Buben gefreut haben. Ist er noch an der techn. Hochschule tätig? Wenigstens haben Sie niemand von Ihren lieben Bekannten eingebüßt bei dem Dresdner Unglück, allerdings wie durch ein Wunder. Ich mag Dresden gar nicht wiedersehen. Die alte schöne Stadt wird es ja doch nie wieder.

Nun schreiben Sie mir, liebe Frau Zenker, daß Sie im Dez. ein Paket an mich abschickten. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre Güte, daß Sie an mich dachten. Leider ist bis jetzt nichts davon zu sehen und zu hören. Ich fürchte sehr, ich bekomme es nicht. Bei uns wird jetzt zu viel gestohlen. Und wie würde ich mich darüber freuen. Man könnte doch Alles jetzt zu gut gebrauchen, auch Zwirn. Der schwarze fehlt mir schon lange und es ist nichts zu bekommen. im Gegenteil, es fallen immer wieder Sachen weg, anstatt daß sich die Lage besserte. Meine größte Sorge gilt jetzt dem Brennmaterial. In kurzer Zeit geht mein Holzvorrat zu Ende und ich weiß noch nicht, woher ich mir neuen beschaffen soll. Kohlen bekommen wir auch nur ganz wenig.

Wenn das Wetter anders wäre, holte man sich etwas aus dem Wald. So haben wir aber schon monatelang die strenge Kälte. Seit ein paar Tagen ist es milder, aber nun schneit es wieder unaufhörlich. Und es gibt doch so schon genug Elend in Deutschland; so Viele haben nichts Warmes anzuziehen. - Wie sind denn in Schweden die Verhältnisse nach Kriegsende geworden? Ich erfahre so gar nichts, was draußen in der Welt vor sich geht. Ich halte Winterschlaf um Feuerung zu sparen von abends 8 bis früh 8 Uhr, habe das aber schon lange satt und warte mit großer Sehnsucht auf den Frühling oder wenigstens auf milderes Wetter. Sonst waren die Winterabende oft so gemütlich, wenn man im warmen Zimmer bei einem guten Buch sitzen konnte. Man hat sich sein Alter doch etwas anders gedacht. Jüngere können wenigstens die Hoffnung haben, daß es noch einmal wieder besser wird. Nun schicken Sie bitte nicht mehr so viel kalten Wind von Norden her.

Stefan danke ich noch für das grüne Schweinchen; es will leider nicht fressen und fett werden. Mit recht herzlichen Grüßen an Sie, liebe Frau Zenker, und an Ihre Lieben will ich schließen. Erfreuen Sie bitte wieder einmal mit einem Briefe.

Ihre dankbare M. Wessner

Mars 1947

Karin, Margareta och Erik af Sillén i salongen på Salta.

Brev från Sibylle Zenker till Märta den 10 mars 1947

10. III. 1947
Beginn der Friedensverhandlungen!

Meine liebe Märta,

Heute kam Dein Brief vom 7. II. - über 1 Monat ist er gegangen; da will ich nur gleich antworten, daß Ihr vielleicht zu Ostern einen Gruß von mir habt. Außerdem habe ich jetzt noch mehr Zeit, denn die Schule hat nicht im vollen Umfange begonnen.

Also vorerst - vielen Dank für Deinen lieben Brief! - Die Verwandten sehe ich kaum. Hans war am Geburtstag von Hans Christoph, am 2. I., einmal bei mir. Seit dem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Aber Mutter hat mir die gute Nachricht über Gerd mitgeteilt. Ach - muß das schön gewesen sein! Wie habe ich mich mit Dir gefreut! Was tut nun G. in Schweden? Wird er Arbeit finden? Bitte, schreibe doch einmal darüber; es interessiert mich so. Du schreibst von Wohnungswechsel, da müßt Ihr doch allerhand Pläne haben.

Daß Stephan das Stillehalten so gut übersteht, ist ja herrlich. Was hat nun der Arzt gesagt? Ja - laß ihn ruhig mit der linken Hand arbeiten , - aber gewöhne ihn auch daran, die rechte zu gebrauchen. Das fällt einem Linkshänder viel leichter, als wenn wir die Linke nehmen sollten. Das ist ja gerade der Vorteil, den die Linkshänder haben. Denke an Menzel, der mit beiden Händen malen konnte - als Linkshänder! Wir verlangen in der Schule, daß alle Kinder rechts schreiben; zum besonders schönen Zeichnen mag ruhig die Linke genommen werden. [Fungerar bra för mig: Jag skriver på tangenter och kastar mest med vänster, skriver och ritar med penna med höger. SZ]

Ja, ich war zu Weinachten in Görlitz, am 2. I. kam ich zurück. - Du fragst nach dem Frieren! Ach, Märta, - nur gefroren! Weißt Du, man erkältet sich beim Wechseln vom Warmen zum Kalten. Nun ich saß fast immer kalt, - da gewöhnt sich der Körper an den Zustand. Wie ich's ausgehalten habe, bei -15°, -20° - drei Tage lang ohne zu heizen im Zimmer zu wohnen - das weiß ich eigentlich selbst nicht recht. Ich habe nur an dem Tage, wo Karin zu mir kommt (einmal in der Woche) und am Wochenende geheizt. Aber im Grunde weiß ich überhaupt nicht, wie ich es aushalte, dieses Leben. - Ich bin, glaube ich, sehr gesund. Wie froh war ich, diese Gesundheit an meinen Jungen weiter geben zu haben! - Aber was brauche ich nun diese Gesundheit! Wie lange will ich denn noch leben? - Doch das sind unnütze Fragen - verzeih! - Schlimmer noch als die fehlende Heizung war daß wir so oft keinen Strom haben. Ich koche doch alles auf meinem kleinen elektrischen Kocher. Gas haben wir gar nicht, under Zähler ist entzwei. Was tust Du nun, wenn's abends kalt und dunkel ist? - Da kannst Du gar nicht arbeiten!

Na - also die Schule fing am 3. II. an, d. h. die Kinder kamen in die Eishöhlen von Klassenzimmer u. bekamen Schulaufgaben, die sie am nächsten Tage abgaben, um neue zu erhalten. Die Oberklassen machen da natürlich viel Arbeit durch Korrektur der Hausarbeit. Ich habe aber wieder ein 1. Schuljahr. Wie soll man denn Hausarbeiten aufgeben, die müssen ja erst schreiben u. s. w. lernen. Nun ich mache es so: Ich habe die Eltern mobilisiert und gehe 5 mal in der Woche mit einer Gruppe von 8-10 Kindern in eine warme Küche oder Stube, - nachher gebe ich dem Rest der Klasse in der Schule selbst Aufgaben.

Mir graute erst recht vor diesem "Küchenunterricht" - aber es geht sehr gut. Ich sitze stets schön warm, die Mütter sind sehr nett, und man kann mit den Kindern vorwärts kommen. Leider ist meine Klasse recht wenig begabt - da macht es viel Mühe und wenig Spaß. Von 9 - ½11 Uhr bin ich in der Küche, von 11 Uhr an in der Schule. Korrektur ist wenig, - also habe ich mehr freie Zeit, - wenn auch allerhand Nebenarbeit wie Geschichtskurse, ...lehrerausbildung u. s. w. dazukommt. Wie hätte ich mich früher über die freie Zeit gefreut! Jetzt fürchte ich sie fast.

Mit der Wohnung werde ich nicht viel tun können. Gerd oder Du - Ihr müßtet mir offiziell den Auftrag geben, Eure Wohnung u. Sachen für Euch zu verwalten, indem ich dort wohne. Vielleicht wäre das ein Weg. - An sich habe ich es mit der Wohnung nicht schlecht getroffen, - ein hübsches Zimmer, nette Leute, - aber kein eignes Heim! Aber ich bin schon froh, daß alle Möbel im Zimmer u. alles Geschirr u. s. w. - mein Eigentum ist.

Ich grüße Euch alle recht von Herzen.

Deine Sibylle.

Brevkort från Elisabeth Zenker till Märta den 20 mars 1947

Abs. Elis. Zenker, 10a Dresden A27, Ermelstr. 13
Bundesland Sachsen, Sowj. Besatz. Zone, Deutschland
D. 20. 3. 47.

M. liebe Märta!

Grosse Freude bereitete mir Dein l. Brief, der freilich 4 Wochen gereist war. Zu hübsch war es, von d. Kindern zu hören, wie reizend muss der Kindertisch in Upsala gewesen sein von dem Helene erzählte. Hoffentlich kamst Du vom Professorbesuch mit Stefan guten Mutes zurück u. er war zufrieden mit d. Befinden des tapferen lieben Jungen. Und Dein grosser Junge? was mag er mit St. erreicht haben? Wie sehnsüchtig denke ich an Euch alle.

Seid vorgestern ist nun endlich Tauwetter u. die Elbe hat Hochwasser. - Sag mal, kannst Du nicht Deine Bekannte fragen, wie deren Mutter hier d. Ausreisegenehmigung erhielt? Ich bekomme keine Antwort aus Berlin v. der schwed. Kolonie, Major Thomson , an den ich auf Rat d. Polizei hier schrieb. Auch aus Hamburg keine Nachricht, die Helene so lange schon ankündigte.

Nun kann ich auch wieder m. Arbeit tun mit d. dummen Fingern. In d. Wohnung ist's noch sehr kalt u. nichts mehr zu heizen. Bleibt weiter gesund u. fröhlich mit einander u. seid alle herzlich gegrüsst von

Eurer Mutti.

April 1947

Brevkort från Gerd till Märta den 22 april 1947

Liebste!

Dieser war der erste Streich... Na ja, es geht. Eine faule Sippschaft ist das dort draußen. Arbeitszeit ½ 9 - ½ 5, eine halbe Stunde Lunchpause mindestens, sonnabends bis 12.10. Leider reicht die Zeit nicht, um den Zug 12.40 zu erreichen, ich kann also erst 15.40 in E. sein.

Zuerst war ich bei meinem gefrälstem Bruder u. bekam meinen Ausweis. Die Wohnungen werden in 3 Abteilungen gebaut, die erste soll 1. Oktober fertig werden, genügt aber bei weitem nicht der Nachfrage, "det blir slagsmål". Man kann sich noch nicht anmelden. Ich muß jedenfalls auch anderweit suchen. Eva macht natürlich schon große Pläne u. sucht die besten Straßenbahnverbindungen nach allen Richtungen heraus.

Kostenlose Krankkasse für uns alle. "Interessekontor" sorgt wie ein Vater für mich, bezahlt Miete, Versicherung, Abonnement beim Haarschneider usw., ich brauche es nur zu bestellen. Noch nicht beim Arzt gewesen, wurde hinbestellt. Lamner verreist, unser Konstruktionschef hält mir langen Vortrag, führt mich herum und stellt mir 200 Svenssöner vor. U. a. Ing. Munck! Nett, baumlang wie alle Adelsmänner. Ich habe aber nichts mit ihm zu tun.

Mein Zimmer: Acht mehr oder weniger sympathische Knaben u. auch ältere Herren, lesen Zeitung u. unterhalten sich über Motorboote. Sehr häßliches zugiges Durchgangszimmer. Oberlicht, kein Fenster. Eigener Tisch, eigener Stuhl. Man trägt graue Schutzmäntel. Sehr nettes kleines Ingenieurchen aus anderem Büro führt mich den Rest des Tages herum u. versorgt mich mit Arbeit (= Lektüre, ausgerechnet auf Englisch). Ing. Överby, den Namen wird man sich merken müssen. Nette Kantine, aber langes Schlangestehen. Schwer, einen Platz zu bekommen. Neben meinem Tisch steht ein Telefon. Denkst Du etwa, ich antworte? I wo! Konzentration ist unmöglich in diesem Stall. Im Zug kenne ich schon einen Haufen Leute.

Am Kai (Stadsgården) herumgebummelt. Panzerschiff Oscar II. Selbst die Russen haben halbmast geflaggt für Krischan. Eva lädt zu festlichem Willkommessen ein. Gomm auf de Gautsch! [= Komm auf die Couch??]

War es hübsch bei Schuberts? Habe ich was verpaßt? "Ich freu mich Montag schon auf den Sonntag." In diesem Sinne, immer mal wieder. [Tante Jenny erinnert sich an die Konfirmation von Christians Mutter!!].

Dein Gerd
Kuß!

Brev från Märta till Gerd den 22 april 1947

Salta den 22. 4. 47

Mein Liebster Gerd!

Tausend Dank für Deine Karte, die mit Brief nr. 19 von Giesecke ankam.

Ach mein kleiner Gerd kann alles. Så roligt med arbetstidens ringa omfattning! Så tråkigt, att våningarna ej bli färdiga alla på en gång. Då är det väl inte troligt att vi som utlänningar kan få vara med vid första omgången. Bli de båda andra omgångarna färdiga först under 1948? Tror Du, att vi få gratis sjukkassa även medan vi bo kvar här hemma? Det kanske inte räknas, så det är bäst att jag fortsätter att betala d.v.s. att jag först och främst betalar mina 1,30 för april för oss 4.

Stirrade dom mycket på dig, dom där 8, när Du slog Dig ned? Fick Du nån att prata med under lunchen? Är dom på det hela taget snälla? Noch, varför inte vita ritrockar? Hur kom det sig att bemälde ing. Överby (!) tog hand om Dig, om han ej hör till avdeln.? Tänk, att Du var ute i går kväll, Din luring! Jag beräknade, att Du på 5 min. skulle kila till brevlådan, men vara trött och gå i säng tidigt, så att jag skulle ha goda chanser att få träffa dig.

Ingelsons, Forssblads, auf Kurö. Nichts verpasst. Deras renoverade hus blir hemskt fint.

Mamma är så trött i dag och har legat hela dan och orkade ej fara till Stockholm. Jag har med Annie städat 3 garderober. Milda vindar blåsa över nejden.

I morgon ha vi kafferep för Ää med 6 pojkar som gäster = 9 stycken.

Tack snälla Du för att Du skrev så mycket. Hemskt tacksam för ett kort och är Din

älskande Märta x [x:et markerade var hon kysst papperet]

Giesecke vill veta, om jag har mött Dig i Tyskland eller Köpenhamn o. hur det gick till.

Stefan ligger i Din säng.

Medsänt tidningsurklipp 1:

Tripp-trapp-trull-sängarna inköptes senare till vårt hem i Gubbängen. Där sov vi tre bröder under många år. /SZ

Medsänt tidningsurklipp 2: "Thomas Mann om tyskt väsen", översatt från "The Yale Review".

Brevkort från Gerd till Märta den 23 april 1947

23. 4.

Liebste!

Nun fühle ich mich schon als A-D-Veteran. Ich weiß sogar schon, wohin die Türen in meinem Zimmer führen, und wie die Kollegen an den Nachbartisch heißen. Leider lerne ich kein Wort Schwedisch, abgesehen von ein bißchen Geschwätz hin und da. Ich sitze nämlich und lese Englisch und Deutsch, ausgerechnet. Der erste Arbeiter, mit dem ich sprach, hielt mich für einen Norweger. Als ich mich als Faschistenhund zu erkennen gab, stellte sich heraus, daß er eine deutsche Mutter hat u. ausgezeichnet Deutsch spricht! Ich betrachte das als günstiges Vorzeichen.

Ich habe mich poliz. angemeldet, aber mantalsskrivningen ist nur einmal im Jahr, im November. Mittagessen am günstigsten bei Norma. Heute versuchte ich hushållsskolan Margareta, das lohnt sich aber nur für ausgesprochene Freßsäcke. Die Amerikaner haben Ruge als Gouverneur für Triest vorgeschlagen! Er wird es doch nicht annehmen?! Morgen gehe ich in ein winziges Bumskino und sehe mir Urlaub auf Ehrenswort an. Im Jahre des Herrn 1947!

Ich fühle mich so fremd u. ausländisch. Komisch zu denken, daß dieser Lebensabschnitt möglicherweise eine Dauereinrichtung ist und daß ich - wer weiß - vielleicht noch mit 80 Jahren in Stockholm sitze. Eva ist nach wie vor rührend u. übertrifft sich selbst.

Ja - ajö då!

Dein Gerd.

Brev från Otto Schweitzer till Stefan den 27 april 1947

Brevkort från Gerd till Märta den 28 april 1947

28. 4.

Liebste!

Tack så mycket för senast! Ich merke, daß ich doch nicht genügend vorbereitet worden bin, um meinen ehrenvollen Auftrag ausführen zu können. Wie heißt diese Vereinigung ungefähr, die Redner ausleiht? Wo u. wann soll der Mann sprechen, bezw. vor welchem Auditorium? Stell Dir vor, Du bist ich und kommst zu diesem Herren. Was sagst Du da? Ist schon früher einmal einer in Teda gewesen? Ich kann doch nicht gut hinkommen u. etwas von den Leuten verlangen, wovon ich keine Ahnung habe.

Nun sitze ich an meinem neuen Platz. Hell u. geräumig, aber auch nicht viel ruhiger. Auch hier sind die Leute nett. Ein Saal mit ungefähr 12 Zeichnern und ebenso vielen Tischen und Zeichenbrettern. Scheußliches Montagswetter! Bist Du auch so überalle Maßen lieb, wenn ich nicht da bin?

Eva weiß noch nicht, ob sie kommen kann. Von Tante J. glaubt sie bestimmt, daß sie nicht mitfährt. "Vi har ju några veckor att tänka på det."

Ja lilla Märta, som sagt var.

Jenny: "Nej tack så rysligt mycket. Kanske senare när det är varmt."

Dein Gerd.

Brev från fru Margarete Wessner till Märta den 29 april 1947

Nichtewitz, d. 29 April 47

Liebe Frau Zenker!

Nun ist es endlich doch Frühling geworden nach diesem langen harten Winter und die Bäume stehen jetzt hier in Blüte. Recht spät ist Alles daran, die Felder können nun erst bestellt werden der großen Nässe wegen. Und diese Jahr hätte doch Alles recht zeitig reifen mögen, um die Notlücke bis zur nächsten Ernte zu überbrücken.

Bei Ihnen werden sich besonders die Kinder freuen, daß sie nach der langen Winterhaft wieder hinauskönnen in Freiheit, Luft und Sonne. Hoffentlich hat Stefans Behandlung guten Erfolg gehabt, so daß auch er sich wieder herumtummeln kann. Es mag eine harte Geduldsprobe für den kleinen Kerl gewesen sein. Ich hoffe auch, daß Sie den Winter gut überstanden haben in gesundheitlicher Beziehung. Bei mir war es der Fall, nur einen Finger hatte ich mir beim Holzhacken gequetscht und der ist nach 7 Wochen noch immer nicht ganz in Ordnung, so daß ich lange Zeit gar nicht nähen konnte.

Ich freue mich, daß man nun wieder zum Holzholen in den nahen Wald gehen kann und hole mir fast jeden 2ten Tag einen kleinen Handwagen voll. Dadurch kann ich das zugewiesene Holz für den Winter auf sparen. Und ich bin so gern im Wald. Ein anderes Vergnügen habe ich hier nicht. Wenigstens konnte ich mir jetzt einmal einige gute Bücher leihen, Lesestoff vermiße ich hier sehr, und in den Tageszeitungen steht auch nichts Erfreuliges [sic], im Gegenteil bekümmert Einen sehr das Schicksal Deutschlands, wenn man die Verhandlungen liest. Für mich neigt sich ja das Leben dem Ende zu; aber die nächste Generation wird kein schönes Leben haben, sie bedauere ich.

Liebe Frau Zenker, nun hätte ich Ihnen ja gern den Empfang Ihres Paketes angezeigt. Es tut mir sehr leid, daß ich das nicht kann. Es ist ja nicht nur für mich, sondern auch für Sie eine Enttäuschung. Haben Sie aber nochmals herzlichen Dank, daß Sie mir die Freude machen und mir helfen wollten. Ich las in der Zeitung, daß die Hälfte aller Auslandspakete verloren ginge, d. h. gestohlen würde. Mit der Moral ist es eben jetzt schlecht bestellt in Deutschland und wird mit den zunehmenden Nöten noch schlimmer werden. Die zuständigen Post- und Bahnstellen sind wohl machtlos, etwas dagegen zu tun oder kümmern sich nicht darum. Ich hätte mich doch so sehr über das mir zugedachte gefreut und hätte etwas Zusätzliches auch so gut gebrauchen können, auch Zwirn oder Stopfgarn, woran großer Mangel ist. Es denken zwar Alle, auf dem Dorfe hat es keine Not. Aber zu kaufen bekommt man hier trotz aller Bemühungen nichts; z. T. sind auch Kartoffeln, Möhren und Kohlrüben in den Mieten erfroren u. verfault. Aber wer noch hat, gibt nur gegen Tauschware ab. So sieht man täglich Fremde mit gefüllten Rucksäcken abwandern und muß sich auch sorgen, ob man mit den geringen Vorräten bis zur nächsten Ernte reicht. Nach Brot muß man sich jetzt schon immer viele Stunden anstellen. Erfreulich ist das Leben jetzt wirklich nicht mehr.

Nun ich denke, liebe Frau Zenker, daß Sie es schöner und besser haben und gönne es Ihnen sehr. Nur das Getrenntsein von Hrn. Zenker wird Ihnen schwer sein. Ich hoffe, Sie haben immer gute Nachrichten aus Dresden. Ich schließe den Brief mit recht herzlichen Grüßen an Sie und Ihre liebe Familie. Laßen Sie bitte, einmal wieder von sich hören. Das würde sehr freuen.

Ihre Margarete Wessner.

Maj 1947

Brevkort från Gerd till Märta den 1 maj 1947

1. 5. 47.

Liebe!

Eigentlich hätte ich ja gestern abend schreiben wollen, aber ich habe es reineweg vergessen, bis ich um elf im Bett lag. Ist das nicht schmählich? - Ja, das war ja ein recht winterliches Frühlingsfest. Ich war um 8 auf Skansen, das war ganz hübsch mit den vielen Weißmützen und den Feuern. Reitertournier, Volkstänze, Chöre, "Platzmusik". Aber soviel Menschheit, beinahe wie in d. Dresdener Straßenbahn. Dann trieb ich mit dem Strom ins "Tivoli" hinein. Unmöglich, irgendwo zu fahren oder fliegen, vor jeder Bude stand eine endlose Schlange. Ich Statistiker stand und rechnete vor jeder Schlange. Resultat: zwischen 20 und 70 Minuten Wartezeit!! Ein Vergnügen gab es aber ohne Warten:

Nein, das war nichts für einen Gelehrten. Aber einen anderen Spaß hatte ich gestern: das erste Geld! Schööön. Da brauche ich also keine finanziellen Kunststücke zu versuchen, um über den Mai zu kommen. Aber: 25 % Steuern, bis ich einen Skattsedel habe, dann (schätzungsweise) ungef. 17 %. Das ist ja aber nicht so schlimm. In meiner Freude rannte ich gleich, um Radioapparate anzusehen. Ich glaube schon, wir sollten den kleinen Philips nehmen. Ich habe Angst vor gebrauchten, vielleicht dumm.

Eva will unter keinen Umständen mehr als 30.- nehmen. Nichts zu machen. Gerührtes, fünfminutenlanges Händeschütteln.

Tant Jenny kommt mit 2 Briefen! Tack lilla Du. Wie nett, der diskrete Brief vom Rudl. Ja visst, die guten Leute müssen was kriegen. Das Auslösen in München kostet ja eine Menge Geld, und das Porto nach Dresden! Weißt Du noch genau, was Du einpacktest? Darüber sprechen wir wohl am Sonntag. Nun schreibe ich an Frau Mutter Zenker. Aber nicht über Atlas Diesel. Tack för vitsippan! Ja, ich weiß nicht recht, ob ich gestern abend 21h an meine Liebste dachte. Kann schon sein! - Die Aussicht von Solliden ist so schön bei Einbruch der Dunkelheit. Ein ganz ganz kleines bißchen wie Lingnerterasse.

Leb wohl, mein kleines bißchen, hol mich ab "wie gewöhnlich", så är Du snäll.

Kuß Gerd.

Widman heißt es (bezw. sie).

Brev från Helene Zenker till Gerd den 4 maj 1947

Ingenjör G. Zenker
c/o Fröken E. Widman
Söderg. 2, Stockholm

Hinsnoret, 4 maj 47

Liebstes Bruderherz!

Es ist fast unfassbar, daß man so ohne weiteres wieder an Dich schreiben kann und Du so nahe bist! Jetzt sitze ich auf der Terasse in unserem schönen Sommerbesitz und sonne mich, und will Dir endlich ein paar Zeilen schreiben.

Zuerst meine innigsten Glückwünsche zu der neuen Stelle. Ich hoffe, daß es das Richtige für Dich ist und Du dich gut hinlebst. Atlas-Diesel ist doch eine solide Firma mit vielen Möglichkeiten u. sicher hast Du schon jetzt einen guten Eindruck auf sie gemacht! Wie ist es? Wirst Du schon ein guter Schwede? Da muß man es vor allem mit der Ruhe nehmen, nicht aufbrausen! Aber das liegt Dir ja wohl nicht so wie mir!

Ja, nun fehlt bloß unser Müttchen noch. Ich sorge mich zu sehr, daß sie immer noch keine schwed. Papiere bekommen hat. Ob die Russen das einfach unterschlagen? Eigentlich müßte die Einreiseerlaubnis doch schon längst von Hamburg an sie abgeschickt worden sein. Ob Du wohl Zeit hättest noch mal zur Utlänningskommissionen zu gehen u. persönlich zu fragen, ob die Sache nicht beschleunigt werden kann. Herr Engelke hatte damit zu tun. Sie muß ja reisen, während es warm ist, sonst kommt man ja aus Deutschl. garnicht raus. Frau Lochmann sagt, die einzige Möglichkeit aus der russischen Zone rauszukommen ist schwarz, u. dann von d. engl. Zone die Ausreise hierher zu ersuchen. Aber das kann man ja Mutti kaum antun. Wo sollte sie sich dann in einer andern Zone aufhalten? Man kann das ja auch garnicht in einem Brief schreiben.

Hier in Hinsnoret ist es so herrlich, wenn d. Sonne scheint, u. wir haben schon den ganzen Garten frühlingsrein gemacht. Ich kann mir den Sommer ohne Mutti hier kaum ausdenken. Ich brauche sie ja auch so nötig für alle möglichen Hilfen, es ist zum eckig werden, wie viel Kleinarbeit immer liegen bleibt wo ich doch keine Hilfe bekommen kann. Und wie sollen wir denn mal wegfahren können, wenn wir keinen zum Kinderbewachen haben! Habt Ihr Euch schon beschlossen zu Pfingsten hierher zu kommen? Das ist doch wohl die einzige Freizeit die Du im Laufe des Sommers bekommst, nicht? Du mußt einfach unser Hinsnoret im Frühling sehen. Allerdings schrieb Gunhild grad, daß Elof u. Gunhild zum Rotaryfest nach Falun kommen d. 15 Juni, aber Ihr Zenkers könnt doch trotzdem zu Pfingsten kommen. Wie findest Du Dich denn so zurecht so ohne Familie während d. ganzen Woche? Hoffentlich findet Ihr eine ordentliche Wohnung bis zum Herbst. Da wirst Du wohl Deine Jungen fest anpacken müssen, damit sie sich in der Stadt einleben können.

Ich hab die letzten Tage mit Paketepacken u. Briefschreiben verbracht. An Nessi, Hans u. Tante Rüger u. dann ist Mutti u. Nanna wieder an d. Reihe. Es sind so viele, daß die Zeit nie ausreicht.

Grüße Erna von uns. Sei innigst gegrüßt von Deiner Helene.

Brevkort från Gerd till Märta den 7 maj 1947

7. 5.

Liebe Kleine!

O hur härligt... Lächerlich, wie schnell alles jetzt grün wird. Nun gehe ich ohne Mantel zur Arbeit. Kann ich mir ja leisten, so überaus elegant wie ich bin. Außerdem bin ich dabei, meines Lebens größten Wahnsinn zu begehen, nämlich einen Radioapparat zu kaufen. Ein Mann mit so vielen Schulden! einer so zahlreichen Familie! So wenig Geld in der Tasche! Das ist der Fluch des Abzahlungssystems. Gestern habe ich mir einen kleinen Philips und einen großen, hübschen Aga heimkommen lassen u. habe sie den ganzen Abend auf Herz und Niere geprüft. Der Große ist 120 kr = 6 Monate teurer als der Kleine, aber ich glaube, wir sollten trotzdem lieber den großen nehmen, weil er natürlich in verschiedener Hinsicht viel besser ist. Schließlich sind wir ja mindestens 10 Jahre mit dem Ding verheiratet. Wie schade daß ich dich nicht da habe, um wenigstens 50 % der Verantwortung abzuwälzen! Nun bin ich es allein, der in der Verwandtschaft in einen unsoliden Ruf kommt.

Helene schrieb mir u. hat uns Zenkers noch einmal für Pfingsten eingeladen. Auf nach Hinsnoret! - Heute bin ich zu Kroppkakor eingeladen, weil ich nicht weiß, was das ist (wahrscheinlich habe ich es bei Dir schon hundertmal gekriegt.) Sonst gibt es nichts neues. Ich habe ein kleines 5 Seiten-Berichtchen in schauerlichem Schwedisch verfaßt und Lamner überreicht. Mußt Du zur Feier des Namenstages korrigieren, damit es in etwas besserer Form auf die Nachwelt übergeht.

Mach's gut, Kleine. Stefan paps nicht so!

Dein Gerd.

Ur Stefans fotoalbum: Favoritkusinen Ingela.
Mariann, Karin, tant Lene med Ann-Margret.

Brevkort från Märta till Gerd den 20 maj 1947

D. 20. 5. 47 12-åriga studentexamen

Hörru Du! Nu far vi nog upp till Borlänge redan till H-gs födelsedag den 22 (skriv ett kort) o. överraskar. Den ska firas i stan. Men sen får Du allt byta tåg i Borlänge, annars kommer Du upp till Rättvik o. ej åt Falu-hållet. Du får nog vänta en kvart i Borlänge, men då är vi nog alla redan ute i Hinsnoret. Vidare lyser det för Nina nu på pingstdagen o. sönd. därefter är det mottagning i Upsala. Då ska pa. o. ma. fara dit, så då måste Du o. jag vara hemma hos barna. Då blir det väl så, att vi firar vår 5-8-åriga bröllopsdag o. kanske t.o.m. 6 juni i Stockh. Pappa är så förtvivlad över torkan, så han vill ej ha nåt kalas här. Habe an Otto geschrieben. Tüchtig wie ich bin. Erik rief heute Karin telephonisch an von Saga nach einer Nacht Fahrt auf der Nordsee. Nun war er wieder glücklich.

Habt Ihr beide eine glückliche Fahrt gehabt? Nun fährt ma. zum Zahnarzt. Viele Küsse von Deiner Märta.

Brev från Elisabeth Zenker till Märta den 22 maj 1947 från Dresden (eftersänt till Södergat. 2IV Widman den 8 juni).

Meine liebe Märta!

Das war ja wie ein Wunder: Deine l.[liebe] Karte, die am 15. geschrieben, aber am 20.5 abgestempelt ist, kam heute früh, also nach 2 Tagen schon an. Das ist ja schon über-friedensmässig! Hoffentlich antwortet Dir das Konsulat nun eben so postwendend wie ich u. dann können wir weitersehen, was sich tun lässt. So verschieden wird es ja gehandhabt. Frau Dittner erzählte von einem Fall in Berlin, wo ein höherer ehem. Offizier aus dem Westen seine gesamte Habe u. Möbel, die in seiner Berliner Wohnung von Ausgebombten benutzt wurde, zu sich nach dem Westen holen durfte! Aber das war eben nicht in der russ. Zone.

Nun soll ich Dir von Nanna viele Grüsse sagen, es interessierte sie so sehr, was Du von den deutschen Kindern schreibst. Es wäre ja zu schön, wenn Du gute Menschen ermitteln würdest, die welche aufnehmen, denn Du selbst hast doch wohl mit Deinem Kleeblatt schon genug Arbeit, oder hatten Deine guten Eltern dran gedacht? Aber weisst Du, viel nötiger als Kätes Kinder, die viel besser ernährt worden sind, haben es hier Frida Seidels Barbara (14 J) u. Armgart, die wohl 11 J. ist u. Anne Wellers Brigitte (12) u. Annemarie (10) die in der Schuluntersuchung "Ernährungszustand ganz ungenügend" gesagt bekamen. Nanna meint, vor'm Jahr waren Wellers Kinder, aber jetzt doch mehr Fridas am elendsten. Was Frida selbst immer noch durchzumachen hat, kann ich Dir garnicht so schreiben, - das richtige Kesseltreiben ist es. Deshalb wäre ihr auch so das Glück zu gönnen, wenn wenigstens eine ihrer Mädel, vor allem Barbara, die nicht wie 14 aussieht, mal etwas rausgefüttert würde.

Es kommen nun für uns alle recht schwere Monate, wo es keine Kartoffeln mehr gibt u. das was auf d. Karten steht oft mit "Austausch" beliefert wird, also z. B. anstatt Fleisch dann Quark von Magermilch. Gemüse natürlich garnicht, wir essen eigentlich jeden 2. Tag Brennesseln, die zum Glück in Schweitzers Nähe wachsen, hier in Striesen gibt's natürlich keine. Sie schmecken auch richtig gut so mit Kartoffeln zus. gekocht, aber wenn letztere in baldiger Zeit alle sind, machen die Brennesseln allein auch nicht satt. Wie bitter schwer ist da das Leben für Mütter mit viel Kindern!

Also wenn Du was für die Rüger-Enkel tun könntest, sie irgendwo unterbringen, - wieviel Dank würdest Du ernten! Das ist der grosse Haken bei meiner geplanten Reise, - ich schäme mich fast, so hier alle im deutschen Elend sitzen zu lassen u. komme mir fahnenflüchtig vor. Und doch sehne ich mich so sehr nach all m. lieben Kindern "im hohen Norden"! Das ist ja wohl zu verstehen nach 8 u. 3 Jahren!

Jetzt will ich den Brief noch wegschaffen damit er schnell hoffentlich reisen kann. Mit 1000 Grüssen Dir u. all Deinen Lieben.

Deine Mutti.

Brev från Marianne Schweitzer till Märta den 25-29 maj 1947 [postat den 9 juni]

An Frau Märta Zenker geb. af Sillén
Salta - Enköping
von M. Schweitzer
Dresden - A 46

Dresden - A 46
Kleinzschachwitzer Ufer 3

Pfingsten 1947


Meine liebe Märta!

Eigentlich müsste ich mich mit dem Schreiben dieses Briefes noch einige Tage warten, denn vor 3 Tagen bekam ich die Aufforderung mit von der schwed. Kolonie in Berlin ein Paket abzuholen, und ich nehme fast an, dass es von Dir ist, und da könnte ich gleich Bestätigung und Dank schreiben. Aber in der Woche wird doch nichts aus der Schreiberei und Sonntag [ist] auch immer schwer, weil - wenn Mutti dann fort ist, es meistens zu spät ist noch einen Brief anzufangen.

Durch unsre neue doppelte Sommerzeit kommen wir immer erst gegen 10-1030 aus dem Garten, und ehe wir gegessen haben ist's nach 1100. Früh will man immer noch garnicht vor 700 aus den Federn, und das ist für den Sommer zu spät. Augenblicklich wissen wir allerdings vor 7 Uhr auch kaum wieviel Uhr es ist, da wir keine Uhr mehr haben und repariert wird kaum etwas vor 6-8 Wochen - wenn nicht gerade der kaputgegangene Teil hier nicht zu haben ist, wie bei meinem Kienzle-Wecker, der aus dem Westen kommt, dann geht's garnicht. Aber um 700 läutet nebenan die Werft, und Lothar fängt an zu arbeiten. - Taschen- oder Armbanduhren sind weg. - Ihr seht also: wir sind sehr glücklich; denn uns schlägt keine Stunde.

Otto hat seine Ausstellungsarbeit beendet, und wir hoffen nun auf einen kleinen klingenden Lohn. Nun plant Dresden eine Anschreibung für einen Ideenwettbewerb für einen Heidefriedhof, da hoffen wir auf neue Mitarbeit. Haltet den Daumen.

So geht es uns Beiden immer wieder in all den Miseren recht gut. Der Garten fordert viel Kraft, mehr als oft da ist, aber er lohnt es auch schon. Radieschen, Salat, Spinat und Rhabarber haben wir schon ganz schön ernten können und auch die Ermelstrasse gut versorgen können. Unser Hauptnahrungsmittel sind allerdings die Brennessel. Nur all das Grünzeug schreit nach einer Beilage von Kartoffeln usw. Wir haben es augenblicklich zu einem Lebendgewicht von 120 bzw. 89 in Kleidern geschafft.

Heute ist ein ganz herrlicher Tag; so richtiges Pfingstwetter. Wir denken viel zu Euch hinauf, wie Ihr heute wohl fröhlich zusammen in Hennings Garten sein werdet. - Wenn man doch mal dabei sein könnte!

Wir waren am 12. Mai bei den Freitalern zu einem wahrhaft fürstlichen Geburtstagskaffee. Die gute Suse hatte direkt Friedenskuchen - Quark und Kirsch - und "Schlagsahne" aufgetischt. Es war sehr hübsch und "warm". Renate ist ein hübsches ganz erwachsenes Mädchen, Suse die alte, junge, elegante. Hans recht zart. - Suse hat allerdings eine recht unangenehme Nasen- und Stirnhöhlensache zu überwinden. - Unnseren sonstigen gemeinsamen Bekannten geht's soweit gut. Wellers kamen besser durch den Winter als vorm Jahr dank Annes unermüdlichen Ähren- und Kartoffellesen. Sehr zart ist Michael; direkt besorgniserregend, er hat neben der Unterernährtheit mit dem Herzen zu tun. Friedel hat sehr viel zu leiden, immer auf's Neue, aber sie trägt es tapfer. Die Kinder kamen leider recht zurück. Es sind liebe Kerlchen. Barbara, nun schon 14 jährig wirkt äusserlich wie 11 Jahre. Sie wird über's Jahr schon konfirmiert. Mechtild ist nun bei Käte und studiert und schreibt glücklich über die Höhenluft.

Dass Dein Ältester sich nun so schön herausgemacht hat ist doch ein rechtes Glück, grüsse ihn nur ganz besonders herzlich. Ich wünsche ihm viel Glück zu seinem Beginnen. Grüsse auch die andern Jungens von Herzen.

29. 5. Nun kam gestern Dein lieber Brief an Otto und heute am frühen Morgen schleppte Mutti Euer herrliches Paket heraus. Ich lege Deiner Mutter hier gleich ein Briefchen bei mit unserem Dank [se nästa brev]. Was so ein Paket bedeutet für uns, das könnt Ihr, glaube ich, garnicht erfassen, und um so mehr danken wir es Euch. Butter sahen wir schon lange nicht mehr, wir bekamen Fleisch statt Fettigkeit. So leisteten wir uns gleich ein so herrliches Butterbrot, und nun kann ich das Abendessen schon garnicht erwarten, wo es zu den sonst trocknen Radiesbrot auch Butter geben soll.

Lebe wohl liebe Märta. - Ach denke Dir, Nessi wurde nun doch heimatlos - ausgewiesen aus Oesterreich! Wir warten nun so auf Nachricht aus irgendeinem Umsiedlerlager. Das ist schon recht viel Leid. - Also habt noch einmal so viel Dank! Für Paket und Brief. Schreibe oft mal von Euch, ja? Es tut so gut. Von Herzen

Deine Nanna + Otto.

Ahnt Ihr, wie gut Eure Haferflocken mit etwas Trockenmilch dazu schmecken, oder Milch-Mehlsuppe? Ich glaube, das könnt Ihr kaum ahnen.

Die Pinsel! der Kamm! Ihr Guten!

Brev från Marianne Schweitzer till Gunhild den 29 maj 1947 [postat den 9 juni]

An Frau Gunhild af Sillén
Salta - Enköping

von Frau M. Schweitzer
Dresden - A 46 10
Kleinzschachwitzer Ufer 3

Dresden, am 29. 5. 47.

Meine liebe Gunhild!

Ganz benommen sind wir noch von der Fülle der Schätze, die wir heute aus dem von Euch gesandten Paket, welches vollkommen unversehrt ankam, auspacken konnten. Habt so sehr viel Dank dafür. Wie sollen wir das Euch jemals vergelten? Vielleicht wird das doch noch einmal möglich, wenngleich auch augenblicklich wenig Aussicht dafür zu bestehen scheint.

Aber Otto ist Optimist geblieben. Er glaubt fest an einen neuen Aufstieg Deutschlands und damit auch von uns. Er hofft so fest auf eine deutsche Gesundung und glaubt auf Grund des deutschen Wesens so fest daran. Und er glaubt auch hier an diese Möglichkeit und will infolgedessen nicht nach dem Westen, wie es für ihn als gebürtigen Westfaler möglich wäre. Er hat sich hier bei allen laufenden Aktionen von Anfang an sehr eingesetzt und ist in seinem eigentlichen beruf als Gartenarchitekt recht tätig. Zuerst lief in Dresden eine Ausstellung: "Das neue Dresden" - ein Ideenwettbewerb zum Wiederaufbau war das. Da bekam Otto für seinen Stadtplan: "Das grüne Dresden" einen Preis. Es war eine grosse Arbeit, aber sie machte viel Freude. Wir haben in vielen Quellen gelesen, die ich als alte Dresdnerin noch nicht kannte. Dieses Frühjahr veranstaltete die Stadt eine Ausstellung: "Vom Brachland zum Kleingarten". Auch da war Otto mit viel Planmaterial und viel Ideen sehr beteiligt. Jetzt soll ein Ideenwettbewerb für einen Teil des Heidefriedhofs ausgeschrieben werden für die Opfer der Schreckensnacht vom 13. II. 1945. Hoffentlich wird Otto auch da zugelassen. - Zur Orientierung für Deinen Schwiegersohn: Unsere neue Ausstellungshalle ist am Nordplatz, dem ehemal. Königsplatz am Industriegelände. (Albertstadt.) Dort ist eine wirklich recht schöne Stadthalle aus einer der ehemal. Kasernen (?) entstanden.

Sonst haben wir noch an unseren Heimatschutzarbeiten und allerhand botanischen Arbeiten zu tun, und dann schreit der Garten sehr nach uns. So werden unsere Tage immer länger als sie werden sollen. Und wenn man dann als Hausfrau vor seinem Schrank steht, und wirklich in keinem Fach und keiner Büchse mehr etwas finden kann, dann ist's recht traurig. Ich sorge mich oft recht um Otto, der jetzt so sehr abnimmt. Jetzt fängt man nun an von der Substanz zu zehren, Zusätzliches besitzt der Körper nicht mehr. Aber verzweifeln darf man nicht, wenn man auch oft nahe daran ist. Wenn man bloss die Kinder in Euer gesegnetes Land schicken könnte. Wenn es einmal möglich wird und wenn Ihr dann einmal jemanden wisst, die ein Kind nehmen wollen, würdet Ihr zuerst mit an die gleich 14 jähr. Barbara Seidel denken? Früher sehr kräftig verfällt sie jetzt so. Sie ist ein sehr liebes Mädel, so praktisch und häuslich; sie kann schon viel helfen. Sie hat doch schon recht viel durchgemacht. Im Kriege verlor sie den Vater und den Bruder, jetzt ist sie dabei, die Heimat zu verlieren; das alles wirkt sich wohl aus. Wenn Mutti sie doch mitnehmen könnte. - Wir geben Mutti sehr ungern und schwer her, aber ich denke doch, dass sie sich in Schweden erholt und wieder rüstig wird. Es geht ihr gottlob eigentlich erstaunlich gut für das was sie alles hinter sich hat.

Von Euren braunen Bohnen legte ich heute einige aus, Otto meint, sie sei sicher sehr ergiebig, und er isst ja so gern Hülsenfrüchte. - In 2-3 Wochen werden wir hoffentlich die ersten Erdbeeren ernten und nächste Woche - oder zum Sonntag die ersten grünen Stachelbeeren. Es gibt diese Woche wohl kein Fleisch, da leisten wir uns Hefeklösse und Stachelbeeren von Eurem so weissen Mehl. Das erscheint uns ganz unwirklich. Das es so etwas überhaupt gibt! Diese Schätze müssten die Eigenschaft des Oelkrügleins der Wittwe haben. - Aber wir wollen nicht undankbar sein und so vermessene Wünsche haben.

Otto und ich, wir grüssen Euch so dankbar und so herzlich, Dich und Elof und Kinder und Enkel.

Deine dankbare Nanna.

9. 6. Durch unglücklichen Zufall blieb der Brief leider liegen. Da möchte ich Euch nur noch sagen, dass wir nun schon 10 Tage lang satt sind. Was das heisst, das ahnt Ihr nicht. Einmal gab es Hefeklösse, die waren herrlich, aber Verschwendung. Jetzt mache ich abends Milch-Mehlsuppe, da langt das Mehl viel weiter. Die Milch ist ja Sahne! So gute sahen wir noch nie! Alles, alles schmeckt so gut und hilft so. Ich weiss garnicht was ohne Euer Paket geworden wäre. Wenn so etwas doch nie alle würde. - D. N.

Ach dann hätte ich noch eine recht grosse Bitte: Eine Bekannte, ehemals Besitzerin eines Sägewerks in der jetzigen Tschechei, ausgewiesen bat mich ob folgende 2 Damen, d. h. die folgenden Namen und Anschriften zu ermitteln seien. Es sind die Namen 2er Mitpensionärinnen von ihr 1912-13 in Genf. Die Namen sind also noch dazu Mädchennamen, und wenn Ihr ihre jetzigen Namen und Adressen wüsstet wäre es mehr als Glück. Der Mann der Bekannten ist durch Unterernährung schwer erkrankt, und sie möchte die Beziehungen aus Hilfsgründen neu knüpfen. 1) Damals: Gertrud (Kalle) Wallenberg, Stockholm, Strandvägen. 2) Marianne Silverskjöld aus Gothenburg. - Sie selbst hiess damals Gustl Renger jetzt Richter.

Brevkort från Gerd till Märta den 29 maj 1947

Donnerstag abend.

Märtalein!

Ob Ihr denn wieder zuhause seid? Schönen Dank für die Karte. Den blanken Knopf werde ich leider selbstverständlich vergessen. Sv. wollte ich anläßlich einer "Dienstreise" zur TH besuchen, er ist aber bis 3. 7. in Göteborg. Das Planimeter kam gut an. Besten Dank an Gunhild!

Ich sah im Fahrplan, daß ein Bus um 17.35 vom Bahnhof abgeht, den werde ich benutzen, außer wenn mir die Post morgen Näheres über das Rad bei Thulins bringt.

Mach's gut. Auf bald!

Dein Gerd.

Juni 1947

Brev från Märta till Gerd den 3 juni 1947

Salta den 3 juni 1947

Mein geliebter, allerliebster Gerd!

Nun habe ich so viele Briefe geschrieben: gestern an Dagens Nyheter (Anzeige) Mittwoch oder Donnerstag mußt Du sie drin lesen, und an Linds i Borlänge. Vorgestern an Erik und Mutti (von Pfingsten erzählt) und heute an Böhmes, Kuzzers und nun auch an Dich, mein Gerd!

Jag är så glad över det här bifogade kortet, som Du förstår, som om det gällt mig själv, nästan. Så rart skrivet av Curt Heinz. Kannst Du nachfühlen wie glücklich sie sind? Och dom, som ej haft varandra sen sommaren1939. Sie möchte ich furchtbar gern in meiner Nähe haben.

Ma. hat an Erik geschrieben, sah ich, daß ich Freitag früh nach Sthlm. fahre. Da sagen wir wohl das und sehen uns bei Eva um 17 Uhr! Soll ich auch eine Wohnung kaufen? Es gibt doch solche wo man ein paar Tausend einmalig bezahlt und dazu gew. Miete. Deine kleine Frau nimmt alles.

Erik schreibt von seinem Kamerad, wie der als sie das Bett teilten wohl von seiner Frau träumte, weil er anfing Eriks stjärt abzutasten zugleich auch die Brust, worauf Erik sich diskret immer mehr an die Kante zog. Zustände wie in Deiner alten

Heute war Pa. auf Wappa von Tante Anna gebeten zu einem Konferenz mit Alfs Bruder und einem alten Freund von Alf Ins. Furchtbar! Ma. hat an Klingbergs geschrieben und von dem wohltuenden Regen erzählt. Stefan hat von Rolf Anders. eine Angelrute gekriegt. Nun mußte ich gestern und heute mit zum See. Nichts hat es gebracht, aber unsre badeten alle drei. +18° soll es im Wasser sein. Ich mag das nicht den Wurm auf den Angelkroken (?) zu setzen, men mamma gör det med Schwung.

Schon wieder ist es um 12. Heute habe ich mal wieder so zärtlich an Dich gedacht. Auktionsrechnung u. Röntgen bezahlt 61 + 20. Frottéhandtücher gemacht 9 St. Viele Pelargonien und Dahlien gepflanzt. Stefan hatte wieder Zahnweh! Morfar auch!

Ich bin Dir heute treu geblieben!

Deine Märta

Brev från Gerd till Märta den 3 juni 1947



Brev från Nessi Kiendl till Märta den 4 juni 1947

Eibishof, 4. Juni 1947.

Meine liebe Märta!

Vor etwa 2 Monaten erhielt ich von einem Salzburger Spediteur die Mitteilung, ich solle ein schwedisches Spendenpaket bei ihm abholen. Ich telegrafierte ihm, er solle es sofort hierherschicken. Es erfolgte nichts. Dann schrieb Bern an ein junges Mädel in Salzburg u. diese schickte uns dann das Paket. Bern holte es Samstag Abend in der Stadt ab. Am Sonntag früh wurde die ganze Familie zum Auspacken versammelt! Das gab ein Ah und Oh, - hättest Du es nur hören können! Ob es nun das Paket vom vorigen Jahr war? Vielleicht brauchte es so lange, weil Du nicht "Österreich" draufgeschrieben hattest. Es war wohl geöffnet worden u. etliches gestohlen aber das ist ja bei dem langen Unterwegssein kein Wunder. Trotzdem waren noch Herrlichkeiten drin! In den Haferglocken waren Maden, sonst war alles noch gut u. die Haferflocken haben wir durchgesiebt.

Du glaubst nicht, liebe Märta, welche herrliche Hilfe diese Dinge für mich sind! Und welches Glück für die Kinder: Schokolade! Bonbons! Kakao! Alles Dinge, die wir ja gar nicht mehr kennen! Wir dürfen ja nicht klagen, wirklich gehungert haben wir noch kaum. Aber wenn man fast nur von Kartoffeln u. Gemüse lebt, so fehlt eben doch vieles und es macht viel viel Kopfzerbrechen wie man täglich alle satt bekommt.

Bern geht früh um 6 aus dem Hause, kommt nur 9h Abends heim. Ich muß ihm für den ganzen Tag Essen mitgeben. Auch Gerold geht um 6h fort, kommt gegen 2h heim, muß auch viel mitbekommen und beide brauchen was Ordentliches beim Heimkommen. Wie herrlich ist der Zucker! Und wie glücklich ist bes. unsre Oma über den echten Tee u. wir alle über den Kaffee! Und der Speck gibt viele schöne Mahlzeiten. Die Weizenflocken sind auch so herrlich nahrhaft u. wohlschmeckend, - dies alles ist wundervoll. Hab vielen innigen Dank auch von all meinen Leutchen.

Vor einigen Tagen kam auch das schöne Paket von Deiner Mutter mit dem schönen dicken Wintermantel der Wolf wie angegossen passt u. den er sehr gut brauchen kann u. die schönen festen Schuhen, die Burgl für den Winter dringend nötig hat! Auch dafür danke ich Euch von ganzem Herzen. Auch von Helene bekamen wir solch schönes Paket, es war nur 3 Wochen unterwegs und auch ganz herrlich. Sogar die Butter war noch tadellos. So kommen wir uns jetzt vor, wie die Krösuse. Ich habe gleich eine ganze Menge beiseite gebracht für die schlimme uns bevorstehende Zeit im Lager.

Im Juni soll angeblich der Transport gehen, mit dem wir Hof u. Heimat verlassen sollen. Hannes, der ja Gott Lob seit dem 2. Mai daheim ist, rennt täglich auf Ämter u. Behörden, englische u. oesterrische, um zu erreichen, daß unsre Ausweisung verschoben wird, bis über das deutsche Eigentum entschieden ist. Aber es ist sehr wenig Hoffnung, daß es noch gelingt. Oma kann bleiben u. will es auch, bis wir für sie ein Unterkommen gefunden haben. Für Bern und Wolfram kämpfen wir noch u. hoffen es zu erreichen. Bern arbeitet weiter bei dem Gartenarchitekten (bittet aber sehr weiterhin auf ihn zu denken, wenn eine Einreisemöglichkeit nach Schweden besteht!). - Wolferle ist bei einem Bergbauern auf100 m Höhe, herrlich gelegen, hat es gut, wenn auch viel Arbeit! Aber er ist wie Kind im Hause als Ersatz für einengefallenen Sohn. Er möchte sehr gern dort bleiben.

Was wir 4 - Hannes, ich, Gerold, Burgl dann draußen im Reich anfangen, wo u. wie wir unterkommen werden, das ahnen wir noch nicht. Es graut uns, wenn wir daran denken!

Wie freue ich mich für Euch, daß Ihr nun endlich wieder vereint seid! Was liegt alles zwischen dem Pfingsten, das Ihr bei uns in Spanheim verlebtet u. heute! Bitte schreibe mir doch auch mal ausführlich von Euch allen. Hast Du keine Bilder von Deinen 3 Buben?

Daß mein geliebtes Muttchen im März heimging, kann ich noch immer nicht fassen. Wie sehnte sie sich, uns alle noch mal zu sehen! - Wie fehlt mir ihre Liebe, ihre langen, teilnehmenden, guten Briefe. Wie schwer waren ihre letzten Jahre und die letzten Monate nur Hungern, Frieren u. Krankheit. Und ich konnte ihr nicht helfen, nicht bei ihr sein. Damit kann ich nicht fertig werden.

Ich tröste mich nur damit, daß sie nun jenseits allen Leides ist. Das Leben läßt selbst uns Jüngeren nicht mehr viel Hoffnung auf bessere Zeiten, alles ist so trostlos, - wir müssen den Alten die Ruhe gönnen. Ich wünsche Helene nur von Herzen, daß sie ihre Mutter bald zu sich nehmen kann und nicht diesen Schmerz erlebt ihr in Krankheit u. Not nicht helfen zu können.

Es ist schon spät Abends geworden und ein Tag mit 33° im Schatten und Wascherei hat mich recht müde gemacht u. die Hände sind kaput durch die Aschenlauge, da es keine Seife gibt. Also entschuldige bitte die Schrift. Auch wird der Brief recht durcheinander sein, da sich alles neben mir unterhält u. ich sehr oft weggerufen wurde.

Dir u. all den Deinen herzliche dankbare Grüße!

Deine Nessi.

Brevkort från Märta till Stefan den 6 juni 1947, från Stockholm till Salta

6. 6. 47 kl. 21

Kära Du!

Jag hittade nyss en 10-öring utanför Centralen. Den ska Du få. Hoppas jag hittar pengar åt Rolf o. lilla Erik också. Fick just i kväll ett kort fr. morb. avsänt i går m. Brit. Museum på o. gratul. till bröllopsd. Nu ha vi varit på bio o. hört Moldau, det var vackert.

Pappa har best. en stuga åt oss, alldeles egen stuga, som heter TROLLEBO o. som Atlas Diesel bygger åt oss, men den är inte färdig förrän 1948, 1 okt. Men det blir väl rart. Dom ska bygga 16 såna små hus. 200 kr inkl. värme. Nacka byggn.nämnd däremot sa, att härute finns det inget att hyra. Det är bara Atlas D. som bygger åt sina anställda.

Nu har jag skrivit till morb. också. Jag glömde blommorna på tåget, så jag fick hämta dom sen hos konduktörn. Jag såg på bio, hur kungen kom hem o. småprinsessorna kysste honom O. Sibylla log så rart.

Sov gott och var lika snälla som vanligt!!

Mamma

Brev från Sibylle Zenker till Märta den 7 juni 1947

Dresden, den 7. VI

Meine liebe Märta,

Eben erst habe ich die Büchse mit dem Milchpulver aufgemacht. Es ist so herrlich, daß ich Dir gleich noch einmal schreiben und danken muß. Milch - wie lange habe ich keine Milch getrunken! - die gibt's für uns doch überhaupt nicht mehr. Das ist ja ein Hochgenuß! Habe nochmals Dank!

Montag schon will meine Schwester zurückfahren. Da umschließt mich wieder die Einsamkeit. Gut, daß ich sie ertragen kann. Ja, - ich brauche sie oft sogar; wenn sie auch eine sehr herbe Freundin ist. Warum das Schicksal nur gerade mich zu solchem Alleinsein bestimmt hat! Aber das sind unnütze Fragen, die einem so am Abend kommen. Entschuldige! - Else hat viel für mich gearbeitet: gewaschen, geflickt, gestopft u. s. w. Nun ist wieder alles in Ordnung. - Hier gehen wieder einmal allerhand wilde Gerüchte um. Ich glaube sie nicht. Mich kann ja auch nichts mehr treffen. Aber "Frieden", "Ruhe" ist noch lange nicht.

Ein Glas mit herrlichen roten Rosen steht vor mir. Ich habe fast immer Blumen im Zimmer. Eine Schülerin ist Gärtnertochter! Auch von Elisabeth - [oläsl.] Du Dich noch an diese [oläsl.] von mir? - bekomme ich welche, wenn ich sie in ihrer Gärtnerei i. Radebeul besuche. - Auf der Post sagte man mir, daß man Briefe bis zu 1 Pfund nach Schweden schicken kann. Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann? Überlege was mal!

Eine Kollegin von mir, die 70jährige Frau Busch, ist Tochter einer Schwedin. Sie erzählte mir auch heute von Schwedenpaketen.

Gute Nacht! Grüße alle Deine Lieben von mir. Recht von Herzen.

Deine Sibylle.

Brevkort från Gerd till Märta den 16 juni 1947

D. 21. 5. 47. Gratuliere nachträglich zum 12 jährigen Jubiläum! Hörru Du!

D. 16. 6. 47. Da taucht es wieder auf, das gute Stück. Nein, was ich gestern für eine schöne Abend-Radpartie gemacht habe! Nie hätte ich vom Auto aus gesehen daß Karl-Gustaf Kungsråg II angepflanzt hat. Außerdem habe ich die schöne Upsala-Tochter getroffen. Ich fuhr so langsam, daß ich passend zum 20.45-Zug kam. Das Rad habe ich für Blomberg - Strömsta hinterstellt, ich habe keinen Zettel bekommen. Schönen Dank für gestern, meine Kleine, es war hübsch, aber im Handumdrehen vorbei. Heute bin ich todmüde und zu garnichts zu brauchen, vielleicht macht es die drückende Wärme. Als ich gestern heimkam lag ein Brief von Mutti da, das war hübsch. Hält die Luft noch in Stefans Hinterreifen?

Ins Bett, die Motten warten. O wie will ich mich breit machen!

Grüße die ganze Doppelfamilie!

Dein Gerd.

Brevkort från Gerd till Märta den 17 juni 1947

17. 6. 17h.

Tüchtig! tüchtig! Hast Du das wirklich in der kurzen Zeit übersetzt? Da wird der kleine Överby aber froh sein, wenn er garnichts mehr zu tun kriegt. Und Pyk erst! Es war aber sehr unvorsichtig zu schreiben "ich habe es gern gemacht". Denn das soll nicht das letzte Mal gewesen sein!

Ach Kleine, wenn Du nur wüßtest, wie warm es auf einem 200 pfundigen Dieselmotor ist. Es muß weiß Gott kein Vergnügen sein, Maschinist auf einem Afrikadampfer zu sein!

Gestern kam ich leider zu spät heim, als daß ich noch auf die Post hätte gehen können (obs. meine grammatikalische Meisterschaft!). Nein, nun muß ich zu PUB laufen und meinen Schal umtauschen. Leb wohl, meine kleine Liebste!

Dein Gerd.

Kopia av brev från Märta till Firma Bjerkes byggen den 20 juni 1947

Salta Gård, Enköping d. 20. 6. 47

Ingeniör Gate
Stockholm

Åberopande mitt telefonsamtal med Ingeniör Gate, ber jag få anmäla mig som sökande till en 3-rumsvåning vid Firma Bjerkes byggen i Gubbängen.

Min make är ingeniör hos Atlas Diesel med 12000 kr. årsinkomst. Vi ha tre barn och f. n. hyr min man ett möbl. rum och jag bor med barnen hos mina föräldrar, godsägare af Sillén, Salta, Enköping.

Min man är tysk medborgare och har sedan i julas varit i Sverige, och då vi inte på tre år på grund av kriget haft ett eget hem, skulle vi med största tacksamhet ta emot ett ev. erbjudande att få hyra hos Eder. Jag har talat med Eder kusin Britt-Maja Bergman, som väl känner vår familj och som lovat lägga in ett gott ord för oss.

Med utmärkt högaktning

Märta Zenker f. af Sillén

Salta Gård, Enköping, tel. Svinnegarn 8

Juli 1947

Brev från Elisabeth Zenker till Gerd den 3 juli 1947

Herrn Gerd Zenker, Stockholm, Schweden, Södergatan 2
von Elisabeth Zenker, Dresden A21, Ermelstr. 13 d. 3.7. 47

Mein alter guter Bester!

So eine arge Stief-Rabenmutter wie Du Dein eigen nennst! denkt doch viel zu spät an Deinen hochgeehrten Geburtstag u. Du bist am 11. ganz ohne Liebesgruss. Wie schön aber, dass Du doch à la Högfeld am Sonntag darauf gefeiert wirst mit här kommer pappas vänner små. Kennst Du das lustige Högf.-Bild? [Kanske den här?] "Er" liegt noch in süssem Morgenschlaf, aber die zärtlich-grausame Meute steht startbereit mit allerlei Lärm erzeugenden Instrumenten - im nächsten Moment wird der Paukenschlag ihn entsetzt hochfahren lassen! Das ist was für Muttern, d. h. das Bild um Gottes willen nicht zum 15.I. 48 ausgeführt etwa! Nun lass Dir also zuerst recht von Herzen alles Gute wünschen für dieses Lebensjahr, Gott behüte Dich und Deine Lieben u. erfülle Euch recht viele Wünsche, die Ihr gewiss reichlich habt in Hinblick auf eine freundliche gemeinsame Zukunft. Nord, Süd, Ost, West, toHus is best! Möchte Euch bald so ein behagliches Zuhaus für Euch in St. beschert werden.

Die blauen Bogen sind nun dem Ende nah, sie schliessen fast mit einem Knalleffekt, den Du wohl schon via Hinsnoret weisst? Ab 20. Juli kann ich meine Abfahrt erwarten, es kommt noch ein Telegramm mit d. Tag. Was sagst Du nur? freut Ihr Euch denn ein bischen? oder heisst's gar: Unvermutet wie zumeist kommt die Tante zugereist. Herzlich hat man sie geküsst, weil sie sehr vermöglich ist! Ach wär sie doch! so aber kommt eine ganz arme Kirchenratsmaus an ohne roten Heller, obwohl sie aus einer roten Gegend kommt. Seid nur ein bischen lieb zu mir, ich hab doch nachts grässliche MinKos [Minderwertigkeitskomplexe?], hier so alle Selbständigkeit aufgegeben (bei 90 M. monatlich zwar büschen [sic] kümmerlich) aber eben doch ein freier Vogel und nun in alle Ewigkeit, ja, sicher bis ans Grabeloch in Stora Tuna Euch allen zur Last fallend, je schneller die Jahre entfleischen u. die Zähne ausfallen. Und am Tage dann ist meine Erwartung u. Freude riesengross! Ich habe es doch so über alle Massen gut, Helene u. ihren Vogelbauer nach 8 Jahren u. last not least Dich u. Märta nach 2½ u. 3½ Jahren in d. Arme fallen zu können.

Die Reise ist siedender Neidpunkt für Schweitzers u. Hertha! Sie wird auch sicher extra schön, so ein Autobus aus den 7 magern Jahren in die 7 fetten zu fahren! Dass ich auch Dänemark durchkreuzen darf! Wenn auch ohne "röd gröd och floed" oder wie es auf dänisch heisst. Denn zu essen u. trinken muss man sich für 30 St. mitnehmen. Brot u. Tee ist das Gegebene, davor mach ich mir keine Sorgenfalten aber! die Reise nach Berlin mit 1 Centner Gepäck davor! graust mir, wenn mich auch Hertha geleiten will. Man muss doch irgendwo nächtigen, aber Tante Gabi kann nicht 2 aufnehmen u. was macht man mit dem ungefähren ZentnerKabinenKoffer? Wie einfach war früher alles, so mit "Fahrn wir, Euer Gnaden?" Ich hab jetzt schon Durchmarsch, wenn ich schon an den Platzkampf im Zuge denke! Halte den Daumen, dass ein gnädiges Geschick Mutter u. Koffer in den Autobus richtig wiedersetzt, von da an atme ich auf unter den, ach so höflichen (wie ungewohnt für unsre Ohren jetzt!) Flügeln des Swedish Red Cross. Was dann kommt - mag es Strapaze, Quarantäne etc. heissen, wird nur eine Märchenerzählung für Deine Mutter u. ich schlüpfe wieder mal in Frau Aja [Goethes Mutter] hinein u. sage: ja meint ihr nur, ihr hättet die Welt gefressen! Wüsstet ihr, was die Frau Rot heute alles erlebt hat! - - -

Für Deinen Frack kann ich noch nicht mal gerade stehen, ich glaube, mein leiblicher Tand u. Plunder füllen 50 Kg schon aus. Sonst müsste mich Henning ja gleich "auf neu" polieren! Heute hab ich mir schon 1 Goldzahn setzen lassen vom letzten zus. gekratzten Schmuck!

Auf glückliches baldiges Wiedersehen freut sich soo
Deine Mutti

Brev från Otto och Nanna Schweitzer den 3 juli 1947

Mein lieber Gerd! Ottos lakonischen Zeilen will ich auch noch meine so guten und so vielen Wünschen für Dich Bruderherz, mitsamt Famile, hinzufügen. Ein so grosses und inhaltsreiches und uns "teures" Geburtstagsgeschenk wie wir es Dir in der Person von unserm Muttchen schicken, das will uns schwer abverdient werden. Das kannst Du nur durch "regen Briefwechsel" gut machen. Da ich aber darin schwarz sehe, bitte ich Euch, haltet Mutti eine immer reich gefüllte Briefmarkenbüchse bereit. Bitten tut sie gewiss nie darum. Das ist überhaupt ihr grösster - mir allerdings verständlicher - Kummer, dass sie nichts verdienen kann und um jedes kleinste Ding bitten muss; dass ihr nie mehr etwas ganz zu eigen ist, kein Bett, kein Handtuch usw. - Armes Muttchen, schwer ist's für sie, trotz aller Freude auf Euch. Gerade unser Muttchen, die so gern so ganz unabhängig innerlich und äusserlich leben möchte! - Wir geben sehr viel her, und mir wird's sehr schwer.

Augenblicklich frägt man sich auch - warum man alles so betrieb. Aber Sonne und Wärme und Gartenerzeugnisse, lassen einen die Verzweiflung oft verblassen, trotz des ewigen Hungers, den man ohne Kartoffeln und mit nur sehr ungenügenden Nährmitteln dauernd hat. Aber der neue Winter ohne Heizung also ohne Wärme, in Finsternis und ohne genügend Kleidungsstücke kommt. Daran denken darf man nicht, dann befällt einen eine furchtbare Angst. - Aber eben - einstweilen geht es uns gut. Wir hatten fast ½ Ztr. Erdbeeren, der allerdings in unendlich viele Portionen in die Welt stob. Jetzt sind die Johannisbeeren dran, die Mutti rührend pflücken hilft. Sie wird gleich kommen. - Märta und Gunhild musst Du immer wieder danken, dass sie uns wieder so halfen, es war gerade alles alle, und als nun wieder Hoffnungslosigkeit kommen wollte kam wie vom Himmel Helenes herrliches Paket. Vor Ende August oder besser Mitte September wird es Kartoffeln zum Sattessen kaum geben.

Wir sind so glücklich einen Verleger zu haben, der von sich aus gartenbauliche Dinge bei uns bestellt. Unsere Unkrauttabelle (Text Otto, Zeichnung ich) bringt uns Geld, d. h. sobald sie nun in Druck kommt, recht ordentlichen Ertrag. Nun bestellte er bei mir ein Kindergartenbuch - Text und Zeichnung. Nicht einfach; denn man will Kinder ja wirklich damit beglücken und nicht langweilen. - Jedenfalls ist's aber so: Wenn's erst wieder bergauf geht, haben wir hier uns in den 2 Jahren schon sehr den Weg geebnet. - Otto bekam vom Rat der Stadt Dresden ein Dank- und Anerkennungsschreiben für seine aufopfernde und aufbauwillige Mitarbeit!

Also lass mal von Dir hören, und Märta soll viel von sich und den Kindern erzählen, man hat sie doch sehr lieb, und rückblickend denke ich oft, wie schade es ist, dass ich in den letzten 2 Jahren von Märtas Hiersein so dumm in der Arbeit steckte, dass man sich kaum mehr um einander kümmerte, leider nicht wieder gut zu machen.

So - nun noch eins, schickt Mutti in Quarantänelager gleich Briefmarken, damit wir wissen, wie sie ankam, vielleicht siehst Du sie schon vor diesem Brief! - Euch Allen, Dir - Märta - Stefan - Rolf - Erik so sehr viele Grüsse!

Deine Nanna.

Brev från Dipl.Ing. Gottfried Laube till Gerd den 4 juli 1947

[Anm. Fam. Laube var pappa Gerds hyresvärd och granne i Klotzsche i Dresden hösten 1944. /SZ]

Dipl.Ing. Gottfried Laube
Peine 28b, Lindenstr. 11
Deutschland
4.7.1947

Lieber Herr Zenker! Wir haben uns zwar nur kurz 1944 kennengelernt, da Sie in unser Haus in Klotzsche einzogen. Ich hatte damals mir überaus beschränkte Zeit u. war überdies ziemlich nervenkrank nach 5 Jahren Soldatsein. Heute, nachdem ich vor kurzem wunderbarerweise lebend aus französischer Gefangenschaft zurückgehehrt bin, bin ich noch wunderbarer erfreulich gesund an Leib u. Seele. Allerdings bleibt mir die endgültige Heimkehr zu meiner Frau u. unseren 5 Mädels auf noch unabsehbare Zeit verwehrt, was Ihnen nach Ihren eigenen Erfahrungen ohne Kommentar verständlich ist. Ich kann trotz allen Erwägungen auch meine Familie nicht in die englische Zone herüberholen, wo ich bei meiner Schwester ein Unterkommen gefunden habe. Ich gebe unter garkeinen Umständen die Hoffnung auf nach Klo. zurückkehren u. damit u. a. auch unser dortiges Besitztum wenigstens teilweise für die Kinder erhalten zu können. Ich habe ab u. zu über Ing [?] Frau Müller bezw. meine Frau von Ihrem Geschick erfahren, das ich so ziemlich genau verfolgen konnte. So habe ich Sie dann auch durch meine Bünderbrüder Dipl.Ing. Freude u. Gottfried Schmidt als TH-Verlagerte in Vilsbiburg aufgestöbert, als ich Ihnen schreiben wollte, dann kam die be... [oklart], mir sehr verständliche Ortveränderung Ihrerseits. Was Sie nun vor allem in Hinblick auf Ihre Familie weiter vorhaben entzieht sich noch meiner Kenntnis, würde mich aber sehr interessieren u. a. auch im Hinblick auf die Erhaltung Ihrer Wohnung, die auf längere Dauer, soweit ich mir bisher unter den jetzigen Verhältnissen ein Bild machen kann, zunehmende Schwierigkeiten machen wird. M. E. fühlen sich Ihre jetzigen Untermieter immer mehr als ziemlich unleidige Herren Ihrer Wohnung, die u. a. die entschädigungslose Benützung Ihrer Einrichtung als selbstverständlich erklären. Das ist jedoch ganz Ihre Angelegenheit. Hingegen haben sie u. a. auf mehrmalige, dringende Vorstellung meiner Frau die Abgabe des kleinen Zimmers neben dem Bad brüsk abgelehnt. Wir werden Ihre Abmachungen mit uns u. Ihre Interessen auch in Zukunft vertreten. Sie werden aber verstehen, daß mich mindestens aus diesem Grunde schon Ihre Dispositionen interessieren. Ich muß versuchen mit allen Mitteln jetzt meiner Frau, soweit mir möglich, alle zusätzliche Arbeit abzunehmen, da Zeit u. noch verhandene physische u. psychische Kraft immer mehr absinken u. nicht mehr ausreichen, um nur das kümmerlichste, kaum tierwürdige tägliche Brot zu erwerben. Sie verkauft laufend den Haushalt, um das allernötigste Geld zu haben. Die Zustände sind grauenvoll u. verschlimmen sich langsam, aber stetig. Daran ändert die undurchsichtig, ständig wechselnde Taktik der jetzigen Machthaber garnichts. Als handgreiflichen Beweis habe ich es jetzt nach ungezählten Vorbeobachtungen bestätigt gefunden - da ich seit vorgestern das märchenhafte Glück erlebe meine Mutter u. älteste Tochter bei mir zu haben. Ihre Berichte sprechen Bände, noch mehr aber ihr Körper- u. Seelenzustand. Skelettartig abgemagert belaufen sich ihre Untergewichte auf ca. 35 %. Vielleicht können Sie sich ausmalen, was Herz u. Willen eines Vaters dazu sagen, wenn die Hände trotz aller sog. Freiheit, die ich immerhin jetzt atmen darf, gefesselt bleiben. Verstehen Sie deswegen meinen nachfolgenden Wunsch u. Bitte, wenn ich selber mit allen Mitteln nunmehr versuche, meine Angehörigen vor dem tatsächlichen Verhungern im kommenden Winter, wohl den entscheidensten u. schwersten, zu bewahren. Ich bitte Sie darum möglichst ab sofort, nicht mehr durch Ihre Mutter mit 48,- RM/Monat, sondern durch Sie selbst mit Nahrungsmitteln Ihre Miete zu begleichen. Ich nehme an, daß es Ihnen, wenn es schon vielleicht einige Schwierigkeiten machen wird, möglich sein wird hochwertigen Lebensmittel wie Fleischkonserven, Fett, Malz, Schokolade, Lebertran u. a. zu beschaffen. Ich darf ferner annehmen nach meinen bisherigen Beobachtungen, daß die Transferierung als Hilfspaket, evtl. auch unter Zuhilfenahme des schwedischen Roten Kreuzes, ohne Zoll möglich sein wird. Ich überlasse es Ihnen völlig, ob Sie es monatlich machen oder, evtl. besser, für mehrere Monate. Sie müssen mir das Paket an meine Anschrift hierherschicken, da die Russen bis ... [oklart] keine Auslandspakete in ihre Zone lassen; genauso wie sie es untersagt haben, daß ein einziges, hilfebedürftiges deutsches Kind zur Erholung nach der Schweiz, Schweden usw. verbracht wird. Das internationale Rote Kreuz hat sich z. B. nach Überprüfung unserer Verhältnisse bereit erklärt Kinder von uns aufzunehmen; die Verwirklichung bis jetzt bleibt unmöglich. Bitte legen Sie eine Inhaltsangabe mit Aufrechnung bei.

Versuchen Sie bitte alles, um meine Bitte baldigst verwirklichen zu können. Die Zeit drängt insofern, als alle Sendungen bis zum Winterbeginn die allerbeste Hilfe darstellen. Sollte eine zusätzliche Unterstützung z. B. durch schwedisches Rote Kreuz möglich sein, wäre ich natürlich sonderlich dankbar. Mir fallen solche Wege schwer, da ich sie im Besitze der Freiheit bisher weder als Privatmann noch als Soldat gehen wüßte. Jetzt nach 7 Jahren Heimat- u. Familienferne greift es nur zu sehr an's Herz, immer noch nicht an Ort u. Stelle selber helfen zu können. Mir bleibt ja wahrscheinlich für die Zukunft genau soviel oder auch wenig Hoffnung zunächst offen, wie Ihnen selbst. Ihre Meinung, wie bereits gesagt, darüber zu hören, interessiert mich persönlich sehr, und ich bitte Sie um Ihre baldige Antwort. Hoffentlich verläuft Ihr Leben jetzt wieder in geregelten normalen Bahnen, sodaß Sie sich beruflich u. familiär gesunde Zukunftsgrundlagen schaffen können. Bei mir ist es zunächst nur ein Tasten allerorts, um noch einmal völlig von vorn anzufangen.

Ich grüße Sie mit Ihrer Frau Gemahlin und Kindern bestens auch im Namen meiner Frau und Kinderschar, die nach wie vor unser größter Segen sind u. bleiben werden.

Ihr Laube.

Brev från Hertha Zenker till Märta den 8 juli 1947

Dresden, den 8. 7. 1947.

Meine liebe Märta!

Für Deinen lieben Brief zu meinem Geburtstag [4 juli] danke ich Dir sehr herzlich. Wie schön wäre es gewesen, wenn Du auch dabei gewesen wärest, es gab sogar guten Kuchen. Und ich hatte auch Zeit zum gemütlichen Beisammensein mit Mutti, Nanna, Otto, Frau Dittner und einer guten Kollegin. Mit Frau Schiedt bin ich leider nicht mehr in Verbindung, im Laufe der Zeit wird so vieles anders. Seit 1943 wohnt ja Frau Dittner mit uns zusammen, Du hast sie wohl gerade noch kennen gelernt, und ich habe mich mit ihr herzlich angefreundet. Sie ist auch so ein armes durch den Krieg gestraftes Menschenskind. Vom Mann fehlt jede Spur, ausgebombt, ihr kleiner Christian starb 1945 innerhalb 2 Tagen, und die 9-jährige Brigitte ist Lungen gefährdet, war lange Zeit in Krankenhaus, und "unsere kleine" ist jetzt oben in Zinnwald bei Brigitte Volkmann geb. Kühn. Da fehlt auch nur jede genügende Ernährung bei dem Kinde sonst wäre sie gesund. Frau Dittner schneidert nun zu Hause und hilft mir in meiner Praxis um zu leben. Solange ich auch so einigermaßen gut verdiene, geht das auch ganz gut so.

Nun fährt Mutti nach Schweden, da bleiben wir allein und Erna macht die Wirtschaft. Es wird mir natürlich sehr schwer, daß Mutti fortgeht. Aber es ist schon besser so. Wir denken mit Grauen an den nächsten Winter, ohne Kohlen, die Dunkelheit usw. Nein, unsere Mutti ist bei Euch in Schweden besser aufgehoben. Zur Zeit sind wir, schon seit einigen Wochen, ganz ohne Kartoffeln. Gemüse ist überhaupt nicht zu bekommen, es ist schwer. Wenn Schweitzers nicht etwas aus den Gärten hätten, dann wäre es furchtbar. Aber ich will Dir nicht vorjammern, man kann es doch nicht beschreiben wie es in Wirklichkeit ist. Es ist nur gut, daß Du Deinen Kindern satt zu essen geben kannst. Ich habe oft Sehnsucht nach ihnen, sie werden nun schon so groß. Gestern traf ich Frl. Pusinelli u. Frl. Sparmann in der Hebammenversammlung v. F.D.G.B. Beide fragten nach Dir, vielleicht schreiben die Damen Dir mal. Um Gottes Willen, Märta, sie sind beide ausgebombt. Ich bin die Vorsitzende der Fachgruppe v. Dresden, da komme ich jeden Monat mal mit den Hebammen zusammen.

Sonst habe ich viel viel zu tun, und ich führe nicht mehr ein solches Bummelleben wie damals. Tag und Nacht reichen manchmal kaum aus, und ich, wie wir alle, sind meistens schrecklich müde. Einige Ferienwochen würden schon ganz gut tun, aber die kann man sich nicht leisten. Heute kam ein Brief von Gerd an Mutti. Es ist sehr schön, daß Ihr eine Wohnung gefunden habt. Dazu fehlen Euch Eure Sachen, aber die nach Schweden zu kriegen, ist aussichtslos. Es hilft nichts, da mußt Ihr wieder anfangen wie die Ausgebombten oder Ausgeplünderten. Wie sich hier uns alles weiter entwickelt, weiß ich auch noch nicht. Pläne machen kann man noch nicht.

D. 13. 7. Muttis Abfahrtstag rückt immer näher, mir wirds schon karg. Wenn ich nur mitkönnte, nur für einige Wochen. Nur um dieses Elend hier mal nicht zu sehen. Denkst Du auch manchmal an mich? Erinnerst Du Dich auch noch an unsere gemeinsamen Badestunden 1939 an der Elbe? Erinnert sich Stefan noch an Dresden? Der Dürerplatz ist ja ein Trümmerhaufen.

Schließe unsere Mutti ganz fest in die Arme u. sei herzlich gegrüßt

von Deiner Hertha.

Brev från Helene Tiblin f. Zenker till Gerd den 9 juli 1947

Hinsnoret den 9/7 47

[I grått Hennings handstil]

Kära Vänner! Gerd!

Tack för brevet. Roligt att Harry har åter fått sin vigör igen.

Ja, dieser Brief sollte eigentlich an unsre Freunde in Borås gehen, aber dann merkten wir, daß diese jetzt in Dänemark sind und da kann der Brief noch bis nächste Woche liegen. Du nimmst es wohl nicht so genau, wenn unser Geburtstagsbrief an Dich so "slarvigt" anfängt. Wir gratulieren Dir von Herzen zum 38 Geburtstag. Zu schön, daß man nun so ohne weiteres an Dich schreiben kann 2 Tage vorm Geburtstag und nicht mehrere Wochen vorher. Wie kommt es Dir dann vor, jetzt Deinen Geburtstag in ruhigen Verhältnissen zu feiern? Es muß doch zu schön für Dich sein, daß sich alles nun so fein aneinander fügt mit deiner Stelle und nun auch schon einer Wohnung. Möge dir alles weiter so gut gelingen und Du Dich hier gut einleben, damit Du Dich nicht zurück oder in einen anderen Weltteil sehnst! Ich bin glücklich Dich und Deine Familie so in der Nähe zu haben, das kannst Du Dir wohl denken. Wir hatten es doch hübsch zusammen das letzte Mal in Stockholm, nicht? Wenn Mutti noch hier ist, komme ich sicher oft mal nach Stockholm. Es ist doch fabelhaft, daß sie die Ausreiseerlaubnis schon erhalten hat. So ganz traue ich ja der Geschichte noch nicht, die Russen können wohl trotzdem noch Schwierigkeiten machen wenn sie fahren will. Aber das schwed. Rote Kreuz hilft wohl so viel wie möglich. Daß sie mit dem schwed. Autobus fahren kann ist ja auch sehr beruhigend, da bekommt sie wohl auch zu essen. Wie lange sie hier in der Quarantäne sein muß, weiß ich nicht, aber dann möchte ich sie gern in Malmö abholen. Es dauert vielleicht bloß noch einen Monat. Möge sie sich dann hier gut einleben und nicht zurücksehnen!

Wir haben jetzt eine schöne Woche mit Karin u. Irmeli verlebt. Die Kleine ist zu süß, so ähnlich unsern Mädels als sie Babys waren. Sie ist nun wieder ganz gesund. Leider fahren sie am Freitag wieder nach Uppsala, weil Karin nun versuchen will etwas früher nach England zu fahren.

Pfingstmontag Hinsnoret 1947.

Hier bekommst Du ein Andenken an die schönen Pfingsttagen, ist es nicht ein hübsches Bild?

Kannst Du nun wieder besser arbeiten, seit es wieder kühler ist? In der Nacht ist es ja besser so, aber wir sehnen uns nach der schönen Wärme. Wir baden aber doch jeden Tag.

Du feierst wohl erst richtig in Salta, deshalb erwartet Dich unser Paket dort. Die Süssigkeit sollst Du aber mit in Deine Einsamkeit in Stockholm mitnehmen!

Alles Gutes, liebstes Bruderherz! 1000 Grüßen von uns allen. Deine Helene.

[Hennings handstil:]

Ber att få gratulera på födelsedagen. Det var roligt att få vara tillsammans ett tag i Sthlm. Hoppas ni kan få flytta in i Gubbängen 15/9.

Det ska bli roligt att få hälsa på er i det nya hemmet.

Henning.

[Karin af Silléns handstil:]

Kära Gerd, Har den äran att gratulera! Du må tro att vi är med och instämmer i "Här komma ---" i våra tankar. Hoppas att glashjärtat blir till nytta i Gubbängen. Ett gott nytt år önskar Erik, Irmeli och Karin.

Brevkort från Gerd till Märta den 10 juli 1947

10. 7.

Du Gute! Schönen Dank für Deinen lieben Brief mit Beilagen! Glücklicherweise habe ich die Anweisung auf der Rückseite des Umschlages zu spät gesehen. Wie hätte ich es denn bis morgen aushalten sollen?! Ich verspreche Dir aber, den Brief morgen zur Feier des Tages noch einmal ganz langsam u. andächtig zu lesen. Dann werde ich auch der Geschichte von S. A., R. P. und E. K. (oder S. P., R. K., E. A., oder S. K., R. A., E. P.?) die gebotene Aufmerksamkeit widmen. [Mamma brukade berätta sagor om "Stefan Andersson", "Rolf Pettersson" och "Erik Karlsson" för sina söner.]

Ja, was hast Du doch für einen alten Knawatzen [??] zum Mann. Wie soll das erst in zwei Jahren werden? Ich glaube, dann nehme ich Urlaub und entziehe mich allen Huldigungen indem ich mich nach Lappland zurückziehe. Heute fühle ich mich so fein und weltmännisch infolge der Bügelfalten in meiner neuen, noch vollkommen unbepubsten Hose (bin mir leider über die Orthographie nicht ganz sicher). Möge es ewig so bleiben!

Vielen Dank für den heutigen, heldenhaft ungeöffneten Brief. Du hast recht, das Mädchen ist wahnsinnig unvorsichtig. Aber nicht verflucht! Leider leider ist der Brief so konventionell, daß ihn jeder lesen könnte, selbst die eigene Frau. Na ja, da kann man nix machen. Der Regen ist gewiß gut für E's Knie! Weckt mich morgen nicht zu zeitig mit eurem Gesang.

Ich grüße meine vier Lieblinge. Kuß!

Brev från Cläre Immisch till Gerd den 13 juli 1947

Brev från Erik af Sillén till Gerd den 15 juli 1947

Brev från Märta till Gerd den 15 juli 1947

Salta den 15. 7. 47

Kära du, nu fick jag en chock igen som Du kan förstå! Förlåt, att jag bröt, men när det inte var nån kvinnlig avsändare kunde det väl inte vara så farligt att bryta. Ska aldrig vara så där nyfiken i Gubbängen, där jag bara behöver vänta tills kvällen. Men tänk nu får Du inte det här förrän i övermorgon och sen, innan jag får veta! Är nu fru Laube den, som rår om huset? Tror Du att Mutti har hållit henne underrättad om Ditt liv och leverne? Det var väl inte nödvändigt. Nu behöver man väl inte tillhöra Secret Service för att ha fullt klart för sig varifrån Du kommit och vart Du tagit vägen. Och tänk, att Schmidt lämnar ut Din adress utan vidare. Usch! Dom tror väl alla, att det inte kan hända Dig något längre, när Du är här.

Der rote Brief sieht ja aus wie Alarm. Mein Trost ist, daß sie wohl glauben werden, daß Du der Russ. Zone gehörst!

Nu är det ju fruktansvärt synd om Laube. Nog ska vi väl skicka paket till honom. Men vore det inte lika bra att säga upp våningen, tror Du, att Laubes då finge förfoga över våra möbler? Själva vån. har vi ju ingen glädje av. Så mycket som 48 Mk. betalar väl inte Mutti? Ska vi skriva, att vi ej kan binda oss att skicka för en viss summa i månaden, men att vi gärna ska försöka hjälpa dem. Men att det är ransonering här och att vi har många släktingar och vänner, som vi också måste tänka på.

Skriv genast till mig om hans adr. är Peine el. Peure (20B el. 206??) så ska jag skicka genast. Det går ju säkrare fram till brit. zonen också. Det brukar ju gå på 14 dar. Och si så där! Vi får hem mjöl från kvarnen när som helst. Köttkonserver finns ej att köpa. Men fisk. Nicht wahr? Skulle han inte ändå försöka ta över fam. till väster? Har han rymt ur fångenskapen? Skriv att jag försöker att få mitt möblemang beschlagnahmt ss. svensk egendom. - Man blir alldeles darrande av ett sånt här brev både för chockens och deras nöds skull. - Men skriv diskret och underteckna gärna (helst) Frau Märta Zenker. Eller ska jag skriva. Vi kanske resonerar om det på lördag.

Skriv ett kort till 1. Faster, ett korrespondenskort o. tacka. Och ring 2. Fru Westrell 105556. Ma. ringde o. bjöd 3. Ernst Tibblin till midd. på lörd. Men han kunde ej komma. Men han bad återigen att Du skulle ringa för han ville så gärna höra, hur Du trivs. Tel. 201193, Bankdirektör Tibblin, och bost. = Strindbergsgatan 56, Tel. 625259 o. bjuda på middag. Nu ska vi bara ha supé på lördag. Skynda Dig, ifall Du måste åka buss.

I går var vi o. klippte pojkarna o. åkte sen rutschbana på Åsen o. Ingeborg hade kaffe o. sockerdricka med o. bjöd på. Så trevligt.

Må så gott min älskade! Ich liebe Dich!
Deine Märta

Brev från Gerd (c/o Widman, Stockholm) till Märta den 16 juli 1947

 

Brev från Märta till Gerd (c/o Widman, Stockholm) den 17 juli 1947

Salta den 17. 7. 47

Kära Du, ja stanna Du. Nog är det tråkigt, men det är ju viktigt att Du gör ett gott intryck. Och så kommer Tant Rut och Nina hit på supén och över söndan. Annars blir det bara de närmaste grannarna, ej stadsbor. Far Du till skärgårn då?

Tänk, Stefan har ont i benen då och då. Och särskilt i dag har jag hållit honom så stilla. Han har suttit inne och lekt. Och i kväll haltade han så och hade t. o. m. ont i själva höften. - Nu ska jag bädda honom på verandan riktigt, åtminstone till 12. Kanske längre, om det går o. så ska jag ringa och be att få komma till professorn på tisdag. Jag är så ledsen. - Men på morgonen efter nattens vila är han bättre.

Ja, så ska jag skriva till stackars Laube. Vet Du, jag tror, att vi ej få kontraktet, förrän det gått igenom priskontrollnämnden, så att summan, som vi betalt kan fyllas i.

I går kväll kl. 21 kom farbror Axel från en tjänsteresa m. sin byggnadsingeniör. Farbr. A. visste ej vad jag hette, när han skulle presentera! - Och i kväll var det en stilig agronom här, som jag bara såg genom köksfönstret, som sa: Min faster Ellen Key! Så det så.

I går var vi till sjön o. badade, kallt, o. plockade 5 liter skogshallon. Dom slår ärterna med slåttermaskinen i dag och ha därvid klippt av benen på 4 harungar, som dom sen fick slå ihjäl. Berätta det för tanterna!

Jag är så bekymrad i kväll, så jag vet just inte, vad jag ska skriva. Så roligt med Din portfölj! Kostar?

Då ses vi inte, förrän den 26 då. Hoffentlich alle froh! I morgon börjar Fredrik med fruntimmersveckan, då brukar det alltid regna lite.

God natt sov gott och trevlig veckända.
Din gamla Märta. Kuss.

Vad säger Du om laboratoriechefen i Finspång? Har skrivit Stefan Andersson-saga till lilla Karin på 3 ark i går! [Kanske den här?] Kyss igen.

Hur länge gäller Ditt uppehållstillstånd? Kuss!

An Laube geschrieben: Vielen Dank für Ihren Brief. Die Anschrift ist nach wie vor Dresden Ermelstr. Schreiben Sie aber an mich, wenn Sie einen besonderen Wunsch haben usw.

Kuss von Märta Zenker

Stefan.
Rolf och mamma Märta.
Erik framför "klätterträdet" på Salta.

Brev från Curt Böhme till Märta den 17 juli 1947

Högalids sommergård, 17. VII. 47.
Märsta

[Anm. Han skriver dubbel-m i "sommergård" genom att skriva enkelt m med ett streck över på tyskt vis. Märta påpekar det för Gerd med en pil och ett "Hm!". /SZ]

Liebe Frau Zenker!

Gulli hat so unheimlich viel Arbeit, daß ich ihr gern helfe, zumindest ein Lebenszeichen zu geben. Sie hat sich über Ihren lieben Brief sehr gefreut und dankt Ihnen recht herzlich dafür. Sie teilt Ihre Freude, nunmehr eine Wohnung gefunden zu haben und wir wünschen Ihnen viel Glück zu Ihrem neuen Heim.

Ja, es ordnet sich alles im Leben. Wir hoffen zuversichtlich, daß es auch bei uns der Fall sein wird. Wo wir einmal unsere Zelte aufschlagen werden, wissen wir nicht. Es hängt aber davon ab, ob und wo ich eine Stellung bekommen werde. Vorläufig haben wir dafür allerdings keinerlei Anhaltspunkte. Wir sind so glücklich, wieder zusammen zu sein. Wer könnte das wohl mehr nachfühlen als Sie, die Sie ja ebenfalls eine Trennungszeit haben durchmachen müssen.

Von Frau Aina Lochmann hat Gulli keinerlei Nachricht, obwohl Gulli mehrfach geschrieben hat. Wissen Sie etwas von Frau Lochmann? Hat sie Ihnen einmal geschrieben, oder sonst etwas von sich hören lassen?

Hier ist es wundervoll. Allerdings ist Gulli von früh bis abends vollauf beschäftigt. Aber - und das ist ja die Hauptsache, - die Menschen, mit denen wir zu tun haben sind so prachtvoll u. es herrscht eine Atmosphere des Friedens, daß wir mehr als zufrieden sein können. Mir persönlich schmeckt das Essen ausgezeichnet. Ich kann mich noch immer nicht an den Gedanken gewöhnen, nun endlich hier zu sein! Es ist eben das Paradies.

Wie geht es Ihnen und Ihrem lieben Gatten? Wir hoffen, bald wieder von Ihnen zu hören.

Viele liebe Grüße
Ihre
Curt u. Gulli Böhme

Gulli möchte gern Frau Lochmanns neue Adresse haben. Dank im voraus!

Brev från Hertha Zenker till Gerd den 18 juli 1947

Dresden, den 18. 7. 1947

Liebe Gerd! [sic]

Du hast an meinem Geburtstag mir wieder so einen schönen Brief geschrieben. Dafür danke ich Dir sehr. Auch ich grüße Dich herzlich noch nachträglich zum Geburtstag, und ich wünsche Dir in Deiner neuen Heimat recht viel Glück, gutes berufliches Vorwärtskommen und Segen in Deiner Familie. Ich glaube gern, daß Du nicht zum Baden kommst weil Du viel Arbeit hast. Von jeher bist Du ja so ein pflichttreuer Mensch nach preußischen Muster. Alle gehen zum Vergnügen und nur Du arbeitest. Aber das liegt eben in Dir, da kannste nix machen. Daß Dir die schwedische Sprache noch Schwierigkeiten bereitet, kann ich kaum glauben, denn Du warst doch schon so "firm". Wunderbar ist es, daß Ihr wieder eine Wohnung gefunden habt. Mit wie viel Liebe wird sie wohl eingerichtet werden. Es ist sehr schade, daß wir nicht mehr zu Deinen Sachen nach Kl. können. Ich habe es besonders auf unseren früheren Spielschrank abgesehen, den ich dringend für meinen beruflichen Kram gebrauchen könnte.

Ja, und nun das Wichtige und Traurige. Heute kam ein Telegramm aus Berlin vom Schwed. R. K., Abreise am 22.7. auf unabsehbarer Zeit unmöglich wegen Grenzschwierigkeiten! Bums, da sitzen wir nun da. Einerseits freue ich mich natürlich, daß Mutti hierbleibt, denn die Trennung wäre mir auch nicht leicht gefallen. Andererseits ist es schlimm. Die Aussicht auf den kommenden Winter ist grausig. Und mit alten Menschen ist alles noch viel schwieriger. Außerdem ist es jetzt, und es wird so bleiben, ernährungsmäßig katastrophal. Seit Wochen haben wir keine Kartoffeln mehr, alles andere ist zu wenig. Eine warme Mahlzeit am Tage ist Glück, schon wegen Strom. Wenn Schweitzers nicht wären mit dem Gemüse - -. Ich habe eben an Helene geschrieben, ob es möglich ist, jeden Monat mal ein Postpaket zu schicken, nur mit den billigsten Nährmitteln darin. Anscheinend gehen die Postpakete doch am sichersten. Ich weiß, daß das eine große Bettelei ist. Aber da nun Mutti hierbleiben muß, habe ich doch auch die Verpflichtung so zu schreiben, ich muß sie doch einigermaßen gesund erhalten, damit sie später noch nach Schweden fahren kann. Was wird noch alles werden? Es ist schrecklich, daß wir so weit entfernt sind, und nie mehr eine Aussprache möglich ist.

Ich habe noch gut zu tun, darum brauche ich mich für die nächsten Monate noch nicht zu sorgen. Ich will mir nun Mühe geben, Dir öfters mal zu schreiben, damit Du über unser Ergehen Bescheid weißt. Leider kann ich nie über meine Zeit verfügen.

Für heute sei herzlich gedankt, ich grüße Dich u. Märta recht herzlich.
Deine Hertha.

Brev från Elisabeth Zenker till Gerd den 19 juli 1947

An Gerd Zenker, Södergatan 2, Stockholm, Schweden von Elisabeth Zenker, Dresden A', Ermelstr. 13. D. 19. 7. 47

Mein lieber Gerd! das kommt davon, dass ich Dir keinen blauen Brief mehr schicken kann, da hat sich das Glück gewendet! Als ich gestern grad Deinen Frack schön in Falten legte u. mit Entsetzen die quellenden Sachen betrachtete, die in die kleinen Koffer sollten, kam das Telegramm v. Schwed. Roten + in Berlin: Transport d. 22. 7. auf unabsehbare Zeit unmöglich wegen Grenzschwierigkeiten. Da stand ich nun wie ein begossener Pudel u. konnte den Frack wieder in d. Schrank hängen. Wie Du schon in Deinem letzten lieben frohen Brief ahntest, gab's viel zu tun, ich war grad die ganze Nacht aufgeblieben und nun ganz umsonst alles Hoffen u. Freuen u. Vorbereiten. Ich ging ja etwas schwermütig herum hier bei d. vielen Abschiednehmen, Donnerstag war ich noch in Freital, aber nun bin ich wieder tiefbetrübt, dass m. Helenchen u. Du mir wie eine Fata morgana entschwunden seid. Ich hatte mir's doch gar so schön ausgemalt, mit den Sommer noch in Hinsnoret zu erleben.

Otto, der seemännische Optimist ("das kann doch einen Seemann nicht erschüttern") meint zwar, das Unabsehbar habe garnichts zu sagen, beim Militär habe vieles so geheissen u. die nächste Woche war's anders, aber es klingt mir doch recht bedrohlich. Wenn nicht so ca 30 alte Weiblein mehr raus gelassen werden? Und warum? freilich, 30 alte Weiber schwatzen mehr als 60 junge Männer und das soll vielleicht verhindert werden? Bei meinem Fleischer, der sich in lauter Trümmern wieder aufgebaut hat, steht gross an der Wand gemalt: im Leben fängt man dann u. wann wieder mal von vorne an. Wilh. Busch. Das versüsste mir immer das "Stehen", nun also kann ich mir's ganz persönlich zu Herzen nehmen.

Und Euch gratuliere ich herzlichst z. neuen Anfang im eigenen Heim. Endlich! nach 8 Jahren - eigner Herd (wenns auch Zentralheizung ist) ist Goldes wert. Ich bin so glücklich, dass Ihr nicht wieder als Untermieter anfangen müsst. Na, vielleicht kann ich Euch doch da mal im Herbst oder Winter besuchen, hoffentlich.

Grüss alle Sonnabends in Salta! Tausend gute Grüsse von Deiner Mutti

Brev från Gerd till Märta den 19 juli 1947

Brev från Märta till Gerd den 20 juli 1947

Salta den 20. juli 1947
"zwanzigsten Juli."

Kära lilla Du! Tack för brevet! Tänk i lördags e.m. vid 5-tiden, så tänkte jag, få se, om han ej har åkt hem i alla fall och kommer med bussen. Kommer - kommer ej. Men tänk, Lene ringde i kväll att Mutti fått besked från Berlin att fr. o. m. den 20 juli hålla sig beredd att på telegrafisk order lämna Dresden när som helst. Och hon hade skrivit Eure glückliche M. Så nu var dom lite ovissa, hur dom skulle ha det och undrade, om jag visste, om Mutti skulle få ligga i karantän. Det tror jag nog, att hon måste, men det är ju ej säkert. Om det bara är nån enstaka som kommer, kan dom väl ej ordna det. Så nu skulle dom komma hit på fredag alla m. frk. B. också och göra sin bilresa genast för att hinna med den. Karin och A. Marg. stanna här. Sen reser dom nedåt Vättern och Ingela och Lene o. H-g. fortsätter nånstans. På torsdag är det Axels [Hakelius, 50 år] födelsedag, kanske att dom kommer redan till den.

Tant Rut säger, att Karin var upprörd över, hur lite fröken B. gjorde och att hon verkade bortskämd o. lät Lene göra det mesta. Nina ska bo vid ett flygfält 6 mil norr om Oslo på vägen till Trondhjem. Det ärt helt anlagt av tyskarna det där, även officersbost., bruna trähus.

Jag känner mig så otillfredsställd i dag, för att Du inte har varit hemma. Nu tröstar jag mig med, att så här dags skulle Du i alla fall ha rest!

35 kr. kostar röntgen och 5 kr docenten för Stefan. - Irmeli var så söt och gullig i dag.

Vad tar det åt Curt nu då? [Se brevet från Curt Böhme av den 17 juli, som vidarebefordrades till pappa Gerd med detta brev. /SZ] Jag skrev ju och kallade honom Curt i förra brevet, hur ska jag göra nästa gång? Ska jag fråga Gulli, vad som är meningen? Jag gör mig såna förebråelser, att jag inte låtit Lochmann sätta sig i förbindelse med Mutti! Tänk för Aina att få en sån hälsning. Tror Du, att man kan telegrafera till ryska zonen också? I så fall skriv ett kort till Aina Lochmann adr. Fru Alva Pettersson, Borlänge. Det kan väl ej vara farligt för vare sig Mutti eller Lochmann? Gör det då!

Har termometern hållit. Vad har Pyk och Camner sagt? Skriv el. ring genast, så är Du snäll, så jag får veta, om Du är riktigt antagen.

En enda kyss från Din Märta.

Brev från Helene Tiblin till Gerd den 21-22 juli 1947

Hinsnoret den 21 juli 1947

Liebster Gerd!

Heute bekam ich 5 Briefe aus Deutschland auf einmal, ganz überwältigend, dabei einen von Cläre, der auch einen an Dich enthielt. Hier schicke ich Dir ihren Brief. Und vor allem schrieb mir Mutti eine Karte, die letzte vor dem Wiedersehen! Vielleicht hat sie auch an Dich geschrieben. Sie hat nun Bescheid bekommen, daß sie am 22. Juli von Berlin abreisen kann mit dem schwed. Bus. Das ist also morgen! Die Reise dauert wohl nur 2-3 Tage, aber dann schrieb sie selbst, daß sie 10 Tage in einem Lager liegen müsse. Aber was wird das sein? Sicher in der Nähe von Malmö. Das kommt nun ja ganz "querig dreinein" mit unserer Autofahrt. Henning wollte doch sein neues Auto mit einer Reise in Südschweden genießen. Wir hatten die Fahrt für die erste Augustwoche geplant. Aber da Mutti nun schon nächste Woche hier ist, haben wir nun gedacht, am Freitag nach Salta zu kommen und die beiden Jüngsten dort zu lassen. Wir fahren dann mit den Ältesten u. Ulla Berglund zum Vättern, damit sie was von ihrer schwed. Heimat kennen lernen. Und wenn wir erfahren können, wo Mutti ist, können wir sie ja dort unten aufsuchen. Ulla u. Mariann & Ingela fahren mit d. Zug von Jönköping nach Hause. Wenn wir Mutti dann in Malmö in den Zug setzen, könntet Märta u. Du sie in Stockholm empfangen u. mit nach Salta nehmen bis wir zurück kommen, denn eine so lange Autofahrt ist wohl zu anstrengend für sie. Im Grunde finde ich es zwar scheußlich, daß ich sie dann nicht selbst begleiten und gleich mit zu uns nach Hause nehme. Aber Henning hat ja seine Ferien nur bis 15. 8. Und da ist es noch schwieriger weg zu fahren, wenn Mutti grad angekommen ist, nicht. Und ganz einstellen möchte ich die Reise nicht, wo Henning sich so darauf gefreut hat. Und mich mitnehmen will er ja auch. Glaubst Du, daß Mutti das versteht? Sicher.

Herrlich, daß sie nun einen schönen Monat mit in Hinsnoret verleben kann. Da kann sie Beeren pflücken! Nanna u. Hertha schrieben beide sehr traurig über Muttis Abreise, Nanna auch voller Besorgnis, ob Mutti nicht Heimweh bekäme! Ja, möge alles gut gehen! Ich hoffe, daß sie sich gut bei uns einlebt.

Hörst Du machmal Beethovens Violinsonaten im Radio, gespielt von Jan Dahmen? Wunderbar. Da fühle ich mich nach Leipzig zurück gesetzt!

Cläre schrieb an mich, daß Nessi noch in Kärnten ist. Sie hatte es von Wolfgang gehört.

Ob Du nicht ein paar Tage Ferien bekommst, damit Du mal herkommen kannst wenn Mutti hier ist? Das wäre schön!

1000 Grüße. Deine Helene.


Den 22/7. ½ 11 Uhr. Gerade hab ich mit d. Roten + in Sthlm gesprochen u. die sagten, daß der Transport am 22/7 ab Berlin aufgeschoben worden ist bis zur ersten Woche im August! Und dann 10 Tage in einem Lager in Landskrona. Warum der Aufschub wußten sie nicht. Ob die Russen Schwierigkeiten machen?

Brevkort från Gerd till Märta den 22 juli 1947

Brevkort från Gerd till Märta den 24 juli 1947

Märtalein!
24. 7.

Dank für Deinen Brief, fleißiges Mädchen. Ja, min gamla åsna, ich wunderte mich nur, wie Du wissen konntest, daß mein Taschentuch so durchlöchert ist!

Nun ist die Schwiegermutter im Anmarsch! Hur känns det? Vorbei mit der goldenen Freiheit für die Schwiegertochter! Ich bekam heute die sensationelle Nachricht von Hel. 10 Tage Quarantäne ist ja langweilig!

Hast Du mich beim 50 Jahrestag würdig vertreten? Hätte ich selbst eine Glückwunschadresse verfassen sollen? Natürlich! Man kann sich ja nicht immer nur auf seine Frau verlassen.

Cläre schrieb u. fragte nach dem Schicksal des großen Schrankes!

Die Woche ist ohne große Ereignisse verstrichen, ausser der ersten lächerlich-feierlichen Sitzung des Wohnungsvereins.

Hoffentlich bleiben H + H bis Samstag bei Euch!

Muß lilla Märta.
Dein Gerd.

Brev från Eric Oxenstierna till Märta den 24 juli 1947

Brev från Hertha Ackermann till Märta den 24 juli 1947

Adr: Hertha Ackermann, Göttingen, Obere Karspüle 22

Göttingen 24/7 47

Meine liebe Märta,

dass Du an Deine Tante Hertha (vom Werrahof) so lieb gedacht hast in Form? dieses herrlichen L.-Paketes hat mich tief gerührt! Sei sehr herzlich bedankt, auch im Namen meiner uralten Mutter, die ganz besonders von solchen Lebensmitteln abhängig ist u. sie hier fast nie bekommt. Heute machte ich ihr einen schönen Pudding von der köstl. Trockenmilch. Sonntags gibt's immer mal 1 Stückchen Kuchen - eine besondere Delikatesse! Aber was das Paket auch enthielt - eins war so bewillkommt wie das andere!

Ich habe manches Mal an Dich gedacht, liebe Märta, wie Du die schwere Zeit allein mit Deinen Kindern, fern von Gerd, durchlebt hast. Ein grosses Glück, dass Du noch Deine Eltern u. Kinderheimat Dein Eigen nennst! Und jetzt ist es Euer alter Heimat u. bleibt es wohl auch. Mutti aus Dresden schrieb mir manchmal von Euch - vielleicht seht Ihr sie doch bald, ihr wäre es zu gönnen endlich wieder die Enkeltöchter u. -Jungens zu erleben, zu geniessen, wenn ich auch etwas traurig bin über langes Fernbleiben - ist Mutter uns ja immer ein Teil von Onkel Rudi, - den Du ja auch noch gekannt hast.

Wie habt Ihr Euch Euer Leben i. Salta eingerichtet, liebe Märta? Bist Du tätig im landwirtschaftlichen Betrieb oder ist Deine liebe Mutter noch so rüstig alles allein machen zu können? Und Gerd? Fand er etwas Passendes entsprechend seiner Begabung u. Ausbildung. Am 13. od. ist es d. 12/7 dachte ich seines u. des ... - wie glücklich wird er seinen Geburtstag im Kreis seiner grossen Familie gefeiert haben - die 3 Jungens sind ja schon bewusste kl. Menschen. Der kleine Rolf interessiert mich am meisten - möge er Dich so glücklich machen wie mich mein kl. u. grosser Rolf, liebe kleine Mutter! - Wenn Du mal ein Bildchen von den 3 hast - kriege ich wohl eins? Helenens Mädel sind mir nun auch ein Begriff geworden - wie sehr ähnelt die Grosse im Ausdruck der Grossmutter i. Deutschld.

Erinnerst Du Dich noch an die kl. Renate? Sie ist jetzt 15 Jahre, ein tüchtiges Mädel, lernt Weben u. Kunststricken u. s. w.; die 2., Marlene, war 2 Jahre i. Dänemark (dort festgehalten bei d. O...) u. hat wenigstens körperlich einen guten Grund bekommen.

Die beiden Kleinen, 8 u. 6 jährig, gedeihen d. Zeit entsprechend u. sind niedliche blonde Mädchen. Werner ist noch in Amt u. Würden, von den Engld. gehalten - hofftl. ist das von Bestand. Auch ihr Häuschen durften sie behalten. Weniger gut erging es Rolf's Frau - ihr ist das Haus enteignet worden, da das Grundstück seiner Zeit von einem Juden gekauft wurde. Und unser Rolf hat doch Stein für Stein erarbeitet, es ist bitter für unsere Uschi. Aber noch haben wir Hoffnung dass ihren Kindern, Peter u. Heidi diese schöne Heimat erhalten bleiben könnte.

Ich lebe nun schon 2 Jahre bei m. alten Mutter i. Göttingen, einer völlig unzerstörten Stadt. Dieser Winter war durch Kälte u. Krankheit sehr schwer, der schöne Sommer entschädigt uns etwas. Öfters fahre ich mal nach Hann.-Münden rüber - es ist nun immer noch halt die Heimat - es waren schwere aber doch die schönsten Jahre dort!

Nun, meine liebe Märta u. Gerd, seid herzlichst gegrüsst, von

Eurer dankbaren Tante
Hertha A.

Bitte frdl. Grüsse Deinen lb. Eltern.

Brev från Elisabeth Zenker till Gunhild af Sillén den 27 juli 1947

An Frau Gunhild af Sillén, Enköping, Schweden
von " Elisabeth Zenker, Dresden A21, Ermelstr. 13

D. 27. 7. 47

Liebe Gunhild!

Gerade hatte ich an meine liebe Schwester geschrieben, die 4 Tage bei mir zu Besuch war und so besorgt, uns nicht zu viel "wegzuessen", - dass zwar alle Büchsen leer seien, dass aber der liebe Gott noch immer wunderbar weitergeholfen hat, da kam die Karte, dass ich auf der Post ein Paket aus Schweden abholen könne. Welch frohe Ueberraschung! Unbeschädigt konnte ich Eure guten hochwillkommenen Gaben in Empfang nehmen u. danke Euch vom ganzen Herzen dafür. Ihr könnt Euch ja vielleicht gar nicht vorstellen, wie Ihr uns damit wieder ein Stück vorwärts helft im so mühseligen Kampf ums tägliche Sattwerden. Hätten wir Schweitzers nicht mit Gemüse, das nun mit Eurem schönen Mehl oder Bohnen gekocht werden kann, so wäre ich - seit Wochen ohne Kartoffeln - ganz ratlos, was kochen.

Und nun gar zur Ermunterung der kostbare Kaffee u. Butter u. gute Seife für die spröde Haut, alles mit Dankbarkeit begrüsste Sachen wie auch das nahrhafte Knäckebrot. - Ja, diese Freude entschädigte mich so für die bittre Enttäuschung, die ich 4 Tage vor der ersehnten Abreise nach Schweden hatte. Ich war gerade beim Packen, als das Telegramm kam: "Transport auf unabsehbare Zeit unmöglich wegen Grenzschwierigkeiten". Wie hatte ich mich gefreut und wenn es auch schwer war, von vielen Lieben hier auf lange Zeit Abschied zu nehmnen, so überwog doch die Sehnsucht nach den schwedischen Kindern u. Enkeln, sie endlich wieder einmal umarmen zu können. Nun heisst es sich bescheiden u. hoffen, dass es doch einmal möglich sein wird, ehe die Zeit dahinfliegt u. ich immer älter u. unnützer werde. Denn ich möchte doch nach Kräften noch helfen u. mit arbeiten können in Haus u. Garten. - Nanna meint, Du habest etwas geahnt von der vereitelten Reise, denn Du schriebst in Deinem Brief an sie in Bezug auf der Reise: "Hoffentlich ist es nicht zu spät". Aber vielleicht meintest Du bloss, weil der Sommer gar so kurz ist.

Nun werde ich das schöne Hinsnoret wohl nicht in der frohen Ferienzeit mitgeniessen können. Meine Gedanken eilen aber ebenso zu Märtha u. Gerd, ich bin so glücklich, dass sie so schnell sich ihr eignes Nest bauen können. Aber natürlich fühle ich auch sehr mit Dir, liebe Grossmama Gunhild u. Elof, es wird wieder so still um Euch und Du wirst das jahrelange schöne Zusammenleben mit Tochter u. Enkeln schmerzlich vermissen. Aber zum Glück ist es ja keine weite Fahrt zu einander, kein Luleå oder Malmö oder gar "zwei tiefe Wasser" wie zwischen Helene u. mir. Viel, viel Arbeit gibt's nun für Euch u. ich wünsche Euch, dass Ihr sie in guter Gesundheit u. ohne allzuviel "Aufregungen" übersteht.

Für heute grüsse ich Dich u. all Deine Lieben herzlichst und mit nochmaligem innigen Dank für Eure fürsorgende liebevolle Hilfe als

Deine tillgivna
Elisabeth

Brevkort från Gerd till Märta den 29 juli 1947 från Stockholm

29. 7

Märtalein! Ihr saht so über alle Maßen niedlich aus, wie Ihr so nebeneinander auf der Bank saßest (saßt) und Abschied winktet. Ich war längere Zeit der Mittelpunkt allgemeiner wohlwollender Aufmerksamkeit. Überfüllter Zug, ich bekam aber doch einen Fensterplatz - im Speisewagen, trank eine Tasse Kaffee.

Heute war ich auf Norrlandsgatan. Sie haben nur bis 17h offen. Willst Du ihnen nicht lieber einen Brief schreiben? Würde ich viel origineller finden als wenn ich versuche telefonisch zu verhandeln. Anschließend war ich auf Artillerigatan, um zu sehen wie Onkel Konstantin u. Tante Anna Zenker wohnen. Na scheußlich. Der Dürerplatz war direkt vornehm dagegen. Lustiger Anblick, das Namenschild im Hausflur zwischen allen Sven- und Karlsons! Vorm Haus stand ein Auto A-7411. Fast wie Eau de Cologne! dachte ich. Und was sah ich kaum 10 Minuten später? A-4711!! Zum abergläubisch werden. Soll ich nicht anfangen in der Lotterie zu spielen?

Ja, das sind meine großen Erlebnisse. Und Deine? Bei Dir passiert natürlich wiedermal nichts. Aber das ist ja bekanntlich das Beste, was einem passieren kann, oder?

Einen lieben kleinen Kuß von Deinem Schnupfengerd.

Augusti 1947

Brev från Margarete Wessner till Märta den 1 augusti 1947

Anm. Tante Wessner var vår hyresvärd vid Dürerplatz i Dresden under kriget. Närmare bestämt delade vi våning och kök med henne. Hon beskrevs av Märta som en förtjusande rar men lite naiv tant, som påminde mycket om ladyn (Katie Johnson) i filmen "Ladykillers". När Märta tyckte, att det var bra att Göring hade talat om hur allvarligt läget var efter slaget om Stalingrad, sade Tante Wessner: "Aber das hätten sie ja nicht verheimlichen können, das stand ja in der Zeitung!" Och en gång hade hon fångat upp ett rykte och berättade glädjestrålande, att tyskarna hade uppfunnit ett pulver som skulle få havet att stiga och översvämma England!

Nichtewitz, d. 1. Aug 47

Liebe Frau Zenker!

Sehr überrascht und hoch erfreut erhielt ich am 12. Juli vom Leipziger Lagerhof die Nachricht, daß ein Paket aus Schweden für mich dort liege, der Zusatz in beschädigtem Zustand war allerdings ein kleiner Dämpfer. Da ich für eine Fahrt nach Leipzig keine Reisegenehmigung bekäme, das die Sache auch sehr verteuren würde, denn in einem Zuge kann man nicht hin und zurück fahren, ließ ich mir das Paket schicken. Am 19. konnte ich es dann in Arzberg (unserem angrenzenden Nachbarorte mit Post) in Empfang nehmen. Unsere nächste Stadt wäre Torgau gewesen, wir liegen eben sehr abseits, seit kein Autobus mehr geht. Freudig überrascht war ich, daß die Bahnmauser es immer hin noch gnädig gemacht hatten. Das ganze schöne Mehl, mir das wertvollste, war noch vorhanden. Gestohlen waren die Makaroni, Bonbon, das meiste vom Zucker, ein Schnitz vom Speck und leider auch der Zwirn. Über alles Andere habe ich mich aber wirklich sehr gefreut. War es doch in den jetzigen Notwochen mir hoch willkommen und brachte gleich etwas Abwechslung in den jetzt recht eintönigen Küchenzettel.

Liebe Frau Zenker, haben Sie vielen herzlichen Dank für Alles, besonders für Ihre Güte, daß Sie mich wieder bedachten und erfreuten. Man schätzt ja jetzt Alles viel mehr als früher, wo man die Sorge um das tägliche Brot gar nicht kannte. Jetzt ist der Tag fast nur damit ausgefüllt. Ich gehe jetzt jeden Tag seit 3 Wochen Ähren lesen. Durch diese Möglichkeit bin ich immerhin in besserer Lage als mancher Städter. Gersten- und Roggengrütze mußten die fehlenden Kartoffeln ersetzen. Leider ist hier auch fast alles Gemüse mißraten. Wir hatten seit Monaten keinen Regen und Alles vertrocknet. Die eigenen Gärten haben, geben nichts ab. Wir haben bis 37°6 gehabt. Alles sieht mit Sorge in die Zukunft.

Nun, liebe Frau Zenker, Sie werden von überall her das gleiche Lied hören und können froh sein, daß Sie dieser Sorgen enthoben sind. Sie sind recht niederdrückend. Ich hoffe, daß bei Ihnen Alle gesund sind und auch Stefan wieder munter herumspringen kann. Freilich haben Sie wieder unter der Trennug von Herrn Zenker zu leiden. Ach, wir haben Alle so schöne Zeiten gehabt und wußten es gar nicht so recht. Haben Sie meine Briefe erhalten? Wann mag das Paket abgegangen sein? Das Einpackpapier war merkwürdiger Weise gar nicht "beschädigt".

Ich mußte den Brief ein paar Tage unbeendet liegen lassen. Es war Weizennachlese zu halten und Holz zu holen. So geht der Kampf ums Dasein allem Anderen vor. Man muß schon immer abpassen, wenn ein Feld leer wird, um bei den ersten zu sein. Radfahrer von auswärts kommen in Gruppen, manchmal gleich 50, sitzen am Wegrand und warten, bis das Feld frei ist. In einer halben Stunde ist es dann ganz leer, die Ausbeute für den einzelnen aber recht mäßig. Am Montag haben wir die ersten Kartoffeln bekommen, z. T. nicht größer als Kirschen und nur die Hälfte, d. h. 4 für 11 Tage. Wenn es nicht bald regnet, wird auch aus den Winterkartoffeln nichts werden. Ich glaube seit der Zeit des 30 jährigen Krieges waren nicht mehr solche Zustände und Notzeiten in Deutschland. Und doch hängt man immer noch an dem bischen Leben und wundert sich, daß man es, wie ich mit meinen bald 74 Jahren, überhaupt noch aushält.

Liebe Frau Zenker, ich würde mich sehr freuen, wieder einmal einen Brief von Ihnen zu erhalten. Für heute schließe ich den Brief mit nochmaligem herzlichen Danke. Bitte grüßen Sie Ihre Eltern; dem Stefan auch noch einen besonderen Gruß.

Mit vielen herzlichen Grüßen

Ihre
Margarete Weßner

Märta och Gunhild på Stallgärdet på Salta.

Brevkort från Gerd till Märta den 10 augusti 1947

10.8.

Liebste!

Im Westen Nichts Neues. Der Hohe Herr ist viel auf Reisen scheint es. Mein lieber Freund Dr. G. hält es für ganz sicher, daß die Erweiterung bezw. Neuorganisierung bald bewilligt wird, aber über den Zeitpunkt weiß er nichts bestimmtes. Jedenfalls werde ich mit dem Direktor sprechen, sobald ich ihn erwische, um wenn möglich eine feste Zusage zu bekommen. Für Munck habe ich mindestens noch bis Ende Oktober zu tun.

Ich finde die Zeit vergeht so schnell, im Handumdrehen werde ich Dich wieder bei mir haben! Ich komme zu garnichts, trotz aller meiner Zettelchen lebe ich nur für Kompressorexperiment, Radreifenflicken, Kartoffelkochen und Blumengießen. Nicht einmal an Erik habe ich geschrieben. Eben habe ich eine Büchse Bohnen in Tomaten erstanden und meinen Käse. Das wird prima schmecken Mensch. Nun habe ich die Ferienfilme entwickeln lassen. Sie sind wirklich ein bißchen grau u. flau. Eben alles ei mehr so ...

Sind meine Jungen lieb? Ist Erik mit in H.? Kuß mein Liebling!

Dein Gerd

Brevlapp från Gerd till Märta den 12 augusti 1947

12.8.

Märtalein! Es sieht nach wie vor langweilig aus in Ulvsunda. Heute fuhr ich nach U. hinaus und rückte Dr. G. auf den Pelz, telefonisch hört man ja doch nichts Gescheites, und Överdirektörn ist unmöglich aufzutreiben. Nun steht die Sache so, daß diese "utredning" anscheinend noch keinen Schritt weiter gekommen ist, im Gegenteil, jetzt ist die Rede davon daß vielleicht ein Institut für Motorenforschung wo anders gebaut werden soll u. dieses Inst. hier sich nach wie vor nur mit der Flugzeugzelle befaßt. In diesem Falle wird hier nicht so viel erweitert, und wir müßten von Stockholm weg wer weiß wohin ziehen. Es ist aber wie gesagt noch nichts bestimmt u. kein Mensch ahnt, wann die Entscheidung fallen kann. Dr. G. wollte versuchen, mich in einer "Wartestellung" unterzubringen, z. B. als Maßknecht in einem Windtunnel, aber da könnte ich nicht mehr bekommen als die dort angestellten Fachschulingenieure, nämlich 500:- brutto inklusive Index, ungefähr 420 netto! Über so etwas könnte man ja diskutieren, wenn es sich um höchstens ¼ Jahr handelte mit absolut sicherer Aussicht auf später, aber so kommt es natürlich nicht in Frage. Nein, nun muß ich Briefe schreiben und vielleicht Swedenborg besuchen, d. h. erst wenn ich ihn um eine bestimmte Empfehlung bitten kann. In bezug auf unser Bleiben in Stockholm sehe ich schwarz. Mist!

Ich habe so viel zu tun, Kleine. Nächsten Sonnabend mache ich nichts, erst Sonntag früh fangen wir an. Sonst geht mir's gut, ich bin garnicht magerer geworden. Ich bin nämlich ein vorzüglicher Koch, viel besser als die Schuster bei Norma! Morgen bin ich zu Kark eingeladen. Leb wohl meine gute liebe Kleine. Vielleicht rufe ich gelegentlich mal an.

Kuß Gerd.

Brev från Hertha Zenker till Gerd den 12-13 augusti 1947

Dresden, den 12. 8. 1947

Lieber Gerd!

Genauso schnell wie Du will ich auf Deine Karte antworten. Ja, wer hätte das gedacht, daß die Grenzschwierigkeiten so schnell behoben würden. Es ging uns dann fast zu schnell. Nun wirst Du unsere Mutti schon längst in Deine Arme geschlossen haben, und sie hat sicher viel erzählt. Ich wünschte, wir könnten Euch allen erzählen! Bei Mutti wird bald wieder vieles verblassen, und sie stürzt sich nun mit ihrem Temperament in das neue Leben. Lieber Bruder Gerd, Du wirst zwar denken, "die kleine Schwester unkt immer", aber trotzdem will ich schreiben; denke bei allem was Mutti erzählt oder schildert eine Note schwärzer.

Ich muß gestehen, daß ich schon jetzt eine große Sehnsucht nach meiner Mutti habe, und ich mir gar nicht vorstellen kann, das sie so weit und solange fort ist. Aber - es ist ein großes Glück, daß sie bei Euch ist. Die täglichen Ärgernisse, Sorgen und die ewige Hungerei ist nicht schön. Jetzt eben ist's wieder schrecklich. Keine Kartoffeln, kein Gemüse, noch keine Nährmittel aufgerufen. Heute haben wir z. B. noch nichts gegessen. Da kannst Du Dir nicht die allgemeine Stimmung vorstellen. Denn wenn der Mensch Hunger hat, bekommt er schlechte Laune. Manchmal gings hoch her bei uns, lass Dir von Mutti erzählen. Übrigens bekam ich einen ausführlichen Brief von Mutti aus Landskrona aus der Citadelle. Ich kann mir vorstellen, daß sie alles mit gutem Humor überstanden hat. Für Erlebnisse "was zu sehen", für "Schillernde Ideen" war sie immer zu haben, wie ich für "Menschen - Tiere und Sensationen" bin! Nun hat sie schon Deine Söhne (wie das klingt) begrüßt, wohl überhaupt die ganze schwedische Verwandtschaft. Wahrscheinlich ist sie, ich nehme es an, in Hinsnoret und betätigt sich schon im Garten, Ihre Lieblingsbeschäftigung. Aber ich bin begierig alles zu hören und mit teil zu haben, schließlich bin ich ja Eure kleine Schwester!

Was soll ich Dir noch schreiben? Schweitzers sind bis Ende der Woche bei Ottos Bruder in Quedlinburg. Eigentlich wollte ich jetzt Urlaub machen um den Garten zu bewachen, aber ich kann die Arbeit nicht im Stich lassen, das kann ich mir einfach nicht leisten. Jetzt will ich zu einer Wöchnerin gehen, Gärtnersfrei, ich hoffe, daß da Tomaten oder Gurken "rausspringen". Ja, so ist man geworden! Halte mir den Daumen, daß bei meinen Wöchnerinnen immer alles gut abgeht, es gibt kaum mehr die richtigen Wehenmittel und Medikamente.

13. 8. Gestern wurde ich unterbrochen. Abend 22.30 kamen noch Leute zu mir und wollten beraten werden. Mit einer Hebamme können sie alles machen. Jetzt ists wieder so spät, ich bin wieder totmüde, bekam heute wieder ein Kind! Was macht Deine Arbeit im fremden Land? Oder bist Du nun eingewöhnt. Aber schließlich ist doch Heimat - Heimat.

Braucht man in Schweden vielleicht Hebammen? Wahrscheinlich nicht! Und wir Deutschen sind doch nicht gern gesehene Gäste!! Grüße Märta und die Kinder. Ich schreibe schon wieder mal. Und Du mir hoffentlich auch. Vergiß Deine kleine Schwester nicht. Gruß u. Kuß von Deiner Hertha.

Brevkort från Gerd till Märta den 21 augusti 1947 från Stockholm

21. 8.

Mein Liebling!

Ich danke auf das Allerweichste für deinen lieben Brief. Du är en snäll flicka, det är vad Du är det.

Eben war ich bei der herzigen Frau Westell. Sie lächelte hold, wohl in Erinnerung an ihre Schokolade. Der Mietkontrakt ist noch nicht fertig, wird es voraussichtlich nächste Woche. Ich bekomme ihn dann zugeschickt.

Gestern war ich noch einmal in Drottningholm, diesmal mit Eva. Es war wirklich hübsch. Nur ein bißchen fatal, daß ich zum Vergnügen der Parkbesucher die Erlebnisse von Mormors Moster und Mosters Mormor so ausführlich und laut zu hören bekam. Wir waren beide höchst zufrieden mit unserem Ausflug. Ich bringe Eva also am Sonnabend mit, sie ruft vorher wohl noch an.

Deine Obsttüte war natürlich eine Katastrophe, aber dank meinen überaus geschickten Manipulationen war der Totalverlust nicht größer als 1 Apfel und 3 Bohnen, die aus der Strassenbahn fielen. Meinen Apparat soll ich mitbringen? Das habe ich doch schon vorige Woche getan. Oder meinst Du vielleicht den Vergrößerungsapparat? Den hast Du doch!

Nein, Schluß für heute, höchste Zeit.

Kuß!
Dein Gerd

Brev från Lene till Gunhild den 23 augusti 1947

Borlänge, den 23/8 47

Kära Gunhild!

Våra hjärtligaste lyckönskningar till födelsedagen. Synd, att Du inte kan fira den uppe hos oss, det var ju så roligt i fjol! Men nu är det ju sista gången Du har Märta och pojkarna hos Dig, så alla kan sjunga för Dig och då får vi ju finna oss. Hoppas Ni är friska nu allihopa, så det blir en trevlig födelsedag.

Jag måste ge en förklaring till vårt paket, eftersom Märta nu sätter bo igen, tror Du kanske att sakerna äro till henne, men det är verkligen meningen, att det skall vara till Ditt hushåll; hur det än är så behöver man väl förnya lite då och då, eller hur?

Vi ha nu liksom två hushåll och flänga ut och in. Henning har skolbarnen och en av oss vuxna med in varje kväll och så kommer dom ut allt efter skolan slutar med tåg eller bil. Då är det verkligen härligt att ha Mutti här, så kan dock alltid 2 vuxna vara i Hinsnoret över natten. Annars är vi ju så rädda!

Tyvärr vågar vi inte bada längre i Runn, inte ens hos oss, då det har varit flera barnförl.fall, som tros hänga ihop med vattnet i Dalälven. I år är det ju värre än någonsin!

Tack för att Ni ringde till min namnsdag, det var så tråkigt att jag ej var hemma. Hade kafferep först dagen efter i härligaste väder. Hur var det på silverbröllopet och i kväll på Kurö?

Många hälsningar till Er alla. Hjärtligt tack för Märtas brev också. När skall dom flytta till Gubbängen?

Henning var nyss hemma på kaffe och hälsar med mig.

Din Lene.

Brev från Märta till Gerd den 25 augusti 1947

Månd. Prinsens begravn. [Säkert prins Eugens.]

Kära Du! Nu ska vi fara in till stan m. Karin o. Irmeli. Ma. vart så glad åt boken. Av Lene fick hon bl. a. en ask tjeckisk choklad. Av Erik en konservöppnare, som det står Can Opener D.R.G.M. på, det bet. väl tyskt patent. [Deutsches Reichsgebrauchsmuster.] Och ett ex. av The Statesman and Nation, som är en kommunisttidn. Nina har hastigt fått avbryta sin bröllopsresa, då Kåre fått kommendering t. Amerika för 1 år o. ska resa 3 sept. Då ska hon resa efter lite senare. Ma. far nog till Hinsnoret på onsd. Tänk, en sån härlig dag igen. Soffan är färdig i dag. Tänk, Tantes paket skickade jag i november! Nu ska jag ta med kissprov till apoteket, hoppas vjag ej har äggvita.

Hur har Jenny och Du det. Må så gott min lilla älskade Gerd! Kuss + Liebe från Märta

Stefan heute mit der Schule auf Ausflug zu Karlssons i Risberga mit Saft u. Kuchen.

Brevkort från Gerd till Märta den 27 augusti 1947 från Stockholm

27. 8.

Meine kleine gute liebe alte Märta!

Na was Ihr aber auch für Dummheiten macht. Kannst Du Dir vorstellen, daß ich beim Manövrieren in d. Garage einen Buckel ins Auto machen könnte? Absurde Idee! Muß ich am Samstag zu Fuß hinaus pilgern? Dann würde ich mit dem 17.55-Bus fahren. Schreibe mir bitte, was ich tun soll, damitich nicht 2 Stunden unnütz herumsitze.

Vielen Dank für das Telefonbestellen - heute riefen sie an u. fragten nach meinen sämtlichen Vornamen. Auf Cirkelvägenhaben sie noch kein Kabel, deshalb würde es wahrscheinlich bis Oktober dauern. Wand- od. Tischapp.? Wand bitte, sagte ich. Es ist wohl doch am besten, das Telefon draußen zu haben: 1) nah von der Küche, 2) ungestörter, wenn Besuch da ist, 3) sieht im Wohnz. nicht besonders hübsch aus. Reicht es mit 3 Gesprächen täglich? Aber jewiß doch, sagte ich und dachte an unsre schweigsame Ehe. Wenn Du alle neun Freundinnen auf einmal einladen willst, mußt Du eben schon drei Tage vorher damit anfangen.

Der Mietkontrakt ist noch nicht da. - Heute hat mich unser Nachbar und Hausfreund Lars mit Gaben überschüttet: Pflaumen aus seinem Garten (den er zugunsten des Atlas-Reihenhauses aufgeben will!), dann Pervitin-Tabletten, und zuguterletzt legte er noch die Titel mit mir weg. "Ich bin zwar 3 Monate jünger" sagte er. Ich hätte ihn für mindestens 42 gehalten. Um die hohe Ehre zu unterstreichen, sagte er daß er durchaus nicht mit allen auf du ist.

Mit Tant Jenny vertrage ich mich großartig. Wir sind uns darüber einig, daß wir sehr gut allein auskommen. Sie atmet wohl auf, die Ärmste. Also - behaltet Eva noch ein bißchen, wenn's geht! War der Namenstag heute ein Erfolg? [Rolf-dagen.] - Hast Du schon eine Diagnose von der Apotheke bekommen? Du wirst doch nicht?! Heute Brief v. Hertha. Von Mutti habe ich noch nichts gehört, sie lebte in Dr. tatsächlich in größerer Nähe!

Sehr lieb! Immer Dein Gerd.

Birger Lindberg, Bern Kiendl.

September 1947

Brevkort från Gerd till Märta den 10 september 1947

10. 9. 47

Liebste!

Nun habe ich endlich den Kontrakt bekommen. Ich rief Frau Westell an und fragte, wann die Wohnung fertig wird. Quarter Krumcirkeln 15. 9., Quarter Stångcirkeln 1. 10. Also! Schlüssel kriegen wir draußen "förstås". Ich war heute mittag in G. [Gubbängen] (geschwänzt, keiner hat's gemerkt!), es war aber weit und breit niemand Sachverständiger zu sehen. Die Wohnung ist jetzt tatsächlich fertig. Kühlschrank eingebaut.

Kleiderhaken i tamburen (unter dem El-zähler). Großes Wandschränkchen mit prächtigem Spiegel im Bad! Keine Gardinenstangen. Badfenster (Scheibe): 43 x 122 cm. Soweit ganz schön.

Nun aber etwas häßliches: die Kinderbetten sind in 3-4 Wochen nicht lieferbar. Bis dahin müssen wir uns also mit Evas Matratzen behelfen. Können zwei darauf schlafen, glaubst Du? Können wir für kl. Erik das Kinderbett mitnehmen? Oder soll er in der Besuchssitze schlafen?

Sensation: Heute kam ein Ingenieur aus dem Konstruktionsbüro mit einem Brief von List in D.Land! Er will allerlei Angaben u. Zahlen für sein neues Buch haben. Wie wird er staunen, wenn er alles nach Listschen Methoden ausgerechnet u. zusammengestellt bekommt! Ob er wohl weiß, daß ich bei A-D bin? Vielleicht durch Oschatz.

Macht's gut!

Zenker.

Karin och Margareta af Sillén.

Oktober 1947

Brev från Marianne Schweitzer till Gunhild af Sillén den 1 oktober 1947

Dresden, den 1. 10. 1947

Meine liebe Gunhild!

Dein so liebes Gedenken zu meinem Geburtstag tat so gut. Habe recht vielen Dank dafür. Es tut uns so gut, zu wissen, dass es in einer freudigeren Welt Menschen gibt, die herzlich an uns denken und an unserem Geschick liebevoll teilnehmen. Leider, ach leider kam Dein angekündigtes Paket nicht an, das mit so viel Freude und Erwartung ersehnt wurde. Ich habe nun auch nicht mehr allzuviel Hoffnung, und wir sind Beide so traurig darüber. Helene schickte auch ein Geburtstagspaket, das kam am 24. 9. schon an, Ende August abgesandt. So konnte ich den Geburtstagskuchen backen; aber ich wäre vielleicht nicht so üppich und spendabel gewesen und hätte 750 gr. Mehl verbacken, wenn ich nicht geahnt hätte, dass Dein angekündigtes Mehl nicht ankommt. Aber, Alle waren so glücklich über richtigen Kuchen mit weissem Mehl und Milch, dass ich nun nicht denken darf: 'Hätte ich nur gespart!'. Ihr könnt und könnt under Leben nicht nachfühlen. Selbst Nessi und alle Anderen drüben können es nicht.

Augenblicklich geht es uns, seit Mitte September, Allen wieder gut. Seit daher haben wir Kartoffeln. Am Sonntag kamen nun bei allen Geschäften die Kartoffeln bis Ende November an (pro Tag pro Person 1 [Pfund]). Teilweise mussten sie nachts noch abgeholt werden. Wir hatten Glück, mein Kaufmann bekam sie am Sonntag Nachmittag und wir bekamen unsre ½ 8 Uhr abends, ohne sehr langes Anstehen. Nun geben wir uns ja Mühe, wirklich nur 1 am Tag pro Kopf zu verbrauchen, aber das ist so schwer, abends will ja auch etwas auf dem Tisch sein, und Brot ist knapp. Na, immer wieder will man von der täglichen Misere schweigen, aber sie rutscht doch heraus, und ganz jammervoll ist einem zu Mute, wenn einem solch herrliches, Tag und Nacht geträumtes Paket wieder entschwindet. Sicherlich waren herrliche Dinge darin. Etwa gar Fettiges und Büchsenmilch (d. h. Trockenmilch)? ach und all die Herrlichkeiten überhaupt. Seit wir zuletzt Butter sahen ist es 14 Tage her.

Aber Schluss, lieber Erfreulicheres, und Gott sei Dank gibt es auch davon zu berichten. Heute fing Otto als Dozent in unserer alten Lehranstalt, der höheren Staatslehranstalt für Gartenbau, an. Man berief ihn vor Kurzem, wenn er das politische Unbedenklichkeitszeugnis der Blockparteien bekäme. Da Otto, wirklich ganz uneigennützig, seit 1945 überall mit zugriff wo es aufzubauen galt, sei es praktisch in Sonntagseinsätzen, oder planend als Architekt, wurde ihm das auch gegeben. Es ist eine rechte Anerkennung und Ehrung, die ihm zuteil geworden ist, und wir sind sehr froh und dankbar. Otto lehnte eine direkte Anstellung ab und nahm nur einen Lehrauftrag an. So kann er Freischaffender bleiben, Architekt, Maler, Gartengestalter. Er hat sich diese Stellung ja wirklich mit Fleiss und Können selbst erobert. Nun hat er 3 Tage in Pillnitz zu tun, aber es ist ja ganz nah und gut zu erreichen.

An Euch dachten wir in den letzten Tagen viel. Märta und die Jungens werden Euch nun verlassen haben, und Ihr werdet es erst recht einsam haben. Aber für Dich Gunhild, ist etwas mehr Ruhe wohl ganz gut, und für Märta und Gerd freue ich mich doch so, dass sie eine eigene Heimat gefunden haben. Ist Gerd eigentlich mit seiner Stellung zufrieden? Lässt sie sich ausbauen?

Für Dich hoffe ich, dass Du in Elfriede Müller eine tüchtige Hilfe bekommst. Sie ist einmal im Seidelschen Betrieb in der Betriebsküche leitend tätig gewesen und da recht tüchtig gewesen, und sie ist ein lieber Mensch. Sie ist ja auf der Landfrauenschule ausgebildet worden, war auf einen Lehrhof, und alle im Landhaushalt vorkommenden Arbeiten sind ihr vertraut. Hoffentlich klappt es mit ihrem Kommen bald. Die kleinere Schwester kann keine haushaltliche "Fachausbildung" nachweisen, nur eine gärtnerische, also bleibt sie hier. Elfriede schrieb an das schwedische Konsulat und schickte die Papiere ein, ich bat sie, Dir die Abschrift ihres Schreibens zu schicken.

Nun leb wohl, liebe Gunhild, hab noch so vielen, vielen Dank für Deinen Brief und das verlorene Paket. Wieviel Mühe und Wert ging damit auch verloren, hab 1000 Dank. Dir und Elof von Otto und mir viele herzliche Grüsse.

Deine dankbare Nanna.

Brev från Marianne Schweitzer till Märta den 1 oktober 1947

An Frau Märta Zenker, Stockholm, Södergatan 2IV, adr. Wiedemann
von Frau Marianne Schweitzer, Dresden - A46

[Vi hade just fått våningen i Gubbängen. Nanna skriver till Vidman-adressen, där pappa Gerd dessförinnan var inackorderad hos tant Eva.]

Dresden, den 1. Oktober 1947
Kleinzschachwitzer Ufer 3

Meine liebe Märta!

Es ist äusserst praktisch, dass mein Geburtstag so kurz vor dem Deinen liegt, und mein Dank für Deinen lieben Brief gleichzeitig die Wünsche für den Deinen mit bringt. Also 1. viel, viel Dank für Deinen so netten Brief. Es tut so wohl, so liebe Briefe aus einer geordneten Welt zu bekommen, in der man doch nicht vergessen wird. Ja und 2. alle nur denkbaren guten Wünsche gehen zu Dir, die Du nun zum 1. Mal im wirklich eigenen Heim Deinen Geburtstag feierst, in richtigen eigenen 4 Wänden. Wie freuen wir uns mit Euch. Gerd hat's direkt gut, er braucht kaum zu überlegen, was er Dir schenken soll, alles kannst Du brauchen, alles freut Dich. Zu schade, dass man nichts schicken kann, vom wenig Verbliebenen gäbe ich Euch so gern dies oder jenes ab. - Aber hab Dank für den Bilder-Wunsch, wir werden ihn erfüllen sobald es uns möglich.

Jetzt kommt nun das Einwintern des Gartens und der Tiere. Otto ist gerade beim Stallbau für unsre neue Eierfabrik, die morgen 2 Mann - lies Hühnchen - hoch hier ihren Einzug halten werden - gegen 2 Kaninchen getauscht. Also, geht's gut, so werden wir doch Ostereier haben. 2 werden wir gerade füttern können, hoffe ich. Die Körnerfrage ist ein Problem, aber für's erste haben wir Gerste und ich baue auch neue Gerste für übers Jahr an. Und irgendwie wird Rat werden. Sie haben ja einen grossen Auslauf und können tüchtig picken. - Eine Wollfabrik für unsre nächstjährige Wäsche (Hemden usw.) sitzt in Form eines Angora-Kaninchens auch im Stall, es soll Stamm-Mutter werden. Im übrigen haben wir noch gegen 30 Klein-Chinchille. Manche schlachten wir selbst, die meisten will ich gegen irgend etwas tauschen. Holz - Kohl - Obst - Körner. Das ist ein Ausschnitt aus unsrer Landwirtschaft, die ein gut Teil unsres Lebens ausmacht.

Sonst geht's uns passabel. Heute ist ein feierlicher Tag für uns. Otto fing in der Pillnitzer Lehranstalt - an der wir Beide einst selbst hörten, arbeiteten und uns verlobten, als Dozent an. Nachdem er dafür ein pol. Unbedenklichkeitszeugnis der Blockparteien bekam fängt es nun an. Die Berufung ist Anerkennung und Ehrung für ihn, die mich so freut, er hat sie sich in seiner unermüdlichen Arbeit wirklich verdient. Eine feste Anstellung nahm er nicht an, sondern einen Lehrauftrag über 15-20 Wochenstunden. (Planzeichnen, Gartentechnik, Feldmessen) So kann er Freischaffender bleiben, woran ihm gelegen ist. Aber ein gewisses Fixum tut uns doch sehr gut und nimmt die Sorgen weg. - Mit der zunehmenden Einwinterung hoffe ich auch wieder mehr an Schreibtisch- und Reissbrettarbeiten zu kommen, um so mehr als der Verleger darauf wartet. Der Garten frass mich doch fast auf, aber ich weiss nicht, was wir - und viele Andere mit - ohne ihn gemacht hätten. Für das Wintergemüse hätte ich gern noch frostfreie Tage und Nächte, Chinakohl und Kohlrabi sollen noch wachsen.

Dass wohl wahrscheinlich das Salta-Geburtstagspaket verloren ist, ist ein grosser Schmerz für uns. Aber ich habe wenig Hoffnung mehr, Helenes, später abgeschickt, kam schon am 24., und in der Hoffnung auf Eures, spendierte ich bissel viel aus ersterem, allein 750 gr. Mehl! Na, es war aber jeder so dankbar und glücklich über richtigen Kuchen mit Mehl und Milch! Die herrliche Büchsenmilch! Ihr müsst denken, dass wir nie Milch sehen. - Das Herz dreht sich bissel um vor Trauer um das Paket, Ihr könnt das garnicht nachfühlen. - Wir amüsieren uns fast über Nessi's Entsetzen, die das erste Mal ohne allzuviel Zusatz leben muss, wie wir seit 2 Jahren. Dabei geht es ihr bedeutend besser, aber sie wurde eben aus - für unsere Begriffe - dem Paradies - vertrieben, unsre Körper zehren nun schon 2 Jahre von der Substanz.

Nochmals, alles alles Gute und sehr viel Dank
Deine - Eure Nanna

Ob Mutti bei Euch ist zum 26.? Dann soooo viel Grüsse!

[Ottos handstil:]

Liebe Märta! Auch von mir recht viele Grüsse und herzliche Wünsche zum Geburtstag. Wie gern würde man mal zum Geburtstags Kaffee kommen im neuen Heim. Vor einigen Tagen kam uns das Foto unter die Augen, auf dem wir mit deiner Mutter im Rasen auf der Emser Allee sitzen! [Se juni 1940.]

Herzliche Grüsse, alles Gute
Dein Otto

Brev från Renate Zenker till Märta den 4 oktober 1947

Freital, am 4. 10. 1947

Meine liebe Tante Märta!

Zu Deinem Geburtstag schicke ich Dir die herzlichsten Grüße und guten Wünsche aus unserem leider so entfernten Nest. Ach Du, wir müßten uns mal wiedersehen! Wie schön muß das für Großmutter gewesen sein. Das war vorher eine Aufregung hier! Jeder hatte etwas anderes auf dem Herzen, was sie Euch erzählen sollte, sie hätte sich eine lange Liste machen können. Ich hoffe immer noch sehnsüchtig auf eine Schweden-Reise.

Ihr habt uns vor einiger Zeit ein schönes Paket geschickt, habt vielen, vielen Dank! Es kam kurz vor meinem Geburtstag, und der hat dadurch einen festlichen Glanz gekriegt. Ach, es ist schrecklich, daß wir so viel Zeit jetzt brauchen für die Wirtschaft, man wird gar nie fertig, immer muß man rumlaufen. Aber es gibt auch noch Schönes hier, und man bekommt auch mehr Sinn für die kleinen Freuden. Ich habe bis jetzt Herbstferien gehabt, und da ich zum Geburtstag etwas Geld geschenkt bekommen hatte, konnte ich öfters ins Theater gehen. Das Schönste war ein Sinfoniekonzert der Dresdner Staatskapelle (Orchester der Bühnen der Landeshauptstadt Dresden) unter ihrem Dirigenten Keilberth. Das ist so ein wunderbarer Mann, er ist noch nicht lange hier, ist aber schon sehr gefeiert. Es ist herrlich, Keilberth zu beobachten, wie er ganz in der Musik schwingt und seine Leute ganz fest in der Gewalt hat. Ich glaube, daß sie für ihn begeistert sind und gern unter ihm spielen. - Das Konzert war sogar in Freital! Da ist jetzt der Goldene Löwe, ein großer Saal als Theater eingerichtet. Sonst spielt die Kapelle immer in Bühlau, das ist schrecklich weit.

Auch sehr schön war ein Farblichtbilder-Vortrag mit mikroskopischen Farbaufnahmen. Das war erstaunlich! So eine Farben- und Formenschönheit! Wir sahen Schmetterlingsstaub, Steinschliffe, Algen und noch viel unter dem Mikroskop photographiert und daneben ein expressionistisches Gemälde - die beiden waren verblüffend ähnlich! Der Vortragende versicherte aber, daß der Maler nie so eine Aufnahme unter dem Mikroskop gesehen habe. Das ist doch interessant.

Bis zum nächsten Sommer muß ich noch zur Schule gehen, dann mache ich das Abitur, hoffentlich wird's erträglich! Der Winter wird noch mal furchtbar werden. Fest entschlossen habe ich mich noch nicht, was ich dann tun will, vielleicht werde ich Bibliothekarin. Ich hab mich neulich mit einer jungen Frau unterhalten, die erzählte sehr begeistert davon. Es ist allerdings sehr schwer, zum Studium zugelassen zu werden, die Universitäten und Schulen sind überfüllt. Hoffentlich schaffe ich's! Ich muß aber erst 21 Jahre alt sein, jetzt bin ich 18. Bis dahin hätte ich ja Zeit, nach Schweden zu kommen!!

Seid Ihr jetzt in Eurer neuen Wohnung? Ist sie schön? Und geht's Euch gut? Morgen ist Rolfs Geburtstag, und ich habe ihn solange nicht mehr gesehen! Weißt Du noch, wie er immer sagte: "Ankan gehn!"? Die ist nun schon lange tot.

Nun herzliche Grüße an Euch alle von Deiner Renate.

Brev från Hertha Zenker till Märta den 6 oktober 1947

An Frau Märta Zenker, Salta Gård, Enköping - Schweden
Abs: Hertha Zenker, (10a) Dresden - A21, Ermelstr. 13I, Sowj. Zone, Bundesland Sachsen, Deutschland.

Dresden, den 6. Oktober 1947

Liebe Märta!

Dies soll Dein Geburtstagsbrief werden - und was passiert, das Licht geht aus. Eine Stunde Pause! Auf dem Chaiselongue habe ich gelegen, und bin nun furchtbar müde. Jeden Abend beginnt das Spiel von neu an, gegen 19 Uhr Licht aus, gegen 22 Uhr Licht an. Ab morgen soll es besser werden. Tags über gibt es dann keinen Strom und abends soll das Licht da sein. Eine Frage: wo und wann kochen wir. Was wir kochen, ist ja noch ein anderes Problem. Heute, an einem wunderschönen Herbstsonntag war ich noch bei Nanna im Garten und habe für die Küche noch die letzten Tomaten geholt, sie sind leider durch die letzten Frostnächte schon etwas angefroren.

Ich denke daran, daß Ihr in Eure neue Wohnung ziehen wolltet! Gehört dazu auch ein Gärtchen? Es ist nicht schön zum Winter in eine neue Wohnung zu ziehen, sie ist ja sicher noch etwas feucht. Aber sicher kannst Du mal heizen, was ja bei uns ein besonderes Problem darstellt. Am Dienstag kommt zu uns der Maler, denn ich lasse die Küche machen, was hochnotwendig ist. Durch Muttis Weggang ist die Wohnung ja ziemlich verlassen, wir hausen fast nur im Orient, weil das Zimmer als Einziges nur die Sonne hat und dadurch am wärmsten ist. Aber trotzdem möchte ich doch keine fremden Leute in der Wohnung haben. Wie wird wohl nun Deine Küche aussehen. Ist sie modern eingerichtet mit Wandschränken usw.? Du hast so hübsche Sachen hier, die Du doch sicher gut gebrauchen könntest, wenn man sie nur verpacken und schicken könnte.

Die Kinder werden selig sein mit ihrem Papa zusammen zu sein. Ist Stefan jetzt in die Schule gekommen? Es wird ihm sicher die Schule nicht schwer fallen, denn er ist ja von Anfang an so ein aufgeweckter Junge. Die Kinder wachsen heran, Du merkst es kaum, und schon hast Du große Söhne! Gerd wird froh sein, daß er wieder ein Stück erreicht hat und mit seiner Familie wieder zusammen ist. Ein gestecktes Ziel zu erreichen ist ja bei Euch noch immerhin möglich, wenn auch mit vielen großen Mühen.

Wir wissen nicht was uns der nächste Tag bringt, wir werden fast mutlos bei dem Kampf um das tägliche Einerlei. Ich habe immer noch genügend zu tun, ich versorge meine Mütter und Kinder. Augenblicklich habe ich etwas Ruhe, es sind weniger Geburten. Aber aus dem Hause zu gehen um Entspannung zu suchen wage ich nicht, denn es könnte ja jeden Augenblick eine Geburt gemeldet werden. So ist der Sommer dahin gegangen ohne Urlaub, den ich so nötig gebrauchen könnte. Vielleicht mache ich Ende des Monats eine kleine Spritztour nach Berlin für wenige Tage. Dort kennt mich kein Mensch, und ich brauche nicht an jeder Ecke stehen um die Mutti mit den Kinderwagen zu begrüßen.

Nun, meine liebe Märta, es wird Zeit, daß ich an Dich denke, um Dir meine herzlichsten Grüße und Glückwünsche zu senden. Meine guten Wünsche begleiten Dich in's neue Jahr. Grüße meinen lieben Bruder, die Kinder drücke ich an mein Herz, Deine Hertha.

Brev från Susanne ("Suse") Zenker f. Tunder till Märta den 9 oktober 1947

Brevkort från Märta till Gunhild den 29 oktober 1947

Kära Du!

Jag har ej fått klart för mig hur det blivit med Hultén riktigt! Tack för brevet. Nu har det suttit en brevlåda här på Gubbängstorg snart en mån. utan, att jag sett den. - Vi ha fått 3,6 kilowatt! Alltså mindre än Ulla, fast hon har ju lite större vån. Hoppas, det räcker fast vi gå mot en mörk årstid. Trevligt hos Ulla B. i går. Nu har jag nästa gång tid d. 4. Skicka recept på zebrakaka, streuselk., gaffelk. etc.

Det kliar fortfarande hemskt. Var ska det sluta? Kicki har hört, att soml. ej tål malbehandl. filtar. En av G:s ingeniörer har beg. löneförh., har mindre än G. o. har fått avslag. Då sa han genast upp o. ska sluta 1 jan. Då först får vi tel., skrev dom igår.

Kuss Märta.

November 1947

Brev från Agnes "Nessi" Kiendl till Gunhild af Sillén den 2 november 1947

Au b. Berchtesgaden 2. XI. 1947.

Sehr geehrte, liebe Frau af Sillén!

Vor einigen Tagen erhielten wir Ihr Paket von Oberaudorf nachgeschickt. Ich möchte Ihnen nun herzlich danken, daß Sie wieder mit so nützlichen Sachen an uns gedacht haben. Brauchen können wir ja alles nur allzugut. Den Mantel habe ich gleich für Gerold hergerichtet, der in seiner Windjacke schon recht fror. Den Pullover habe ich zertrennt, um ihn für Gerold passend zu stricken. Die schönen Stiefel sind uns allen zu groß, aber ich hoffe, einmal eine Möglichkeit zu finden, sie nach Oesterreich zu schicken. Unser Bern könnte sie so gut brauchen. So kommt uns Alles zu Statten. Und besonders die gute Trockenmilch ist ein Schatz für uns bei dieser sehr dürftigen Ernährung. Die Kinder waren beide krank u. sind noch erholungsbedürftig, und man hat ja so gar nichts, um sie wieder aufzupäpeln. Also haben Sie für alles unseren wärmsten Dank.

Wir sind seit dem 15. Sept. hier in der Nähe von Berchtesgaden in einem kl. Gasthäusl untergebracht. Zum 1. Oktober hatte uns die Gemeinde eine Wohnung versprochen, aber immer zerschlug es sich wieder. Nun hoffen wir auf den 15. November. Die Überfüllung mit Flüchtlingen ist hier enorm u. dadurch alles doppelt erschwert. Trotzdem sind wir glücklich, in diesem herrlichen Fleckchen Erde zu sein, es ist ja die Heimat meines Mannes. Wir gehen jeden Tag in den Wald zum Holz machen, das macht uns jetzt und im Winter warm! - Burgl hat ¾ Stunde Schulweg, Gerold fährt mit dem Autobus nach Berchtesgaden ins Gymnasium. - Die Sehnsucht bei uns allen nach Kärnten und dem Eibishof ist noch nicht schwächer geworden, aber man muß nicht zurückschauen, sondern aus der Gegenwart das Beste zu machen versuchen. An die Zukunft denkt man besser gar nicht!

Unsrer Oma u. den beiden Großen in Kärnten geht es gut, wenigstens müssen sie weder hungern noch frieren. - Meinem Bruder geht es leider sehr schlecht, da sich sein Herzleiden arg verschlimmert hat. Nach Hause kann er aber nicht, solange die R. dort sind.

Wie geht es allen Lieben in Schweden? Gar oft sind unsre Gedanken dort. Wie gern möchte ich einmal alle wiedersehen u. Helene's u. Märta's Kinder kennen lernen! Und wie geht es Tante Elisabeth? - Nanna schrieb, daß Helene kein Mädchen hat. Da gibt es bestimmt genug Arbeit für alle beide!

Bitte grüßen Sie alle Lieben sehr herzlich von uns allen u. seien Sie nochmals bedankt von

Ihrer
Agnes Kiendl
Au b. Berchtesgaden
Oberb. (13a)
Gasthaus Bayrische Gemse

Von hier wird uns alle Post nachgeschickt, wenn wir eine Wohnung bekommen.

Brev från Märta till Gunhild den 24 november 1947

Gubbängen den 24 nov. 1947

Kära Ni!

Var var ni i går kväll? Ää var så dålig och morb. sa, att vi skulle nog ringa efter dr. Ervæus, så han skulle komma o. ta hål på trumhinnan i dag. Så till råga på allt elände fick jag 38,8, så Gerd for in till Skeppsbron o. ringde, kl. 19,15 o. kom fram omedelbart. Men i morse var jag bättre o. är nu feberfri, fast jag är så täppt o. är faktiskt lite öm i örat jag med. Har sagt återbrud till tvätten.

Ääs öra gick det hål på av sig självt i natt. Han hade strumpa om så snällt och varet rann ut klockan 1. I dag har jag ej tagit feber på honom. Han känns ej het, men ligger så matt och sover mycket. Här bifogar jag hans brev till Dig.

Sa just till Stefan, att det vore roligt att prata med hans lärarinna o. få höra, hur det egentligen går för dig: Ja, då skulle hon tala om för dej, att jag var bäst på provräkningen, sa han.

Ulla Carlowitz, stackare, ligger i halsfluss ensam. - Ringde till Dr. Nordenfors i går, att jag ej kunde komma i dag o. att jag kanske kunde sluta nu. Nej, det var då rakt inte värt, sa han.

Må så gott
Märta

Ja, Rolf följer väl med pa. hem. Kommer inte Du med också? Stackars Ulla-Märta Aulén. Hon var ju själv faderlös med sina bägge systrar när hon gick i skolan.

Brev från Marianne "Nanna" Schweitzer till Gerd den 30 november 1947

Ihr lieben fünf!

Wie stattlich klingt das, Ihr Fünf! Das wird einem erst klar, wenn es mal dasteht! Wie gern würden wir Euch alle Fünf einmal sehen, ganz besonders die Jungens, die wir ja kaum mehr kennen. Denn sie sind ja nun längst nicht mehr die Kleinkinder, die Stefan und Rolf waren als sie weg fuhren. Märta Du musst recht viel und genau von den Kindern erzählen, man möchte doch sein Patenkind kennen. Es will einem ganz sonderbar erscheinen, dass man sich mit der kleinen Bande nicht mehr verständigen kann. Wann fangen sie in der Schule an, deutsch zu lernen? Oder gibt es diese Sprache nun überhaupt nicht mehr als Schulfach? Ihr werdet nun in einer schönen Adventszeit leben, die Ihr nach all den schwierigen Zeiten sehr geniessen werdet, denker ich.

Mutti schrieb so froh über Eure hübsche Wohnung. Das freut uns so. Habt Ihr eigentlich einm Stück Gartenland dabei? Wo spielen die Kinder, sind die Strassen recht verkehrsreich? Wann muss Gerd früh weg, wann kommt er abends? So viel wollen wir von Eurem Leben wissen, damit die Gedanken um Euch nicht so im luftleeren Raum kreisen. - Ob Ihr Weinachten zu Haus bei Euch feiern werdet, oder fahrt Ihr nach Salta? Unser Euch zugedachtes Weinachts-Angebinde bringen dann die Seidel-Kinder oder Elfriede Müller mit. Da die Einreisegenehmigung nun da ist, geht es mii der Ausreisegenehmigung hoffentlich schnell. Die Kinder freuen sich so sehr, und ich freue mich für die Kinder die es so nötig haben, besonders Barbara, die mit ihren 14 ½ Jahren im Wachstum bei 12 Jahren stehen blieb. Sie haben in ihrem jungen Leben doch arg viel Leid durchlebt; den Vater verloren, den Bruder verloren! Gerade die Seidel-Familie hatte ein so besonders schönes glückliches Familienleben. Auch all das Schwere was die Mutter durchkämpft geht ja an den Kindern nicht spurlos vorrüber.

Uns Beiden geht's soweit gut, und wir müssen dankbar sein. Wir haben viel Arbeit, manchmal bissel zu viel, aber das ist ja doch auch schön. Viel Arbeit ist allerdings ideelle Aufbauarbeit, ohne klingenden Lohn, aber man lernt daran immer neu. Pillnitz macht Otto Freude und Kummer - je nach dem, aber er ist gern drüben. Ganz einfach ist's mit den jungen Leuten, die nicht Fisch nicht Vogel sind, nicht.

Gerd, denkst Du jetzt auch so oft und gern an die glücklichen Weinachten zu Haus in Dresden und dann auf der Albertsstrasse? Die grosse Tanne, die langen Geschenktische? Und dann nach der Bescherung sassen wir immer, jeder vertieft in seinem Kalender oder Buch, knappernd um den Tisch. Vater war dann so behaglich. Und die Zeit, als Ihr Euch mit Decken Euer Plätzchen unterm Tannenbaum machtet, wo Ihr lagt und laset und schmaustet? Ach, schön war's. Und wenn Mutti spielte und wir sangen? - Schafft Euern auch eine so schöne Kindheitserinnerung im Geschwisterkreis. Gerade in der Weinachtszeit erlebe ich sie immer wieder so dankbar.

Ein recht, recht schönes, gesegnetes Fest wünschen wir Euch, und ein gutes Jahr 1948 mit Gesundheit, Vorwärtskommen und Mit-Einander-Glücklichsein. Ob es schon ein Wiedersehen bringt? Ich glaube wohl, doch noch nicht.

In herzlicher Geschwisterliebe denken an Euch
Eure Nanna + Otto

Märta, Du schicktest Otto einmal im Feldpostpäckchen Weinachten nach Norwegen einen Julreiter aus Stroh, der steht jetzt, wie alle letzten Jahre unter unserm Adventskranz und führt unsre Gedanken so oft zu Dir und den Kindern! - Da fällt mir noch ein: Sollen die Kinder oder Elfriede Müller von Deiner Wäsche etwas mitbringen? Dann schreibe es schnell und schicke irgend eine amtl. Beglaubigung für den Zoll, falls das nötig ist.

Ach Gerd eine Bitte: könntest Du wohl ein paar Architekten-Stifte (ganz spitze Zwecken) bekommen und uns schicken? Das geht vielleicht im Doppelbrief. Ottos verschwinden ganz nach + nach und fehlen so sehr.

December 1947

Brev från Marianne "Nanna" Schweitzer till Gunhild den 1 december 1947

Marianne Schweitzer
Dresden A-46
Kleinzschachwitzer Ufer 3. 1. 12. 47.

Meine liebe Gunhild!

Das alte Jahr soll nicht zu Ende gehen, ohne Dir noch einmal von ganzem Herzen für all die Güte zu danken, mit der Du uns beschenktest. So ganz wirst Du garnicht erfassen, was Deine - Eure - Pakete aus einer anderen Welt und die Briefe aus dieser Welt für uns bedeuten. Und ich wünsche Euch von ganzen Herzen, dass Ihr da oben weiter in Eurer abgeschlossenen Ruhe leben dürft. Gott schütze uns alle miteinander vor einem neuen Krieg. Das wäre wohl das Allerfurchtbarste, was uns treffen könnte. Jetzt hoffen wir trotz allem so sehr, dass in London die Vernunft sich durchsetzt und dass wir wieder ein einiges Deutschland werden dürfen, ohne die trennenden Zonengrenzen und ohne "eisernen und seidenen" Vorhang! Aber es sieht oft recht besorgniserregend aus, die Westmächte scheinen garnicht mitmachen zu wollen.

Aber das ist ja kein Weinachtsbrief, entschuldige. Uns ist das Herz jetzt nur immer gar so schwer und bitter. und doch, Advent ist auch bei uns eingezogen. Rein äusserlich schon im Zimmerschmuck - Adventskreuz, Erzgebirgsengel, Stern - und auch innerlich geht doch ein stilles Licht auf. S'ist ein eigener Zauber um die Weinachtszeit, der geht mit einem durch's ganze Leben, wenn man eine so glückliche Kinderweinachtserinnerung hat, wie wir Zenkerkinder sie haben. Unser guter lieber Vater, der ein ganz selten grosser und gütiger Mann war, schenkte sie uns in vollem Masse, und wie sang und klang es die Weinachtszeit hindurch mit Mutti am Flügel allabendlich. Muttis Musik ist aus unsrer Kinderzeit nicht wegzudenken.

Jetzt bekamen die Seidelkinder vom schwed. Konsulat die Einreisegenehmigung zugeschickt. Du kannst Dir kaum ihre Freude vorstellen. Hoffentlich geht es nun schnell mit der Ausreisegenehmigung, so dass sie wenigstens bis Ende Februar fortkommen, bis dahin bestenfalls hat Friedel (Frau Seidel) Kartoffeln, wie wir auch. Wir bekamen noch keine oder besser gesagt erst 1/4 der Winterkartoffeln. Was wir dann ab Februar essen werden, wissen die Götter. 2/3 in der russ. Zone hat sie alle die, die sie durch ihre Betriebe versorgt bekamen. Die Grossbetriebe holten die Kart. mit ihren Fahrzeugen heran. Hertha und Hans und Sibylle haben sie zum Glück auch. Aber der liebe Gott hat uns noch immer geholfen und so wird auch dann Rat werden. - Jedenfalls wäre es sehr gut, wenn die Kinder dann heraus wären. Ich habe die Beiden herzlich lieb. Barbara spielt schon recht nett Klavier und beide singen recht gut. Sie haben in ihrem jungen Leben schon recht viel schweres Leid durchlebt.

Otto hatte für Dich ein Weinachtsangebinde hergestellt, das wir Dir dann mit den Kindern schicken werden. Hoffentlich wird es bald etwas mit Elfriede Müller, damit Du eine gute Hilfe hast. Barbara fasst auch gut zu, Armgart die ausserordentlich klug ist und sehr schnell auffasst muss man bissel anstellen, sie ist ein kleines aber liebes Faultier. Leider stottert sie manchmal bissel, es ist aber nur durch die Unterernährung und es ist auch nicht immer. Ich denke Du wirst aber grosse Freude an Beiden haben.

Nun wünschen wir Euch von Herzen ein schönes, gesegnetes Weinachtsfest und auch schon ein gutes, gesundes, friedliches Jahr 1948.

Euere dankbaren Nanna + Otto.

Brev från Sibylle Tietze till Märta den 3 december 1947

3. XII. 47.

Meine liebe Märta,

Hab' schönen Dank für die Karte mit der Nachricht, daß das Schälchen gut angekommen ist. Heute sende ich Dir nun als Weihnachtsgruß das zweite, -leider ist es auch das letzte; ich besaß nur 2. Hoffentlich macht es Dir ein klein wenig Freude. Ich denke jatzt in der Adventszeit so oft an Dich. Wie schön feiert Ihr Weinachten! Und wenn ich an meine eignen Adventsabende mit Lichtern, Engelsingen und Tannengrün denke - ein verlorenes Paradies! Ich hoffe zum Fest wieder nach Görlitz fahren zu können, am 20. schließen wir die Schale. Und wenn's auch kein Weihnachten mehr für mich gibt, -so bin ich in den Feiertagen doch daheim, und die liebe meiner Schwester umgibt mich. - Jetzt war sie 14 Tage bei mir in Dresden. Im düsteren November ist die große Einsamkeit zu schwer zu tragen. Ich bin dankbar, daß sie bei mir war. Sie laßt Dich recht von Herzen grüßen u. Dir nochmals viele Male für den Labetrank danken. - Doch nun genug von meinem Eulendasein!

Du feierst das Fest zum 1. Mal mit all Deinen Lieben in der eignen Wohnung? Oder seid Ihr in Salta? Was die Jungen für Augen machen werden! Ich sehe es ja an meinen Kleinen in der Schule; die Weinachtsseligkeit lebt selbst in unsern Kindern in dieser Notzeit unausrottbar. Überall hängen die Adventskalender. Auch im Schulzimmer ist einer, u. täglich wird ein Türchen aufgemacht. Und wie hübsch sind die Wohnküchen geschmückt! Ich gebe doch wieder Gruppenunterricht in warmen Räumen, die mir die Eltern zur Verfügung stellen. 10 verschiedene Wohnungen, - alle blitzsauber, alle im Adventsschmuck, - und doch Not u. Elend ringsum!

Wie hat sich Stefan in der neuen Schule eingelebt? Ich würde ihm so gern mal ein deutsches Märchenbuch senden, aber erstens gibt's keine; nur so armselig broschierte, dünne Heftchen, und zweitens weiß ich nicht, ob Drucksachen mit Bildern über die Grenzen gehen. Ich werde mich aber mal erkundigen. Schade, daß unsere schönen Bücher alle verbrannt sind. Sie hätten noch viel Freude anderen Menschen machen können.

Mein Haus ist nun fast ganz verschwunden; die ganze Ecke ist frei. Ich war neulich in der Herz-Jesu-Kirche in einer Schubertmesse und ging dann zu meiner Wohnung. "Und ihre Stätte kennet sie nicht mehr!" Die Herz-Jesu-Kirche steht jetzt dem katholischen u. dem evangelischen Gottesdienst abwechselnd zu Verfügung, weil doch die Erlöserkirche völlig zerbombt ist. Das Wetterhähnchen vom Kirchturm grüßt unverändert herab, das sah ich stets von meinem Balkon aus. Das Einzige, was blieb! Ein "Anblick", nichts Materielles. Aber je älter man wird, desto mehr weitet sich ja das innere Panorama, und das äußere verliert an Wichtigkeit; jedenfalls in meiner Lage. Also paßt der "Anblick" des Konstante recht gut zum Gesamtbild.

Spricht Stefan noch deutsch? Wie hat sich Gert eingelebt? - Von Mutter habe ich noch nichts gehört. Ihre Großmuttertätigkeit wird sie ganz in Anspruch nehmen.

Und nun leb wohl. Verlebe das schönste Fest recht im Herzen froh. Grüße alle Deine Lieben!

Ich bin von Herzen
Deine

Sibylle

Brevkort från Märta och Elisabeth Zenker till Gunhild af Sillén den 7 december 1947

Gubb. den 7. 12. 47. [Poststämplat i Borlänge den 8:e.]

Kära Du! Tack för det fina paketet. Vi har lagt det i kylskåpet o. satt på, så äter vi det i morgon i stället, vi hade redan sönd.middan i ordning. Skriv o. berätta om festen o. toaletterna och Eriks brev. Har han ännu ej fått Stefans brev m. nya adr? Vi hade inga blommor med t. Ernst. Ska vi skicka upp några o. tacka för sist el. räcker det med ett kort? Svara på det! Och Mutti, som just nu återvänder vill veta, var Du har köpt det gråa mjuka garnet åt Stefan. Jag är dålig efter sista sprutan i dag. Torsd. tvätt. Då kommer Eva. Tack för kortet i dag o. Rolfs hälsning.

[Elisabeths handstil:] Förlåt att jag glömde kortet vid Stockh. Centralen. 10 [el. 7 el. 70] dagar har jag varit i Enskede, mycket trevliga o. glada dagar. Märta mår mycket bättre med pannan, bara sprutan tycker hon inte om första dagen. Men så hjälpte de i alla fall. Många hälsningar fr. Elisabeth.

Brev från Märta till Rolf (6 år) den 8 december 1947

Gubbängen den 8. 12. 47

Kära ROLF!

Så här ser det ut när pappa och Stefan och Ää och jag köper julklappar åt Dig. Gissa, vad det är i paketen!

Vi har en sån fin adventsbricka med en liten röd tomte på o. berg och sjö och skog. Tror Du, att Du och mormor kommer hit någon gång före jul? På torsdag ska stackars mamma tvätta och är så orolig för hur jag ska klara det. Eva kommer hit till barnen. - I går hade vi så rart och Ää tände två ljus. Först var pappa med Mutti till tåget.

En dag var det en pojke, som heter Roger här hos Stefan och lekte. Han har en bror, som heter Ramon. Roger sa, att Stefan är frökens Gullgris. Och Lena, som bor Cirkelvägen 21 och som går i 1:a klass, säger att alla kallar Stefan för 1:a kliarn för att han är så liten [men sattes i 2:a klass]. Stefan har tappat sin ena framtand och den andra guppar så, att han ej kan äta hårt bröd.

Ää har varit så gnällig, men nu har Stefan lånat hem en bok, som heter Gnäll Måns och nu är Ää så snäll, för han vill inte att häxan ska komma till Gubbängen. - Stefan har fått snuva och fröken sa, att han borde ha varit hemma. Så gräsligt med punschen! Såg Ni att Greta Lidholm gift sig? Är Karin Dahlbom i Västerås? Måtte vi slippa betala 200 för tel. Vårt nummer blir 489437. Vad skriver Erik?

Eva o. jag ska gå på kungafilmen en dag. Atlas D. tjänstemän har middag m. dans på Gillet Luciadagen. Bara damerna som är anst. där. [Anställda, inte anständiga, som jag först läste! /SZ] Smoking. Gerd vill tyvärr inte gå för dom som han är god vän med ska ej gå o. så är det ju smokingen. Jag säger, att han nog kunde ha pappas, men han vill inte. Vad det kliar på min rygg just nu. Stefan slutar visst redan den 18, men inte far jag från Gerd, så tidigt. Kanske han kan resa ut själv, om det ej är för mycket för Dig. Här regnar det. Har Ni snö?

Ja, må så gott o. säg, hur vi ska göra m. blommor åt Ernst!

Brev från Nanna till Gerd och Märta den 28 december 1947

Liebe Geschwister!

Das war eine recht grosse Freude als gerade am 24. 12. mittags Euer - das heisst Gerd's lieber langen Brief kam. Er wurde aber erst auf den Weinachtstisch gelegt und erst abends nach dem Bescheren gelesen. Da drehte ich ihn erst um und um und suchte Märtas Handschrift - ich Unersättliche. Und als wir dann den Schluss lasen und Gerd's Sorge um Märtas plötzliche Erkrankung lasen, waren wir recht erschrocken. An und für sich - geliebtes Bruderherz - war ich sehr froh einmal von Dir wieder einmal einen Brief zu haben; denn es gibt ganz wenig Leute die solch nette Briefe schreiben können.

Aber nun seid so gut und schreibt sehr bald wie es Märta geht. Wir sorgen uns mit um sie. Ich möchte Euch ja dringend raten, den Blinddarm heraus nehmen zu lassen wenn es sich wieder beruhigt hat. Denn so ist's immer eine Angstpartie, Reizungen wiederholen sich immerzu den ungünstigsten Gelegenheiten, und Märta schwebt doch immer in einer Gefahr. Ich habe mich ja jahrelang, Otto monatelang mit solch ungemütlichen Blinddarm herumgeschleppt. Beide wurden wir erst nach der Operation richtig gesund, alle möglichen Beschwerden verschwanden mit. Bei Otto war's in allerletzter Minute, da hatte sich der Blinddarm ganz plötzlich dann recht hässlich benommen. In nicht gereizten Zeiten ist die Operation ja nicht schwer, ich habe genau nach 3 Wochen nach der Operation schon wieder geschwommen. Ich hatte so einen fabelhaften holländischen Professor, det behauptete, dass man schon 1 Tag nach seiner Operation so ziemlich alle Lagen wieder einnehmen dürfe, selbst auf dem Bauch, wenn man es könne, seine Naht jedenfalls sei zu. Wir bekamen auch schon am 1. Tag zu essen. Also wenn das nicht alles Mut macht.

Nun aber sollt Ihr noch von unserm jüngsten Ergehen hören. Wir haben's Weinachten gut gehabt. Zum Glück kam damals zu meinem Geburtstag Gunhilds Paket zu spät, so konnte ich das Mehl, das sonst draufgegangen wäre, sparen, ebenso Zucker, von Helene Margarine. - So gab's sogar Stollen. Wir bekamen am 20. 12. noch eine Sondernzuteilung von 1 Pf. Mehl richtiges, weisses und ! Pf. Zucker, das gibt nun Ottos Geburtstagskuchen - mit Mohn. - Dann hatten wir ein recht ordentliches Kaninchen, so dass ich für die ganze Fleischzuteilung Wurst nehmen konnte, die mir kalte Abendbrote ermöglichte. Nun sind mit heute die Schätze zu Ende gegangen - leider. Die rührend gute Gunhild schickte 8 Pf. Kartoffeln, die leistete ich uns abends als Salat usw, - leichtsinnig aber schön.

Wir waren zu Christvesper in der Versöhnungskirche wie vor - ach ja so viel Jahren. Im Geiste sah ich Vater am Altar stehen. - Die Kirche war brechend voll, und die Christvesper war schön. - Heimgekommen zündeten wir unsere Kerzenstümpfchen auf dem sehr schönen Baum an, den ein Bekannter uns verschafft hatte. Es war sehr schwer einen zu erwischen. - Und sogar Geschenke gab's wieder. Ich hatte für Otto einen russ. Kolchosroman gefunden, einen Kalender: Landschaftsaquarelle und am 23. fand ich eine van Gogh-Mappe. War ich selig! Otto liebt v. Gogh so. - Otto hatte einen Ganghofer-Roman (Berchtesg. Gegend), Holzuntersetzer, eine Nadel für mich. - So ging's uns also recht gut.

Hertha war am 23. hier, dann seitdem nicht, obgleich sie eigentlich kommen wollte, sicher war sie dienstlich verhindert. - Am 2. Feiertag waren wir bei Wellers, wo's hübsch war, wie immer; auch Tante Rüger war wieder viel frischer.

Politisch sind wir enttäuscht und deprimiert nach dem Londoner Fiasco. Wie ersehnten wir die Einheit - und jetzt Bi- bezw. Trizonesien! Ja - "denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht!" - Was soll nun werden?

So, nun aber Schluss, das Abendbrot ist fällig und mit ihm das Ende der feiertäglichen Genüsse. Also bitte, schreibt bald über Märtas Befinden, ja?

Viel 1000 Grüsse

Eure Nanna + Otto.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 1 januari 2015.