Stammbaum der Familie Zenker

Heinrich Moritz Chalybäus 1796 - 1862

Prof. Dr. Heinrich Moritz Chalybäus, geboren am 3. Juli 1796 in Pfaffroda (Sachsen), vermählt in erster Ehe 1826 mit Klara von Kretschmar [Quelle: Sabine Strietzel-Hube, die von Robert Chalybäus stammt], vermählt in zweiter Ehe am 13. April 1831 in Dresden mit Luise Kohlschütter (geb. 3. Juni 1805 in Dresden), gestorben am 22. September 1862 in Dresden (auf einer Reise).

Kind in erster Ehe:

  • Robert Chalybäus.

    Kinder in zweiter Ehe:

  • Agnes Luise Chalybäus.
  • Heinrich Chalybäus (1840 - 1911), 1864 Dr. jur. u. Amtssekr. Husum, 1866 Bürochef im Kultusbüro des Oberpräsidiums Schleswig-Holstein, 1868 KonsR Kiel, 1882 KonsR Hannover, 1886 OKonsR, 1891 KonsPräs. Kiel, Kurator Univ. Kiel, 1897 Roter AdlerO II. Kl., etc.
  • Walther Heinrich Chalybäus (geb. 1844, gest. 25.11.1914, verh. m. Theodora X. (1847 - 1932), Pastor in Rahlstedt 1885 - 1914.

Heinrich Moritz Chalybäus war ein bekannter Philosoph. Er arbeitete zuerst als Hauslehrer in Wien, dann als Lehrer an der Kreuzesschule in Dresden, an der Fürstenschule in Meißen, an der Ritterakademie in Dresden. 1839 wurde er an die Universität Kiel (Dänemark) berufen, 1852 aber von der dänischen Regierung mit neun weiteren Kollegen wegen deutschnationaler Gesinnung des Amtes enthoben.

Er gehörte zum sog. Neu-Schellingianismus, der in Opposition zum Pantheismus Hegels einen spekulativen Theismus zu entwickeln suchte, wobei er der praktischen Vernunft eine grundlegende Bedeutung gab. Seine wichtigsten Arbeiten sind Die historische Entwicklung der speculativen Philosophie von Kant bis Hegel (1837; 5. Auflage 1860) (translated), System der Wissenschaftslehre (1846) und System der speculativen Ethik (1850).

Siehe auch http://www.amazon.com/Heinrich-Moritz-Chalyb%C3%A4us/e/B00JJBUP3S.

Heinrich Moritz Chalybäus 1796-1862. - Quelle.

Mein Großvater Walther Zenker schreibt in seiner Biographie: Mein Großvater, Heinrich Moritz Chalybaeus, entstammte einer sächsischen Pfarrersfamilie, die in mehreren Generationen das Pfarrhaus von Pfaffroda bewohnt hatte. Er selbst, Meissner Fürstenschüler von besonderer Begabung, hatte sich der Philosophie zugewendet und lebte seit Ende der 30er Jahre als Professor der Philosophie an der Universität Kiel. Vorher war er Professor an der Fürstenschule und dann am Dresdner Kadettenhause gewesen; in dieser Zeit ist meine Mutter in Dresden-N. am 20. April 1832 zur Welt gekommen. Mein Großvater und seine zweite Frau, Luise geb. Kohlschütter, (die Schwester meiner anderen Großmutter), waren in Kiel ganz zu Holsteinern geworden und noch viel mehr seine Kinder. Großvater hat in der dänischen Konfliktszeit als Verbannter eine Zeit lang in Leipzig doziert. Sein ältester Sohn, Onkel Robert, trug stolz ein steifes Bein und das Erinnerungskreuz von der damals freilich noch erfolglosen Befreiungsschlacht bei Idstedt.

In Kiel lebte damals [1874] als Konsistorialrat der von mir besonders hochgeschätzte und sehr geliebte Onkel Dr. jur. Heinrich Chalybaeus (später Präsident des Konsistoriums in Kiel und Präsident des Landeskonsistoriums in Hannover, als D. theol., Wirkl. Geheimrat und Excellenz in Kiel gestorben) mit unserer lieben Tante Amalie, geb. Jepsen. In der Nähe von Kiel war der jüngste Bruder, Onkel Walther, Pfarrer im Bordesholm (später Propst in Alt-Rahlstedt).

Artikel in "Allgemeine Deutsche Biographie", Band IV, 1876, Universitätsbibliothek Uppsala

Chalybäus, Heinrich Moritz, geb. 3 Juli 1796 in Pfaffroda im sächsischen Erzgebirge, † 22. Sept. 1862. Sohn eines Pastors, welcher seinerseits seinem Vater in Pfaffroda im Pastorenamte nachgefolgt war, trat er im Oct. 1810 in die Fürstenschule zu Meißen ein, woselbst allerdings die ungewohnte Clausur und der dort herrschende Pennalismus drückend wirkten, so daß er theils in Melancholie versank, theils sich durch dichterische Versuche aufrichtete, jedenfalls aber das Ende der Lernzeit herbeisehnte. Im März 1816 bezog er die Universität Leipzig, um Philologie zu studieren, deren Behandlungsweise jedoch (bei Christ. Dan. Beck) ihn ebenso unbefriedigt ließ, als die philosophischen Vorlesungen Krug's und Platner's; hingegen las er für sich Spinoza und Jacobi, wobei ihn das Gefühl überkam, daß sein Glaube wankend geworden, doch widmete er sich neben philologischen Vorlesungen bei Gottfr. Hermann nun dem Studium der Theologie (bei Keil, Illgen, Tittmann), wobei er nach dem Tode seines Vaters (Juli 1818) durch einen Onkel einigermaßen Unterstützung fand; das theologische Examen aber, welchen er sich im Mai 1819 unterzog, hatte ein wenig genügendes Ergebnis. Bald darauf erhielt er den Antrag, eine Erzieherstelle beim Banquier Geymüller in Wien zu übernehmen, worauf er sich auch einließ, aber vorerst noch in Leipzig blieb, wo er um Fastnacht 1820 das philosophische Doctor-Examen mit bestem Erfolge bestand.

In Wien hatter er unter ziemlich schwierigen Verhältnissen zu wirken, doch erwarb er im dortigen Umgange eine Feinheit des Benehmens, welche ihm auch fortan verblieb. Im März 1822 schied er aus dem Geymüller'schen Hause und begab sich nach Dresden, wo er Privatunterricht ertheilte, aber bald auch eine Anstellung als Collaborator an der Kreuzschule fand. In dieser Zeit schrieb er eine Novelle "Der Christabend", welche in Wien im Mercur erschien und von mehreren anderen Aufsätzen im Litteratur-Blatt gefolgt war. Mit Neujahr 1825 übernahm er eine Professur an der Fürstenschule zu Meißen, wo er Rhetorik, Moral und auch Theologisches zu lehren hatte, im März 1826 verheiratete er sich mit Clara v. Kretschmar, welche ihm jedoch schon 1828 in Folge des zweiten Wochenbettes durch den Tod entrissen wurde.

Er siedelte nun im Herbste 1828 als Professor der Militärakademie nach Dresden um, wo er einerseits als Frucht seiner philologischen Studien eine "Geschichte der Römer, von der Gründung des Staates bis zum Untergange des abendländischen Kaiserthums" (1829 und 32, 2 Bde) herausgab und andererseits wiederholt Vorlesungen philosophischen Inhaltes vor größerem Publicum hielt, woraus allmählich sein bekanntes Werk "Historische Entwicklung der speculativen Philosophie von Kant bis Hegel" (1835) entstand; dasselbe fand so allseitigen Beifall, daß es nicht nur in Deutschland fünf Auflagen erlebte (die letzte 1860), sondern auch in zwei englischen Uebersetzungen erschien (die eine von Tulk, London 1854, die andere von Alfr. Edersheim, Edinburgh 1854). Eine andere entscheidende Folge aber dieser trefflichen Leistung war es, daß Ch. im J. 1839 einen Ruf als ordentl. Professor der Philosophie an die Universität Kiel erhielt. Hier fand er den seinem Wesen geeigneten Wirkungskreis und verbrachte in schlichter Einfachheit heitere Jahre in einem schönen Familienleben, welches er durch Eingehung einer zweiten Ehe mit Louise Kohlschütter noch in Dresden (1831) begründet hatte; dazu boten auch die Verhältnisse der Kieler Universität in den vierziger Jahren einen hohen Reiz durch das Zusammenwirken eines ganzen Kreises hervorragender Männer, welche durch aufrichtige Freundschaft mit einander verbunden waren (besonders innig schloß sich Ch. an Dorner und E. Herrmann an). So begann auch eine Periode reicher schriftstellerischer Thätigkeit, indem Ch. — abgesehen von Recensionen in der Jenaer Litteraturzeitung und im Litterarischen Centralblatte — mehrere kleinere Schriften veröffentlichte ("Phänomenologische Blätter", 1840, "Die moderne Sophistik", 1842; ferner verschiedene Beiträge in der Fichte'schen Zeitschrift, nämlich "Die ethischen Kategorien der Metaphysik", "Ueber das Verhältnis der Metaphysik und Ethik", "Ueber den objectiven und subjectiven Anfang der Philosophie") und hierauf eine größere Arbeit: "Entwurf eines Systems der Wissenschaftlehre" (1846), sowie sein Hauptwerk "System der speculativen Ethik" (1850, 2 Bde.) folgen ließ.

Doch blieb ihm auch eine vorübergehende Trübung seiner Stellung nicht erspart. Nachdem nämlich die dänische Regierung von einem hochgestellten Theilnehmer der schleswig-holsteinschen Bewegung den früher verliehenen dänischen Orden zurückgefordert hatte und als Antwort hierauf seitens mehrerer deutschgesinnter Männer, worunter auch Ch., die unaufgeforderte Rücksendung der dänischen Orden gefolgt war, knüpfte die Regierung hieran im Frühjahre 1852 die Maßregel, daß sie, als nach Unterwerfung Schleswig-Holsteins sämmtliche Beamtenbestellungen behufs neuer Bestätigung eingefordert wurden, dem Ch. und noch sieben anderen Professoren diese Bestätigung versagte. Da die Hoffnungen, welche Ch. auf Anstellung an einer anderen Universität setzen durfte, sich nicht verwirklichten, siedelte er im Frühjahr 1854 nach Sachsen über, um in Leipzig als Privatdocent aufzutreten; aber fast unmittelbar nach seiner Abreise von Kiel wurde er zu seiner Ueberraschung von der Regierung an seine vorige Stellung zurückgerufen. In der Zwischenzeit war seine Schrift "Philosophie und Christenthum" (1853) erschienen, und es folgte noch außer einem Aufsatze "Die speculative Erkenntniss Gottes" (in d. Jahrb. f. deutsche Theologie, 1857) ein die tieferen Systemfragen wieder aufnehmendes Buch "Fundamentalphilosophie" (1861). Um dieselbe Zeit (1860) hatte ihn die Göttinger Facultät honoris causa zum Doctor der Theologie creirt. Er starb auf einer Ferienreise.

Ch. gehörte zu einer Gruppe geistesverwandter Denker, welch sämmtlich, wenn auch in verschiedener Weise, einen speculativen Theismus zu begründen und durchzuführen versuchten. Bereits in der polemischen Kritik, welche er hauptsächlich gegen den Hegelianismus, mehrfach aber auch gegen Herbart richtete, bildet den positiven Kern jene Ethikotheologie, zu welcher Kant in Folge der praktischen Vernunft gelangt war. Nur stellt Ch. den Willen und die sittlichen Momente sofort derartig an die Spitze, daß ihm die Philosophie selbst lediglich als ein Wollen erscheint, an welchem die Energie als die reale Seite und die Selbstergreifung als die ideale Seite zu unterscheiden seien, während beide vereint dem Ziele der absoluten Wahrheit zustreben. Dieses Princip der Philosophie soll seine Vermittlung durch Logik, Ontologie und Erkenntnislehre finden, um zur Idealität einer Teleologie zu gelangen, in welcher als Abschluß von Substanz und Gesetz die absolute Geistigkeit erfasst werden soll. Nämlich sowie teleologisch die körperhafte Natur als Kunstwerk angeschaut wird und somit der Aesthetik anheim fällt, so gilt bezüglich der selbstbewussten freien Wesen die auf Liebe sich aufbauende ethische Lebensauffassung als die universelle und allein wissenschaftliche; dieselbe entwickelt sich von der niedern Stufe der in Familie und Leben wirkenden Eudaimonologie durch das Rechts- und Staatsleben hindurch zur religiösen Sittlichkeit (Gottesreich). In dieser höchsten Stufe der Ethik liegt der rückanknüpfende Uebergang zur speculativen Theologie, insofern Gott nicht, wie bei anderen Theisten, als rein immaterieller Geist zu fassen sei, sondern die absolute Geistigkeit der allgemeinen Substanz in sich trage und somit in Gott die Liebe als schöpferische sich zur Identität mit dem absoluten Wahrheitswillen zusammenschliesse. So sucht Ch. von einem grundsätzlichen Standpunkte aus, in welchem der sittliche Wille das primäre und das Wissen ein secundäres ist, die Gegensätze der Immanenz und der Transcendenz versöhnend zu vereinigen und auch vielfache Anknüpfungspunkte an die Principien des Christenthums , an Trinität u. dgl. zu gewinnen. Solchen Anschauungen hat er in seinen verschiedenen philosophischen Schriften mit sinnig frommer Vertiefung, mit ehrlichem Streben und hingebendem Eifer das Wort geliehen.

Prantl.

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Dorothea Charitas Hermann 1766 - 1828. Robert Heinrich Chalybäus 1827 - 1896 Friedrich Heinrich Chalybäus 1770 - 1818 Luise Kohlschütter 1805 - ? Agnes Luise Chalybäus 1832 - 1914
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