Stammbaum der Familie Zenker

Karl Christian Kohlschütter 1764 - 1837

Karl Christian Kohlschütter, * 14. Juni 1764 (oder 1763) in Dresden, vermählt mit Christiane Louise Kreyssig 1796, † 9. Februar 1837 in Dresden. Sächsischer geheimer Cabinetsrath. Seinen Vater, Karl Christoph Kohlschütter (1725-1768), Kaufmann und Besitzer einer Handlung zu Dresden und Warschau, sächsischer Hofkommissar, verlor er sehr früh.
Siehe Artikel unten. - Seiner Frau Luise Christiane Kreyssig (geb. zu Eilenburg 1776, gest. zu Dresden 1846) wurde ein Gedicht gewidmet.

Kinder:

  • Emilie Kohlschütter
  • Karl Ludwig Kohlschütter (1803 - 1866), siehe Artikel unten.
  • Luise Kohlschütter
  • Rudolf Kohlschütter, siehe unten.
  • Ernst Volkmar Kohlschütter (1812 - 1889), siehe Artikel unten.

    Nach Teichmann soll es noch einen vierten Sohn gegeben haben, der jedoch von meinem Großvater in seinen Erinnerungen nicht erwähnt wird.

    Mein Großvater Walther Zenker schreibt über Karl Christian's Söhne (die beiden Töchter waren Walther's Großmütter):

    ...Nicht ganz so nahe wie Heymanns und Roberts war der weitere Kreis der Verwandten. Jedoch sind auch davon mehrere Familien mir überaus wertvoll und teuer geworden. Über uns allen stand, in hoher Verehrung gehalten, das Haus von Onkel Volkmar Kohlschütter, in meiner Kinderzeit Superintendent von Dresden, früher von Glauchau, und von 1873 an sächsischer Oberhofprediger. Die Kohlschütters haben eine Zeit lang in Sachsen eine eigene Rolle gespielt. Der ältere Bruder des Superintendenten war Geheimrat und stellvertretender Minister - ich weiß nicht mehr, ob im Inneren oder Justiz-Ministerium - und hat die politischen Prozesse gegen die Aufrührer von 1849 von der Regierungsseite her geführt. Der zweite Bruder, Rudolf, war ein besonders in liberalen Kreisen hochangesehener Rechtsanwalt - Justizrat - in Dresden und verteidigte oft dieselben Leute, die der ältere zur Anklage gebracht hatte. Der dritte Bruder, Onkel Volkmar, wirkte von der Kanzel her zur Versöhnung der aufgeregten Parteien. Wirklich nahe gestanden hat uns nur dieser und sein Haus.

Artikel über Karl Christian Kohlschütter in "Allgemeine Deutsche Biographie", Band XVI, 1876, Universitätsbibliothek Uppsala

An dem zweiten Manne seiner Mutter, dem Floßcommisar Mylius, erhielt er einen zweiten, treu sorgenden Vater, bezog 1784 die Universität Wittenberg, wo er neben rechtswissenschaftlichen auch die historischen Vorlesungen Schröckh's, die philosophischen Gottl. Ernst Schulze's und mit besonderem Eifer die des Theologen Reinhard, welcher auf ihn den bedeutendsten Einfluß gewann, fleißig besuchte. 1791 erlangte er die juristische Doctorwürde und trat 1792 als Privatdocent für Encyklopädie, Naturrecht, sächsisches Privatrecht und römisches Recht ein. Zur Uebung im Lateinschreiben und im Disputieren gründete er eine societas juris humanioris, zu deren Mitgliedern sein späterer Amtsvorgesetzter, Cabinetsminister Graf von Einsiedel, gehörte. 1795 wurde er "wegen seiner gründlichen Rechtswissenschaft und in Schriften und Vorlesungen erwiesenen Geschicklichkeit" zum Supernumerarassessor bei der Juristenfacultät, bald darauf zum Professor des sächsischen Rechts ernannt. In diese Zeit gehören die kleinen Schriften: "Propedäutik, Encyklopädie und Methodologie der positiven Rechtswissenschaft", 1798 — "Jus civile privatum quo in Saxonia Electorali utimur, in formam artis redactum", wovon nur ein Theil (1800) erschien.

In Folge Aufforderung seitens Reinhard's folgte er 1798 einem Ruf als zweiter Supernumerar-Oberconsistorialrath nach Dresden, welche Stelle er jedoch 1800 mit der eines Hof- und Justizraths "auf dem gelehrten Latere der Landesregierung" vertauschte. Verschieden ihm übertragene Entwürfe veranlaßten ihn, mildere Strafen vorzuschlagen, auf Einschränkung der Todesstrafe und gesetzliche Feststellung solcher Strafen zu dringen, welche wirklich zur Exekution kämen, während durch die Androhung härterer nicht in Anwendung kommender das Ansehen der Gesetze litte. Für seine Bemühungen in der zur Untersuchung der besten Mittel zur Abhülfe gegen die große Theuerung eingesetzten Commission ernannte ihn die "Gesellschaft der Volksfreunde in Marienberg zur Vorbeugung der Noth und Verminderung gemeinschädlicher Vorurtheile" aus inniger Dankbarkeit 1806 zum Ehrenmitglied. Mit Dr. Fleck arbeitete K. an der 1805 erschienenen zweiten Fortsetzung des Codex Augusteus und verfaßte "Monita über den Entwurf einer neuen Gerichtsordnung für die kursächsischen Lande".

Ende 1806 wurde er geheimer Cabinetssecretär im Domestikdepartement des geheimen Cabinets, in welchem mit größter Gewissenhaftigkeit versehenen Amte er die gesammte Justiz- und Polizeiverwaltung, die Angelegenheiten der Universitäten und Schulen, die Verfassungs-, Hoheits- und Gewerbesachen unter sich hatte. In den J. 1806-12 unterstützte K. gemäß innerer Ueberzeugung das vom König Friedrich August befolgte System, von dem Strudel der Zeit sich nicht fortreißen zu lassen und den Neuerungen beharrlichen Widerstand entgegenzusetzen. Ein im März 1814 geschriebener Aufsatz vertheidigte den König gegen die vielerseits erhobenen Beschuldigungen. Die großes Aufsehen erregende, mit stillschweigender Genehmigung der baierischen Regierung zu Nürnberg gedruckte Denkschrift: "Exposé de la marche politique du Roi de Saxe", deutsch erschienen unter dem Titel: "Der König von Sachsen Friedrich August und sein Benehmen in den neuesten Zeiten", Leipzig 1815 — welche ihm von Einigen zugelegt wird — scheint (nach Flathe, Gesch. Sachsens, 1873, S. 274) aus der Feder des geheimen Legationsraths Wendt zu stammen. Dagegen rühren von ihm her "Acten- und thatmäßige Widerlegung einiger der gröblichsten Unwahrheiten und Verläumdungen, welche in der Schrift: Blick auf Sachsen, seinen König und sein Volk und deren beiderseitiges Verhältniß enthalten sind", sowie die andere anonyme Schrift: "Hat der König von Sachsen diesem Lande entsagt?" Das Patent, durch welches der am 7. Juni heimkehrende König seine Sachsen begrüßte, hatte ihn zum Verfasser.

Seine Verdienste um König und Vaterland in der Zeit des Unglücks wurden durch Ernennung zum geheimen Cabinethsrath, im December 1815 durch Verleihung des Ritterkreuzes des neu gestifteten Civilordens für Verdienst und Treue, 1821 durch einen baierischen Orden anerkannt. Die nächsten Jahre brachten große fast erdrückende Geschäftslast; sein Gesundheitszustand wurde von 1825 an leidend. Eines Theiles seiner Arbeiten 1828 entlastet, empfing K. nach Auflösung des geheimen Cabinets ein seinem bisherigen Gehalte entsprechendes Wartegeld, später Pension.

Sein politisches Glaubensbekenntniß in dieser langen Amtsthätigkeit war das Wort Pope's gewesen:

For forms of government let fools contest;
What is best administer'd, is the best.

K. hatte das häusliche Glück seines späteren Lebens durch Verbindung mit Christiane Louise Kreysig, jüngsten Tochter des Arztes und Apothekers Dr. Kreysig zu Eilenburg, im J. 1796 begründet. In dem Kreise der Seinigen und in der schönen Natur fand er die beste Erholung. Zwei Töchter und vier Söhne gingen aus der Ehe hervor, sämmtlich aufs beste versorgt, als er am 9. Febr. 1837 der in Dresden um sich greifenden Grippe erlag. Neuer Nekrolog der Deutschen für 1837, Weimar 1839, I. 187-206. — Manso, Gesch. des preuß. Staates, III. 224, 315 ff. — Heeren, Gesch. des Europ. Staatensystems, 4. Aufl. — Pölitz, Regierung Friedrich Augusts, II. 173. — Klüber, Acten des Wiener Congresses, VII. 201-235. — Flathe, Gesch. des Kurstaates and Königreichs Sachsen (Heeren und Ukert, Gesch. der europäischen Staaten), Gotha 1873, S. 152. 267. 292. — Krit. Jahrbücher 1837, I. 281-85. /Teichmann.

Artikel über Karl Ludwig Kohlschütter in "Pierer's Universal-Lexikon" (1857)

Geb. 9. März 1803 in Dresden, studierte 1822-1825 die Rechte in Leipzig, 1825-1826 die Staatswissenschaften in Göttingen; trat 1828 in den königlich sächsischen Staatsdienst als Assessor bei der Landesökonomiemanufactur- u. Commerciendeputation u. verwaltete gleichzeitig das Secretatiat bei dem Industrievereine für das Königreich Sachsen; wurde 1831 Regierungsreferendar, 1835 Regierungsrath bei der Kreisdirektion in Zwickau, 1838 Hülfsarbeiter im Ministerium des Innern in Dresden, im August 1848, nach Aufhebung des Bundestages, zum königlich sächsischen Bevollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt in Frankfurt a. M. ernannt, von wo er im Juli 1849 in das Ministerium des Innern als Geheimerath u. Ministerialdirector zurücktrat; 1855 wurde er zum Mitgliede des Staatsrathes ernannt u. seit 1856 mit der Function des königlichen Commissars bei dem den Angelegenheiten der Kunstakademie vorgesetzten akademischen Rathe u. dem damit verbundenen Vorsitze beauftragt.

Volkmar Kohlschütter 1812-1889

Artikel über Ernst Volkmar Kohlschütter in "Pierer's Universal-Lexikon" (1857)

Geb. am 31. Oct. 1812 In Dresden, studierte 1831-34 in Leipzig u. bis 1835 in Jena Theologie; wurde Ende des Jahres 1835 Hülfsprediger bei der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Dresden, 1841 Archidiakonus in Glauchau u. Pfarrer in Gesau, 1846 Superintendent in Glauchau, so wie Consistorialrath im Schönburgischen Gesammtconsistorium daselbst, 1855 Oberpfarrer an der Kreuzkirche in Dresden u. Superintendent der Ephorie Dresden I., Consistorialrath in dem Evangelischen Landesconsistorium u. Beisitzer des Appellationsgerichts in Dresden. Er ließ u. a. mehre Predigten drucken u. gab die Predigten Girardets, Dresden 1843, heraus.

Er war mit Agnes geb. Stavenhagen verheiratet. Er wurde 1873 sächsischer Oberhofprediger und starb 1899. Seine Kinder hießen Anna, Mathilde (ca 1843 - ?) (verh. m. dem Geh. Konsistorialrat Ernst Kühn (1838–1922)), Johannes (1841 - 1918) und Paul (ca 1854 - ?) (verh. m. Helene Meusel; zwei ihrer vier (?) Kinder hießen Elisabeth (1894-1946, verh. m. Paul Drews) und Annemarie (verh. Seydel). - Diese Annemarie Seydel (1890-?) hat ihre (unvollständigen) Erinnerungen aus Dresden niedergeschrieben. [Herzlichen Dank an ihrem Patenkind Christian Lauckner!]

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Luise Kohlschütter 1805 - ? Emilie Kohlschütter 1797-1876
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